Reparationsforderung Athen setzt Deutschland nicht mit Nazi-Regime gleich

Athen lässt prüfen, ob die Bundesrepublik dem Land aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg Reparationen in dreistelliger Milliardenhöhe schuldet. Man wolle das heutige Deutschland damit jedoch auf keinen Fall mit dem Nazi-Regime gleichsetzen, betont die Regierung.

Griechische Proteste vor Merkel-Plakat (Archivbild): Ärger mit Deutschland
REUTERS

Griechische Proteste vor Merkel-Plakat (Archivbild): Ärger mit Deutschland


Athen - Mögliche griechische Reparationsforderungen an Deutschland sollen nicht als ein Akt der Aggression verstanden werden. Das betonte Griechenlands Außenminister Dimitris Avramopoulos am Mittwoch bei einer Parlamentsdebatte. Die Griechen "stellen auf keinen Fall das heutige demokratische Deutschland mit dem Nazi-Regime gleich", sagte der Minister. Vielmehr gehe man mit dem deutschen Volk einen gemeinsamen Weg in der europäischen Familie.

Staatliche griechische Juristen prüfen derzeit mögliche Reparationsforderungen aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg an Deutschland. Dabei geht es unter anderem um einen Zwangskredit, den die Bank von Griechenland 1942 der Deutschen Reichsbank gewährte.

Sollten die Reparationsforderungen je gestellt werden, könnte es um erhebliche Beträge gehen. In manchen Zeitungen ist von bis zu 162 Milliarden Euro die Rede, die Berlin Athen noch schulden soll. Das entspricht rund 80 Prozent des heutigen griechischen Bruttoinlandsprodukts.

Der Bericht der Forschungskommission basiert auf 761 Bänden Archivmaterial, darunter Verträge, Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen. Berichten zufolge mussten Experten 190.000 Seiten durcharbeiten, die über mehrere Archive verstreut waren. Manche Dokumente habe man in Säcken in Kellern öffentlicher Gebäude gefunden, hieß es.

Avramopoulos erwartet von den Juristen bald ein Rechtsgutachten über eine entsprechende Studie, die seit Wochen zwischen den Athener Behörden hin- und hergeschoben wird. Die Ergebnisse werden als "streng geheim" eingestuft.

Für Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sind die Entschädigungsfragen längst geklärt. Sie haben aus seiner Sicht keine Chance.

ssu/dpa-AFX



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