Hitzewelle Erste AKW reduzieren ihre Leistung

Wegen der Hitzewelle müssen mehrere Atomkraftwerke ihre Stromproduktion verringern. Auch der Kohletransport auf dem Wasser ist eingeschränkt. Noch sind die Ausfälle aber gering.

Kernkraftwerk Grohnde
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Kernkraftwerk Grohnde


Die anhaltende Hitze hat mittlerweile Auswirkungen auf die deutsche Stromversorgung. Beim Kernkraftwerk Philippsburg in Baden-Württemberg wurde die Leistung um bis zu zehn Prozent verringert, wie der Versorger EnBW mitteilte. Dadurch solle der Anstieg der Wassertemperatur im Rhein durch das eingeleitete Kühlwasser begrenzt werden.

In Norddeutschland produzieren die Kernkraftwerke Grohnde und Brokdorf nach Angaben des Betreibers Preussen Elektra wegen der leicht erhöhten Gewässertemperaturen etwas weniger als üblich. Derzeit führt dies in Grohnde zu einer um 80 bis 120 Megawatt geringeren Stromproduktion, in Brokdorf sei die Einschränkung geringer.

Die Reduzierung der Stromproduktion wegen der etwas höheren Gewässertemperaturen sei ein ganz normaler Effekt, hieß es. Solche Maßnahmen gebe es jeden Sommer.

Wegen der hohen Wassertemperaturen hat EnBW zudem einen Block seines Steinkohle-Dampfkraftwerks im Karlsruher Rheinhafen abgestellt. Der Versorger hat vorsorglich Ausnahmeanträge gestellt, um seine Kraftwerke auch weiterbetreiben zu können, wenn die Wassertemperaturen von Rhein und Neckar die Grenze von 28 Grad überschreiten.

Die Umweltorganisation BUND kritisierte solche Ausnahmen. Sie seien wegen des drohenden Fischsterbens "unverantwortlich" sagte BUND-Experte Gottfried May-Stürmer der "Heilbronner Stimme" (Dienstag).

Das über das vergangene Wochenende wegen Problemen beim Kohlenachschub abgeschaltete große RWE-Steinkohlekraftwerk in Hamm ist wieder am Netz. Weil in den kommenden Tagen wenig Strom aus Windkraft erwartet werde, gebe es Bedarf für den Strom aus Hamm, sagte ein Sprecher. Wegen des Niedrigwassers auf dem Rhein können die Kohlefrachter derzeit nicht voll beladen werden. Es komme aber weiterhin Kohle in Hamm an, sagte der Sprecher.

Die Stromproduktion aus Wasserkraft läuft nach Angaben des Versorgers Uniper auf dem im Sommer üblichen Niveau. "Im Sommer ist die Erzeugung um ein gutes Drittel geringer als in den wasserreichen Frühjahrsmonaten", sagte ein Sprecher.

Insgesamt haben die hohen Temperaturen und die sinkenden Wasserstände der Flüsse die Stromversorgung in Deutschland bislang nur wenig beeinträchtigt. "Es ist alles im grünen Bereich", sagte ein Sprecher der Bundesnetzagentur.

ssu/dpa



insgesamt 133 Beiträge
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Seite 1
user124816 31.07.2018
1.
Stimmt nicht ganz, erste AKW werden bereits abgeschaltet - Ringhals 2 zum Beispiel. Bei der Stromversorgung darf man nicht nur "deutsche" Kraftwerke betrachten, sondern muss *alle* im europäischen Netzverbund beachten. Wir alle produzieren und verbrauchen Strom, und wenn die Produktion in einer Ecke Europas ausfällt, muss Resteuropa das durch Mehrproduktion abfangen… oder einen Netzabschnitt vom Gesamtnetz trennen. Stromausfall halt.
DerBlicker 31.07.2018
2. die Überschrift ist nicht zutreffend
Die AKW Betreiber müssen die Leistung aus technischen Gründen nicht reduzieren, sie tun es freiwillig, um den Fischen was Gutes zu tun. Die AKW würden auch mit wärmerem Kühlwasser laufen, nur geht es den Fischen im Fluss dann nicht mehr so gut.
hbb258 31.07.2018
3.
Zitat von DerBlickerDie AKW Betreiber müssen die Leistung aus technischen Gründen nicht reduzieren, sie tun es freiwillig, um den Fischen was Gutes zu tun. Die AKW würden auch mit wärmerem Kühlwasser laufen, nur geht es den Fischen im Fluss dann nicht mehr so gut.
Die Betreiber machen das nicht freiwillig. Es gibt da klare Verordnungen der Bundesländer. Ab bestimmten Wassertemperaturen ist eine Drosselung der Leistung vorgeschrieben. Deshalb versuchen die Betreiber ja auch Ausnahmeregelungen zu beantragen.. freiwillig drosselt da kein Betrieb.
forscher56 31.07.2018
4. Freiwillige Naturschutzmaßnahmen der Industrie? Lächerlich.
Natürlich drosseln die Kraftwerke ihre Leistung nicht, um den Fischen etwas Gutes zu tun. Sie machen das aufgrund von Auflagen in ihrer Betriebsgenehmigung.
r_dawkins 31.07.2018
5. @DerBlicker: das nenne ich mal eine differenzierte Ansicht
über die Atom-Industrie. Unter diesem Gesichtspunkt des freiwilligen Umweltschutzes ist vermutlich auch zu verstehen, wie umweltfreundlich die gesamte Technik der Atomstromproduktion denn so ist (Stichwort CO2). Mutter Gaja wird´s uns danken! Über Atommüll, Endlager und Strahlung braucht man sich dann keine Gedanken mehr zu machen.
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