Atomausstieg in Deutschland: Aigner fürchtet steigende Strompreise

Erst Ja, dann Nein, und jetzt ein klares Jein - der schwarz-gelbe Atomkurs sorgt erneut für Verwirrung. Kurz nachdem die Regierung eine dreimonatige Zwangspause für Deutschlands Altmeiler beschlossen hat, warnt CSU-Verbraucherministerin Aigner plötzlich vor steigenden Strompreisen.

Düsseldorf - Wie man's auch macht - einen Haken gibt es immer. Mit Atomkraft fürchtet sich Deutschland vor einem GAU, ohne hingegen könnten die Strompreise steigen. Das erwartet zumindest Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU). Nur wenige Tage nach dem Umschwenken der Bundesregierung in der Atompolitik hat sie die Stromkonzerne vor einer unangemessenen Preispolitik gewarnt. "Die Energieversorger dürfen die vorübergehende Abschaltung älterer Kernkraftwerke in Deutschland nicht zum Vorwand nehmen, jetzt gleich wieder die nächste Preiserhöhung einzuleiten", sagte sie der "Rheinischen Post".

Ihre - wenig innovative - Forderung an die Konzerne: "Wir benötigen mehr Transparenz und Wettbewerb auf dem Strommarkt."

Für die Verbraucher müsse nachvollziehbar sein, warum die Strompreise erhöht würden und ob dies gerechtfertigt sei, sagte Aigner, die von der Opposition gerne als "Ankündigungsministerin" verspottet wird. "Die Unternehmen haben hier eine Bringschuld."

Die Ministerin räumte ein, dass die Entwicklung neuer Technologien und der Ausbau der Stromnetze Investitionen erfordere, was sich auch in den Stromkosten niederschlagen könne. "Wir wissen aber auch, dass die tatsächlichen Energiekosten nicht allein verantwortlich sind für die Höhe der Strompreise", sagte die CSU-Politikerin. Mit anderen Worten: Die Konzerne sind schuld. Die Verbraucher könnten sich aber gegen ungerechtfertigte Preiserhöhungen wehren und den Anbieter wechseln, sagte Aigner.

"Das Thema Atom wird nicht mehr verschwinden"

Einen überraschend deutlichen Anti-Atomkurs fährt neuerdings Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU). In der "Süddeutschen Zeitung" warnte er davor, am Ende des dreimonatigen Moratoriums so weiterzumachen wie vor dem Atomunglück in Japan. "Das Thema Atom wird nicht mehr verschwinden", sagte er dem Blatt.

Er könne nicht ausschließen, dass manche Politiker in den eigenen Reihen mit einem zeitlichen Abstand oder bei einem Ausbleiben der totalen Katastrophe in Japan versuchen könnten, wieder zu den alten Pro-Atom-Positionen zurückzukehren. Das aber sei mit ihm nicht zu machen. "Davon wird mich niemand mehr runterbringen", sagte der CSU-Chef.

Im Bayerischen Fernsehen hatte Seehofer am Dienstag angekündigt, dass Bayerns ältestes Atomkraftwerk Isar I wohl dauerhaft vom Netz genommen werden soll. Nach dem Atomgipfel im Kanzleramt in Berlin bekräftigte er: "Nach dem, was wir heute besprochen haben, sehe ich eher die Wahrscheinlichkeit, dass Isar I wohl nicht mehr zu betreiben ist." Seehofer hatte bereits vergangene Woche betont, eine Wiederinbetriebnahme sei "schwer vorstellbar".

