Niedrigere Zinsen: EZB schmettert Hilfegesuch aus Griechenland ab

Griechenland muss vergeblich auf finanzielle Erleichterungen von der Europäischen Zentralbank warten. Einem entsprechenden Hilfegesuch der Regierung erteilt Direktoriumsmitglied Asmussen eine Absage. Auch die nächste Überweisung an das schuldengeplagte Land sei "kein Selbstläufer".

EZB-Direktoriumsmitglied Asmussen: "Der Schlüssel liegt in Athen" Zur Großansicht
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EZB-Direktoriumsmitglied Asmussen: "Der Schlüssel liegt in Athen"

Berlin - Die Antwort kommt prompt, und sie fällt denkbar negativ für Griechenland aus: Die Europäische Zentralbank hat die jüngste Bitte des griechischen Ministerpräsidenten Antonis Samaras um finanziellen Erleichterungen abgeschmettert. "Wir können weder die Laufzeiten für griechische Anleihen verlängern noch die Zinsen senken", sagte EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen der "Bild am Sonntag". Beide Maßnahmen wären eine Form des Schuldenerlasses und damit eine direkte Finanzierung des griechischen Staates. "Das aber ist der EZB rechtlich nicht erlaubt."

In einem dramatischen Appell hatte Samaras in einem "Handelsblatt"-Interview die Bundesregierung um ein weiteres Entgegenkommen gebeten. Zudem rief er die EZB auf, die Zinsen der griechischen Staatsanleihen in ihrem Portfolio zu senken oder die Laufzeit der Bonds zu verlängern.

Mit Blick auf die von Athen dringend benötigte nächste Tranche über 31,5 Milliarden Euro aus dem zweiten Hilfspaket sagte Asmussen, die Freigabe sei "kein Selbstläufer". Seine klare Präferenz sei zwar, dass Griechenland in der Euro-Zone bleibe. "Aber der Schlüssel dafür liegt in Athen", fügte der frühere Staatssekretär von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hinzu. "Die Voraussetzung für die Auszahlung der nächsten Tranche an Griechenland ist, dass das Haushaltsloch für 2013/2014 geschlossen wird und umfangreiche Strukturreformen durchgeführt werden." Ohne Zahlung der Milliardenhilfe ist Griechenland nach Aussagen des Ministerpräsidenten Ende November pleite.

Die griechische Regierung verhandelt seit Wochen mit der Troika aus Internationalem Währungsfonds (IWF), EZB und EU-Kommission über zusätzliche Einsparungen. Eine Einigung ist die entscheidende Voraussetzung dafür, dass die nächste Tranche an Hilfsgeldern freigegeben wird. Am Dienstag reist Merkel zu Gesprächen mit Samaras nach Athen.

yes/Reuters/AFP

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1. Die EZB ist nicht da um Schrott-Anleihen zu kaufen.
wilckinson 06.10.2012
Das hat sie zwar bis jetzt trotzdem gemacht und erweisst sich als falsch! Wer hilft schon ein Familienmitglied wenn man weiss das man das Geld nicht zurück bekommt? Ich nicht oder höchstens einmal :-) Die EZB muss Banken welche sich verspekuliert haben Kaputt gehen lassen! Selber Schuld. Mir hilft auch Niemand.
2. Wie lange soll das noch gegen,
calü 06.10.2012
bis endlich jeder begriffen hat, das Griechenland nicht mehr zu halten ist.
3. ;-)
beutzemann 06.10.2012
Zitat von sysopGriechenland muss vergeblich auf finanzielle Erleichterungen der Europäischen Zentralbank warten. Einem entsprechenden Hilfegesuch der Regierung erteilt Direktoriumsmitglied Asmussen eine Absage. Auch die nächste Überweisung an das schuldengeplagte Land sei "kein Selbstläufer". Asmussen: EZB kann Griechenland nicht finanziell entlasten - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/asmussen-ezb-kann-griechenland-nicht-finanziell-entlasten-a-859814.html)
Spät, zu spät? Das ist die richtige Antwort! Die Griechen denken doch nicht daran irgend etwas zurück zu zahlen. Sagt mein Freund, nach Griechenland ausgewanderter Deutscher.
4. Warum wird die Griechenland-Pleite immer noch verhindert
Roßtäuscher 06.10.2012
Zitat von sysopGriechenland muss vergeblich auf finanzielle Erleichterungen der Europäischen Zentralbank warten. Einem entsprechenden Hilfegesuch der Regierung erteilt Direktoriumsmitglied Asmussen eine Absage. Auch die nächste Überweisung an das schuldengeplagte Land sei "kein Selbstläufer". Asmussen: EZB kann Griechenland nicht finanziell entlasten - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/asmussen-ezb-kann-griechenland-nicht-finanziell-entlasten-a-859814.html)
Was ohnehin unvermeidbar ist. Zu diesem unumkehrbaren Zustand sind gerade die völlig unangebrachten Zusagen von Merkel der allergrößte Unsinn, Griechenland um alles in der Welt im € zu behalten. Sind wir gespannt, was sie am Dienstag bei ihrem Kaffeekränzchen-Ausflug nach Athen wieder für Solidaritäts-Sprüche herumposaunen wird. Wie kann man so eine Regierungschefin dermaßen hochjubeln, wenn das genaue Gegenteil der Fall ist. Sie wird, wie Griechenland, sehr bald vor einer immer enger werdenden Mauergasse ohne Umkehr stehen. Der beste Beweis ist ein Herr Asmussen von der EZB, der das bisherige Tohuwabohu der immer neuen Kredite oder Erleichterungen - OHNE ANGEKÜNDIGTE STRUKTURREFORMEN - wie Laufzeitverlängerung oder niedrigere Zinsen ablehnt. Wie kann man einem Schuldnerland immer wieder Hoffnungen auf Erleichterungen machen, wenn man weiß, bis hier her und nicht weiter am Ende der Fahnenstange. Das ganze Theater ist schlichtweg als BEKLOPPT zu bezeichnen, dazu bedarf es nicht einmal eines volkswirtschaftlichen Studiums. Und Kenntnisse in Physik schon gar nicht.
5. 100 Millionen um im Kreis zu fahren
spon-facebook-10000051328 06.10.2012
``Die griechische Regierung hat ein Budget von 28,9 Millionen Euro für den Bau einer Rennstrecke auf Formel-1-Standard freigegeben. Die Gesamtkosten des Projekts sollen sich auf 94,6 Millionen Euro belaufen.´´ Da wird es der griechischen Regierung wohl wie Kurt Beck mit dem Nürburgring ergehen: Keine Förderhilfen mehr für die Rennstrecke von der EU Subventionsmaschine = Pleite! Ein Schelm wer Böses dabei denkt dass Bundeskanzlerette Merkel eine Bimbesreise nach Athen unternehmen würde deswegen. Trotz leerer Kassen 100 Millionen Euro eingeplant: Athen möchte Formel-1-Rennstrecke bauen (http://www.rp-online.de/politik/eu/athen-moechte-formel-1-rennstrecke-bauen-1.3018431)
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Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 11,305 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Karolos Papoulias

Regierungschef: Antonis Samaras

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