Aufkauf von Staatsanleihen: EZB bereitet offenbar großen Markteingriff vor

Die Europäische Zentralbank plant einem Zeitungsbericht zufolge einen großangelegten Aufkauf spanischer und italienischer Staatsanleihen. Laut "Le Monde" soll auch der Rettungsschirm EFSF in die Aktion eingebunden werden. Es wäre der vielfach geforderte große Befreiungsschlag in der Euro-Krise.

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EZB-Präsident Mario Draghi: Kommt jetzt die Bazooka?

Paris - Tut sie es, oder tut sie es nicht? Die Europäische Zentralbank (EZB) bereitet offenbar einen massiven Aufkauf spanischer und italienischer Staatsanleihen am Sekundärmarkt vor. Der Euro-Rettungsschirm EFSF soll die Aktion gleichzeitig durch Käufe am Primärmark unterstützen - das schreibt die französische Tageszeitung "Le Monde", ohne eine Quelle zu nennen. Im September soll demnach der ständige Rettungsschirm ESM die Käufe dann weiterführen.

Dem Bericht zufolge haben die Euro-Staaten und die EZB den Plan bereits vorbereitet, die Ausführung sei aber noch Tage oder sogar Wochen entfernt. Wie die Zeitung weiter schreibt, seien am Freitag Konsultationen auf europäischer Ebene geplant, auch der französische Präsident François Hollande und Bundeskanzlerin Angela Merkel könnten über den Plan sprechen.

EZB-Präsident Mario Draghi hatte sich am Donnerstag in London zur Euro-Krise geäußert und gesagt, die Zentralbank werde innerhalb ihres Mandats "alles Erforderliche" tun, um den Euro zu erhalten. Er fügte hinzu: "Und glauben Sie mir, das wird ausreichen." Ein mögliches Instrument ist der Aufkauf von Staatsanleihen von Krisenstaaten. Dieses Mittel hat die EZB bereits umfassend genutzt. Allerdings ruht das Programm seit mehreren Wochen. Kommt also nun der ganz große Befreiungsschlag?

Bundesbank kritisiert EZB-Pläne

Die Not in Italien und Spanien ist so groß, weil die Zinsen für Staatsanleihen dieser beiden Länder auf Rekordhöhen gestiegen sind. Entsprechend wächst der Druck auf die EZB, wieder aktiv zu werden. Italien konnte am Freitag bereits eine Anleihe am Markt zu günstigeren Zinsen platzieren. Ob die EZB dabei aktiv war, blieb unklar. Auskunft über ihre Aktivitäten dazu gibt die Notenbank erst am Montag. Womöglich hat aber bereits Draghis Ankündigung vom Donnerstag die Zinsen sinken lassen.

Die Bundesbank äußerte sich dagegen erneut kritisch zum möglichen Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB: "Der Mechanismus von Staatsanleihenkäufen ist problematisch zu sehen, weil dadurch falsche Anreize gesetzt werden", sagte ein Sprecher der Bundesbank am Freitag in Frankfurt.

Der Bundesbank-Sprecher wandte sich zudem gegen die Forderung, den Rettungsschirm EFSF mit einer Banklizenz auszustatten. Dies wäre faktisch eine Staatsfinanzierung durch die Notenpresse und "ein fataler Weg". Anders sähe es aus, wenn der EFSF Staatsanleihen von Schuldenländern aufkaufen würde. Dies wäre weniger problematisch als ein Eingreifen der EZB.