wal/AFP/dpa-AFX

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insgesamt 57 Beiträge
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1. Klimawandel
timewalk 23.03.2011
Zitat von sysopErst Ja, dann Nein, und jetzt ein klares Jein - der schwarz-gelbe Atomkurs sorgt erneut für Verwirrung. Kurz nachdem die Regierung eine dreimonatige*Zwangspause für Deutschlands Altmeiler beschlossen hat, warnt CSU-Verbraucherministerin Aigner plötzlich vor steigenden Strompreisen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,752628,00.html
300 Milliarden kostet Japan der Spaß mit dem Erdbeben und anschließender Kernschmelze. Und da ist noch nicht die Evakuierung von Großjapan eingerechnet. Jeder Euro in 100% saubere Energie zahlt sich so indirekt mehrfach zurück. Und dann ist da ja noch der Klimawandel(das wichtigste von allem).
2. strompreis rauf, steuern runter
Gebetsmühle 23.03.2011
Zitat von sysopErst Ja, dann Nein, und jetzt ein klares Jein - der schwarz-gelbe Atomkurs sorgt erneut für Verwirrung. Kurz nachdem die Regierung eine dreimonatige*Zwangspause für Deutschlands Altmeiler beschlossen hat, warnt CSU-Verbraucherministerin Aigner plötzlich vor steigenden Strompreisen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,752628,00.html
die strompreise werden sinken, denn es fließen weniger subventionen ans atomkartell. der steueranteil, den der bürger für die kernkraft zahlt, also in den letzten 10 jahren über 100 milliarden euro, fällt dann nämlich weg. natürlich ist von den konzernen eine kostendeckende müllgebühr einzuziehen. ich freue mich schon auf die steuersenkung und alle andren bürger auch.
3. Meine Meinung
meinmein 23.03.2011
"Ach nee, wenn der Strom teurer wird, will ich doch lieber die Atomkraft behalten" ist die gewünschte Reaktion auf solche Meldungen? Haltet ihr da oben uns für so dämlich?
4. Aigner...?
classico, 23.03.2011
... was die so alles fürchtet. Sie sollte mal etwas dagegen unternehmen. Zerschlagung der Eneriekonzerne ... bis hin zur Verstaatlichung wäre eine Lösung.
5. Danke, Aigner
wowbagger42 23.03.2011
So, so; die Strompreise werden steigen. Das ist aber was ganz Neues. Die letzten Jahrzehnte ist der Strom ja auch immer billiger geworden. Und das haben wir ganz sicher der Atomenergie zu verdanken.
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Atomkraft in Deutschland
Leistung älterer Kernkraftwerke
Leistung älterer deutscher Kernkraftwerke
Kraftwerk Betriebs-
start
Defekte Netto-
leistung
in MW
Brunsbüttel 1977 80 771
Isar 1 1979 44 878
Neckarwestheim 1 1976 47 785
Philippsburg 1 1980 39 890
Biblis A 1974 66 1167
Biblis B 1976 78 1240
Unterweser 1978 49 1345
Gesamt 7076
Quelle: Bundesumweltministerium, Bundesamt für Strahlenschutz, IAEA - Power Reactor Information System, Informationskreis KernEnergie
Umsätze Altreaktoren
Durchschnittliche Jahresstromproduktion und Gesamtumsatz Altreaktoren
Kraftwerk Leistung in MW Produktion in TWh
Biblis A 1167 8,1
Neckarwestheim 1 785 5,4
Biblis B 1240 8,6
Brunsbüttel 771 0,0 (nicht am Netz)
Isar 1 878 6,1
Unterweser 1345 9,3
Philippsburg 1 890 6,1
Gesamt 7076 43,6
Jahresumsatz gesamt in Mio. € 2310
Quelle: Energiekonzerne, Bundesumweltministerium, Bundesamt für Strahlenschutz; Berechnungen: Wolfgang Pfaffenberger. Ausgegangen wird von einer Jahresproduktion von 6900 Volllaststunden und dem Grundlastpreis vom 15.3.11 (53 Millionen Euro pro Terawattstunde).
Reststrommengen der Altmeiler
Reststrommengen der Altmeiler
Kraftwerk Reststrom 1. Januar 2011 Reststrom aktuell*
Biblis A 4305 3332
Biblis B (in Revision) 4961 7490
Neckarwestheim I 188 0
Brunsbüttel (nicht am Netz) 10999 10999
Isar 1 3585 2276
Unterweser 13572 11344
Philippsburg 1 9869 8518
Gesamt 43959
 
Umsatzpotential in Mio. € 2329
Quellen: Bundesamt für Strahlenschutz, VGB. * Eigene Berechnungen (Reststrom 1. Januar 2011 minus [Jahreswert 2010 geteilt durch 12 mal 2,5 Monate]). Die Tabelle gibt die Reststrommengen ohne die im vergangenen Jahr beschlossene Laufzeitverlängerung wieder.

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