Aufgestockte IWF-Krisenkasse: Lagardes 500-Milliarden-Plan zieht Euro ins Plus

Der Internationale Währungsfonds demonstriert Entschlossenheit. Er will seine Krisenkasse massiv aufstocken, um einen Absturz der Weltwirtschaft zu verhindern. Der Euro steigt deutlich - obwohl noch gar nicht sicher ist, ob der IWF das Geld zusammenbekommt. 

IWF-Chefin Lagarde: Entschlossenes Auftreten Zur Großansicht
DPA

IWF-Chefin Lagarde: Entschlossenes Auftreten

New York - Der Internationale Währungsfonds setzt ein deutliches Signal: Er will seinen Kreditrahmen auf rund 900 bis 1000 Milliarden Dollar erweitern, um die Weltwirtschaft zu stützen. Das globale Wachstum kühlt sich derzeit bedenklich ab: In Schwellenländern wie China oder Indien wird der rasante Aufschwung langsamer, in Europa verschärft sich die Schuldenkrise. Rating-Agenturen stufen ihre Bonitätsbewertung von Euro-Ländern reihenweise herunter; die Weltbank fürchtet, dass Europa 2012 in die Rezession rutscht.

Jetzt demonstriert der IWF Entschlossenheit. Er will seinen Kreditrahmen mehr als verdoppeln. Derzeit umfasst die Krisenkasse Kreditzusagen in Höhe von 387 Milliarden Dollar.

Details nennt der IWF offiziell nicht. Laut "Financial Times" will der Fonds das Geld in Form von freiwilligen Ad-hoc-Hilfen einsammeln. Ein Großteil der zusätzlichen 500 Milliarden Dollar würde wohl auf die Euro-Zone entfallen. Laut "Wall Street Journal" könnte der Kreditrahmen sogar um 600 Milliarden Dollar aufgestockt werden; 250 Milliarden sollen aus Europa kommen, die übrigen 350 Milliarden aus dem Rest der Welt. Das Geld solle zur Not auch eingesetzt werden, um Italien oder Spanien zu stützen.

Beide Länder leiden unter hoher Arbeitslosigkeit, hohen Defiziten und drohender Rezession, und sie zahlen bedenklich hohe Zinsen für ihre Staatsanleihen. Es besteht die Gefahr, dass Italien oder Spanien 2012 auf externe Hilfen angewiesen sind; doch die EU-Krisenmechanismen reichen dafür nicht aus. Entsprechend groß ist die Signalwirkung des IWF-Plans.

"Wenn der IWF diese zusätzlichen Mittel bekommt, wäre das eine wichtiger Schritt, um die Schuldenkrise zu entschärfen", sagt Holger Schmieding, Chef-Volkswirt der Berenberg Bank und ehemaliger IWF-Ökonom, SPIEGEL ONLINE. "Je mehr Geld der IWF ins Schaufenster stellen kann, umso eher werden Anleger glauben, dass Italien geschützt werden kann, selbst wenn eine mögliche griechische Staatspleite erhebliche Unruhe an den Märkten auslösen könnte."

Euphorische Anleger, kritische IWF-Mitglieder

Die Märkte reagierten positiv auf die Ankündigung: Der Euro-Kurs stieg deutlich, auf zuletzt mehr als 1,28 Dollar. Die Zinsen für zehnjährige italienische Staatsanleihen sanken auf 6,5 Prozent, vor kurzem lagen sie noch bei mehr als sieben Prozent.

Die Aufstockung des Kreditrahmens ist Teil einer langfristigeren Strategie. Der IWF versuche, sich als starker Kreditgeber für Wirtschaften aller Größen zu etablieren, sagte der ehemalige IWF-Mann Eswar Prasad der "Financial Times".

Noch aber hat der IWF all die Milliarden nicht zusammen. Und in der Vergangenheit bekam der Fonds bei weitem nicht immer das Geld, das er von seinen Mitgliedstaaten einforderte.

Derzeit versuche der Fonds vor allem Schwellenländer dazu zu bewegen, ihre Kreditzusagen aufzustocken, schreibt die Nachrichtenagentur Bloomberg. Dazu zählten China, Brasilien, Russland, Indien und Japan sowie die Ölförderländer. Einige dieser Länder hatten bereits im vergangenen Jahr zugesichert, ihre Kreditzusagen beim IWF notfalls aufzustocken. Mittelfristig dürften sie im Gegenzug größere Mitspracherechte beim Fonds verlangen.

Ein Teil der Aufstockung ist schon beschlossene Sache. Zusätzliche 200 Milliarden Dollar haben die Euro-Länder kürzlich zugesichert. Ursprünglich sollte, unter anderem von den übrigen EU-Mitgliedern, noch deutlich mehr Geld kommen - doch dann stellte sich Großbritannien quer.

