Hamburg - China hat seine Währung in den vergangenen Monaten Schritt für Schritt für Anleger geöffnet - am Montag hat die Liberalisierung einen neuen Höhepunkt erreicht: In Hongkong wird erstmals ein Börsengang in Yuan abgewickelt.
Seit Wochenbeginn werden Bestellungen für Aktien des Immobilienfonds Hui Xian entgegengenommen. Gegenstand der Neuemission, die den Namen Hui Xian Real Estate Investment Trust trägt, ist ein Projekt von Li Ka-sching, dem reichsten Mann Hongkongs.
Bis zum 19. April will Li mit den Papieren 11,2 Milliarden Yuan einnehmen, umgerechnet gut 1,2 Milliarden Dollar, berichtet die "Financial Times Deutschland". Die Nachfrage entspricht nach Angaben der Finanznachrichtenagentur Bloomberg ungefähr dem geplanten Volumen. Erstmals gehandelt werden die Papiere laut "Wall Street Journal" am 29. April.
Experten sehen in dem Börsengang den beginn eines neuen Trends: Derzeit entwickelten sich immer mehr Kanäle für die Nutzung der chinesischen Währung, schreibt der Goldman-Sachs-Analyst Enoch Fung laut "Handelsblatt" in einer aktuellen Analyse.
China versucht, die Bedeutung des Yuan global ausweiten. In den vergangenen Monaten hat die Regierung in Peking einiges dafür angestoßen: So sollen Exporteure und Importeure noch in diesem Jahr die Geschäfte mit ihren ausländischen Partnern in Yuan abrechnen können. Die Notenbank prüft zudem, ausländischen Unternehmen Direktinvestitionen in Yuan zu erlauben. Bislang müssen Investoren ihre eigene Währung erst in Yuan umtauschen, ehe sie Geschäfte machen können.
De facto stärkt China damit die internationale Rolle seiner Währung. Es sollen mehr Geschäfte in der chinesischen Währung abgewickelt werden - und damit weniger in Dollar
. Langfristig will China den streng reglementierten Yuan schrittweise in eine frei konvertierbare Weltwährung aufbauen.
Experten vermuten, dass der Yuan langfristig dem Dollar seine Position als Leitwährung streitig machen kann. Bis dahin sei es aber noch ein sehr weiter Weg. Eine Leitwährung könne sich nur auf dem freien Markt durchsetzen, sagte der Währungsexperte Manfred Neumann von der Universität Bonn SPIEGEL ONLINE Anfang März. "Wäre China eine Demokratie, wäre das kein Problem." Der liquide und liberale Finanzmarkt in den USA garantiert derzeit, dass der Dollar trotz aller Probleme die Leitwährung ist.
Würde der Yuan ihn ablösen, würde China als Supermacht mehr politischen Einfluss geltend machen. Die Vorbehalte der westlichen Länder gegen das kommunistische Regime dürften den Yuan-Aufstieg bremsen. "Eine Leitwährung hängt davon ab, ob die Partner sie möchten", sagt Neumann.
ssu
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