Flüchtlinge Wirtschaft will Asylbewerber leichter in Jobs bringen

Asylbewerber in Deutschland dürfen in den ersten drei Monaten gar nicht arbeiten, auch danach stehen ihre Chancen schlecht. Führende Wirtschaftsvertreter fordern Bund und Länder auf, das zu ändern.

Asylbewerber in Berlin: Flüchtlinge sollen sich leichter in den Arbeitsmarkt integrieren
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Asylbewerber in Berlin: Flüchtlinge sollen sich leichter in den Arbeitsmarkt integrieren


Die deutsche Wirtschaft fordert Bund und Länder auf, Flüchtlingen den Zugang zum Arbeitsmarkt deutlich zu erleichtern. "Viele Menschen, die auf der Flucht vor Krieg und Vertreibung zu uns kommen, werden längerfristig oder sogar für immer bleiben", sagte Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Es ist im Interesse aller, alles zu tun, damit sich diese Menschen zügig in den Arbeitsmarkt integrieren können."

"Viele junge Menschen, die als minderjährige Flüchtlinge nach Deutschland kommen, sind nicht nur bereit, sondern auch besonders motiviert, eine Ausbildung zu absolvieren", sagte Kramer. Gerade für sie dürfe das Asylverfahren keinen Lebensstillstand bedeuten. "Zugleich gibt es viele Unternehmen, die händeringend junge Menschen für eine betriebliche Ausbildung suchen."

Deswegen müsse der Aufenthalt für Asylsuchende und Geduldete, die einen Ausbildungsplatz gefunden haben, grundsätzlich sichergestellt werden. Kramer forderte für die Betroffenen zudem einen leichteren Zugang zu Förderinstrumenten der Berufsausbildung.

Kramer drängt zudem auf weitere konkrete Schritte für den Zugang zum Arbeitsmarkt für Asylsuchende und Geduldete ohne Arbeitsverbot. So kritisierte er die sogenannten Vorrangprüfung, nach der Deutsche im Zweifelsfall bevorzugt einen Job bekommen sollen. Nicht mehr zeitgemäß sei auch das Beschäftigungsverbot in der Zeitarbeit. Gerade diese könne ein Weg sein, um mit praktischen Fertigkeiten und persönlichen Kompetenzen zu überzeugen.

DIHK fordert Rechtssicherheit für Asylbewerber

Ähnlich äußerte sich der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Eric Schweitzer. Er forderte "dass Asylbewerber mit Bleibeperspektive und Geduldete, die hier eine Ausbildung beginnen, diese auch abschließen dürfen ohne Sorge vor Abschiebung". Diese Rechtssicherheit sollte auch für eine Anschlussbeschäftigung gelten, sagte Schweitzer.

Der Zugang zum Jobmarkt ist ein zentrales Thema einer Ministerpräsidentenkonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am Donnerstag in Berlin. Vergangene Woche hatten Bund und Ländern bereits im Grundsatz beschlossen, dass der Bund seine Hilfe für die Versorgung von Asylbewerbern in diesem Jahr auf eine Milliarde Euro verdoppelt. Bereits zugesagte Mittel von 500 Millionen Euro für 2016 sollen vorgezogen werden.

Für 2015 rechnen die Behörden mit 450.000 Asylanträgen. Kramer und Schweitzer begrüßten, dass Bund und Länder das Thema oben auf ihrer Agenda hätten.

Für Asylsuchende und Geduldete ist die Arbeit in den ersten drei Monaten ihres Aufenthalts ganz verboten. Auch danach haben sie nur schlechte Chancen auf einen Job, weil es "bevorrechtigte Arbeitnehmer" gibt. Dies sind Deutsche, aber auch EU-Ausländer oder anerkannte Flüchtlinge.

Nach 15 Monaten Aufenthalt in Deutschland dürfen Asylbewerber und geduldete Flüchtlinge - ohne die oben beschriebenen Einschränkungen - arbeiten.

syd/dpa

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