Einige IWF-Mitglieder sträuben sich offenbar bereits gegen neue Hilfen. Viele Länder erwarteten, dass die EU zunächst selbst weitere Maßnahmen ergreife, um die Krise einzudämmen, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters einen Insider. Ein zweiter sagte, vor allem die USA, Kanada, Japan und Südkorea hätten sich gegen neue Hilfen ausgesprochen, ehe Europa seine Beiträge nicht ausweite. Die Europäer dagegen hätten betont, bereits genug unternommen zu haben - und nun auf Unterstützung des IWF zu warten.

ssu/yes/dpa/Reuters

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insgesamt 44 Beiträge
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1. Blasenwirtschaft
paul sartre 18.01.2012
Zitat von sysopDer Internationale Währungsfonds demonstriert Entschlossenheit. Er will seine Krisenkasse massiv aufstocken, um einen Absturz der Weltwirtschaft zu verhindern. Der Euro steigt deutlich - obwohl noch gar nicht sicher ist, ob der IWF das Geld zusammenbekommt.* Aufgestockte IWF-Krisenkasse: Lagardes 500-Milliarden-Plan*zieht Euro ins Plus - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,809921,00.html)
Der Wahnsinn kennt kein Ende. Schon wieder versucht man mit Schulden der Schuldenkrise Herr zu werden. Die Frage lautet nun: Nach der Schuldenkrise der europäischen Südländer, wo wird die nächste Blase aufgeblasen.
2. Das freut die Finanzakrobaten,
ex_Kamikaze 18.01.2012
Zitat von sysopDer Internationale Währungsfonds demonstriert Entschlossenheit. Er will seine Krisenkasse massiv aufstocken, um einen Absturz der Weltwirtschaft zu verhindern. Der Euro steigt deutlich - obwohl noch gar nicht sicher ist, ob der IWF das Geld zusammenbekommt.* Aufgestockte IWF-Krisenkasse: Lagardes 500-Milliarden-Plan*zieht Euro ins Plus - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,809921,00.html)
endlich wieder mehr Giralgeld zum Verteilen. Jetzt sind selbst in der "Kriegskasse" nur noch Kreditzusagen. Und zwar von den gleichen überschuldeten Kreditgebern die sich die Wirtschaft "stützen" lassen, ausgenommen natürlich die Zinsen (das wird reales Geld das der Steuerzahler erwirtschaften muß). Die landen bei den Banken. Damit ist auch klar wem das nutzt... Das ist einfach nur noch absurd! Denken die überhaupt noch nach welche Horrorsummen da in wenigen Minuten verteilt werden? Das sind alles neue Schulden für die Zukunft, da ist keine wirkliche Leistung dahinter. Und das alles für 2 Stunden Kursfeuerwerk an der Börse. Es wäre so einfach: - keine Ratings mehr - sofort Schluß mit der Schuldenpolitik, keine neuen Schulden mehr (nicht weniger neue - gar keine mehr); wie ist mittlerweile egal - straffe Regeln für den Finanzmarkt, Verbot der Wetten, Derivate und Leerverkäufe - Konzentration auf die Realwirtschaft. Nur dort werden reale Werte erzeugt. - Entflechtung von Banken und deren neoliberalen Predigern (Krugman u Co) an den Universitäten
3.
ryul 18.01.2012
Zitat von sysopDer Internationale Währungsfonds demonstriert Entschlossenheit. Er will seine Krisenkasse massiv aufstocken, um einen Absturz der Weltwirtschaft zu verhindern. Der Euro steigt deutlich - obwohl noch gar nicht sicher ist, ob der IWF das Geld zusammenbekommt.* Aufgestockte IWF-Krisenkasse: Lagardes 500-Milliarden-Plan*zieht Euro ins Plus - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,809921,00.html)
Das ist doch alles nur noch als krank zu bezeichnen. Dieser ganze Euro- und EU-Wahnsinn kennt einfach kein Ende. Ich bin gespannt in was das endet, wahrscheinlich in einer Europakrise die noch in 100 Jahren in den Geschichtsbüchern stehen wird und alle werden sich fragen "Wie konnte das passieren?".
4. Börse freute sich
terrorzwerg 18.01.2012
Zitat von sysopDer Internationale Währungsfonds demonstriert Entschlossenheit. Er will seine Krisenkasse massiv aufstocken, um einen Absturz der Weltwirtschaft zu verhindern. Der Euro steigt deutlich - obwohl noch gar nicht sicher ist, ob der IWF das Geld zusammenbekommt.* Aufgestockte IWF-Krisenkasse: Lagardes 500-Milliarden-Plan*zieht Euro ins Plus - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,809921,00.html)
Nach der Ankündigung des IWF freute sich die Börsenwelt und der Dax schoss "fast bis in den Himmel". Hat die Politik nur die Zocker lieb? Wer liebt die normalen Bürger?
5. .......
benn01 18.01.2012
Zitat von sysopDer Internationale Währungsfonds demonstriert Entschlossenheit. Er will seine Krisenkasse massiv aufstocken, um einen Absturz der Weltwirtschaft zu verhindern. Der Euro steigt deutlich - obwohl noch gar nicht sicher ist, ob der IWF das Geld zusammenbekommt.* Aufgestockte IWF-Krisenkasse: Lagardes 500-Milliarden-Plan*zieht Euro ins Plus - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,809921,00.html)
Ob über IWF oder EU-Rettungspakete. Deutschland ist immer Zahlmeister, wegen einer politischen Idee. Bei den PIGS kann man gut essen gehen, in den Urlaub fahren. Aber mit Denen macht man doch keine gemeinsame Kasse.
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Der IWF: Struktur des Währungsfonds