nck/dpa/Reuters

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insgesamt 166 Beiträge
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1.
Shaft13 27.07.2012
Warum gibt man nicht jedem Staat durch die EZB soviel Geld,das die Schulden bei 0 sind. Ist doch viel einfacher und schneller um das Problem zu lösen. Und genau darauf läuft es doch hinaus,was gemacht werden soll im Kleinen. Dann kann man doch gleich statt vieler soclher Mini Sachen gleich Nägel mit Köpfen machen und alle Schulden durch die Notenpresse auf 0 bringen. Thema erledigt.Inflation? Juckt doch kein Schwein dort,sonst würde der jetzige geplante Schwachsinn nicht stattfinden. Deutschland muss raus aus dem Euro oder untergehen. So einfach ist das.
2. Warum denn dann noch sparen...
cesar_2 27.07.2012
wenn alles sowieso auf einen Deckel geht? Dann kann ja Deutschland auch wieder die Rente mit 60 einführen. Und, und ....
3. Staatsanleihen
snakesnif 27.07.2012
Den Aufkauf von Staatanleihen halte ich für das richtige Mittel. Auf meinem Blog (eutopia-blog.blogspot.com) habe ich schon gesagt, dass man mit bestimmten Paradigmen brechen sollte. Dass die Bundesbank so war wie sie war, macht sie nicht automatisch zum Vorbild.
4. Ezb
bayern2004 27.07.2012
So jetzt wird die erste geplante Bad Bank gegründet!
5. Inflation?
Thomas Weber 27.07.2012
Zitat von Shaft13Warum gibt man nicht jedem Staat durch die EZB soviel Geld,das die Schulden bei 0 sind. Ist doch viel einfacher und schneller um das Problem zu lösen. Und genau darauf läuft es doch hinaus,was gemacht werden soll im Kleinen. Dann kann man doch gleich statt vieler soclher Mini Sachen gleich Nägel mit Köpfen machen und alle Schulden durch die Notenpresse auf 0 bringen. Thema erledigt.Inflation? Juckt doch kein Schwein dort,sonst würde der jetzige geplante Schwachsinn nicht stattfinden. Deutschland muss raus aus dem Euro oder untergehen. So einfach ist das.
Warum heißt denn heute Inflation? Voraussetzung für eine Inflation ist eine Knappheit von Gütern. Die Güter des Warenkorbs, nach denen Inflation festgestellt wird, sind nicht knapp. Vielleicht ist Gold knapp, oder eine Immobilien in der City einer Weltstadt, oder auch Aktien oder sonstige Assets. Die Knappheit und Verteuerung dieser Güter ist in Demokratien aber nicht wahlentscheidend.
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So funktioniert der Rettungsfonds ESM
Volumen
Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) kann bis zu 500 Milliarden Euro an Hilfsgeldern vergeben. Nur 80 Milliarden Euro davon werden wirklich eingezahlt, der Rest sind Garantien. Nicht angerechnet werden die bereits vergebenen Hilfen aus dem vorläufigen Rettungsfonds EFSF sowie bilaterale Kredite der Euro-Staaten an Griechenland.
Einzahlung
Die 80 Milliarden Euro Kapital werden in fünf Tranchen eingezahlt; zwei im Jahr 2012, zwei weitere 2013 und eine letzte bis Mitte 2014. Erst dann hat der Fonds sein komplettes Ausleihvolumen von 500 Milliarden Euro erreicht. Bis dahin kann es eng werden: Der ESM muss stets 15 Prozent von dem Geld besitzen, das er in Notfällen verleiht. Er müsste also 15 Milliarden Euro besitzen, um ein Rettungspaket von 100 Milliarden Euro schnüren zu können. Um für eine Übergangsphase gerüstet zu sein, soll der vorläufige Rettungsfonds EFSF noch bis Mitte 2013 einspringen können, falls der ESM noch nicht ausreichend gefüllt ist. Im EFSF befinden sich noch rund 240 Milliarden Euro, die nicht für bestehende Hilfsprogramme ausgegeben wurden.
Aufgabe
Der ESM soll Mitgliedsländern der Euro-Zone helfen, die Schwierigkeiten haben, sich am Finanzmarkt frisches Geld zu leihen - etwa wenn die Zinsen für Staatsanleihen zu hoch sind, um sie dauerhaft zahlen zu können. Es gibt keine feste Definition, ab welchem Zinsniveau Staaten Hilfe beantragen müssen oder können - als Faustregel gelten aber sieben Prozent für zehnjährige Staatsanleihen. Bei Erreichen dieses Werts hatten Länder wie Portugal oder Irland Hilfen aus dem Vorgängerfonds EFSF beantragt. Im Gegenzug für Hilfen aus den Rettungsfonds müssen die Krisenländer strenge Sparauflagen einhalten und Strukturreformen beschließen.

Die Europäische Zentralbank
EZB
Die Europäische Zentralbank (EZB) ist die gemeinsame Währungsbehörde der Mitgliedstaaten der Europäischen Währungsunion und bildet mit den nationalen Zentralbanken der EU-Staaten das Europäische System der Zentralbanken .
Europäischer Leitzins
Der von der Europäischen Zentralbank vorgegebene Leitzins legt fest, zu welchen Bedingungen sich Kreditinstitute Geld beschaffen und verleihen können.
Expansive Geldpolitik
Durch expansive Geldpolitik wird die verfügbare Geldmenge bei den Geschäftsbanken erhöht, um dadurch die Konjunktur anzukurbeln.
Geldwertstabilität
Ein Hauptziel der EZB ist die Geldwertstabilität , die vor allem mit Hilfe der Geldpolitik erreicht werden soll.