Der IWF
Die Institution
Gegründet wurde der Internationale Währungsfonds (IWF) zusammen mit seiner Schwesterinstitution Weltbank im Juli 1944 auf der Konferenz von Bretton Woods. Der in Washington ansässige Fonds wacht als Sonderorganisation der Vereinten Nationen über die Währungspolitik seiner 186 Mitgliedsländer. Jedes Land muss entsprechend seinem Anteil an der Weltwirtschaft eine Einlage leisten und verfügt über entsprechende Stimmrechte. Die reichsten Länder haben damit den größten Einfluss.

Die Arbeit des IWF
Der IWF tritt vor allem bei Finanz- und Wirtschaftskrisen öffentlich in Erscheinung. Indem er einzelne Staaten unterstützt, soll er vor allem verhindern, dass sich Krisen ausbreiten und ganze Regionen oder gar das gesamte internationale Finanzsystem treffen. Der Fonds kann mit kurzfristigen Krediten die Defizite in Entwicklungs- und Schwellenländern ausgleichen. Zudem leistet er Mitgliedstaaten technischen Beistand für den Umbau von Institutionen und bei der Gestaltung von Finanz- und Wirtschaftspolitik.

Häufige Kritik
Die Bedingungen, die an die Vergabe der Gelder geknüpft werden, stoßen in den betroffenen Ländern und bei Globalisierungskritikern allerdings oft auf Unmut. Verordnet werden von der Institution aus Washington meist radikale Einschnitte in die Staatshaushalte, die Öffnung der Märkte und Privatisierungen. Diese jedoch verschärfen die Krisen nach Ansicht der Kritiker oft noch weiter. Nach Reformen ist inzwischen vorgesehen, dass der IWF verstärkt die sozialen Auswirkungen von Krisen und Hilfsmaßnahmen beachtet.

Die Direktorin
Seit Ende Juni 2011 steht die frühere französische Wirtschafts- und Finanzministerin Christine Lagarde an der IWF-Spitze. Sie ist die erste Frau auf diesem Posten.
Wer wählt den Direktor?
Das Exekutivdirektorium des IWF besteht aus 24 Direktoren. Fünf von ihnen werden von den Mitgliedstaaten mit den größten Quoten ernannt, die verbleibenden vertreten jeweils mehrere Mitgliedsländer. Je mehr ein Land einzahlt, desto höher ist seine Quote. Deshalb haben die USA einen Stimmanteil von fast 17 Prozent, Japan von etwas mehr als sechs und Deutschland knapp unter sechs Prozent. Die USA verfügen über eine Sperrminorität. Denn zentrale Beschlüsse im IWF - wie auch die Wahl des kommenden Geschäftsführenden Direktors - müssen mit einer Mehrheit von 85 Prozent getroffen werden.

Die Direktoren wählen den Geschäftsführenden Direktor. Er ist für das Tagesgeschäft, die Organisation und die Personalpolitik des Fonds zuständig. Der Direktor wird vom Exekutivdirektorium kontrolliert, dieses kann ihm die Amtsführung entziehen. Grundsatzentscheidungen werden vom Gouverneursrat des IWF und vom International Monetary and Financial Committee getroffen, die bei den Herbst- und Frühjahrstagungen von IWF und Weltbank zusammenkommen.
Informelle Vereinbarung
Die USA und Europa haben sich informell darauf verständigt, wichtige Posten untereinander aufzuteilen. So stellen die USA traditionell den Direktor der Weltbank, während der Geschäftsführende Direktor des IWF von einem EU-Mitgliedsland gestellt wird. In den Statuten ist diese Regelung nicht verankert. Besonders die Schwellenländer dringen seit Jahren darauf, dass das informelle Abkommen gekippt und der Posten des Direktors ausgeschrieben wird.
Bedingungen für Hilfe
Der IWF arbeitet mit dem Land ein Programm aus, das konkrete Vorgaben zur Überwindung der Krise umfasst, zum Beispiel Vorgaben zur Haushaltspolitik. Die Kreditlinien werden üblicherweise in mehrere Tranchen gestückelt, deren Auszahlung an das Erreichen von Zwischenzielen gebunden ist. Üblich sind Kreditlaufzeiten von bis zu drei Jahren, die bei schweren Krisen aber verlängert werden können. Das angeschlagene Land legt seinen Sparplan im Detail offen. Bei Bedarf sind nachträgliche Änderungen möglich.