Ausbeutung: Diakonie-Heime betreiben Lohndumping à la Schlecker

Mit christlicher Wohlfahrt hat das wenig zu tun: Laut einem Pressebericht beschäftigen Diakonie-Heime Zehntausende Mitarbeiter in Zeitarbeitsfirmen - und drücken so die Lohnkosten. Mit ähnlichen Methoden sorgte schon der Discounter Schlecker für Schlagzeilen.

Hamburg - Das Wort Diakonie kommt aus dem Altgriechischen; man versteht darunter alle Dienste, die die Kirche dem Menschen erweist. Der Diakon ist in diesem Selbstverständnis der Diener. In einigen Pflegeeinrichtungen der Diakonie gilt diese Prämisse offenbar nur eingeschränkt.

Nach Angaben des "Stern" haben Häuser des evangelischen Wohlfahrtsverbands die Löhne Zehntausender Angestellter gedrückt. Viele Mitarbeiter seien in Zeitarbeitsfirmen beschäftigt und müssten dort zu niedrigeren Löhnen arbeiten als bei einem regulären Angestelltenverhältnis, berichtet die Zeitschrift.

Das Vorgehen erinnert an die Dumpingmethoden der Drogeriemarktkette Schlecker. Das Unternehmen hatte zum Beispiel Verkäufer in die Zeitarbeitsfirma Meniar ("Menschen in Arbeit") gezwungen und deren Löhne auf 6,78 Euro gedrückt. Mittlerweile hat sich das Unternehmen von seinen Methoden distanziert und Besserung gelobt.

Laut "Stern" nutzen Diakonie-Heime die unternehmenseigene Leiharbeitsfirma Dia Logistik, um neue Mitarbeiter zu den niedrigen Zeitarbeitstarifen einzustellen. Vor allem bei qualifiziertem Pflegepersonal habe das Unternehmen kräftig gespart. Nach Angaben des Magazins verdient eine ausgebildete Altenpflegerin mit zwei Jahren Berufserfahrung bei der Diakonie pro Stunde 14,28 Euro. Bei der Leiharbeitsfirma erhält sie nur 10,16 Euro - monatlich ist das ein Minus von 640 Euro.

Geschäftsführer diakonischer Einrichtungen sollen zudem zwei GmbHs gegründet haben, um gekündigte Beschäftigte zu schlechteren Konditionen wieder neu einzustellen, so der "Stern" weiter.

Nikolaus Schneider, der Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), räumte gegenüber dem "Stern" ein, dass es unter diesen Beschäftigten Probleme mit der Lohnhöhe gebe.

Der Bundesverband des Diakonischen Werks wies Anschuldigungen des Lohndumpings zurück. "Alle diakonischen Einrichtungen müssen den Spagat zwischen Wirtschaftlichkeit und Nächstenliebe aushalten", sagte ein Sprecher SPIEGEL ONLINE. Dabei müsse allerdings das Maß gewahrt werden. Es gelte der Appell an die Heime, nicht mehr als fünf Prozent der eigenen Belegschaft in Zweitfirmen mit niedrigeren Löhnen zu beschäftigen.

Mit insgesamt 435.000 Festangestellten zählen die Einrichtungen der Diakonie zu den größten Arbeitgebern Deutschlands. Die Heime, die die christliche Organisation betreibt, sehen sich einem immer größeren Wettbewerbsdruck durch private Anbieter ausgesetzt.

Laut Nikolaus Schneider, dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), sind acht Prozent der Diakonie-Beschäftigten ausgelagert worden. Das wären 35.000 Mitarbeiter. Michael Heinrich, der Sprecher der diakonischen Mitarbeitervertreter, geht dagegen von 75.000 Beschäftigten aus, die bei der Diakonie unter Lohndumping leiden.

Ein Diakonie-Sprecher sagte SPIEGEL ONLINE, die Zahl der Zeit- und Leiharbeiter werde nirgends statistisch erfasst, er könne sich daher nicht zu den unterschiedlichen Zahlen äußern.

ssu

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insgesamt 46 Beiträge
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1. Ich bin sprachlos
arioffz 12.01.2011
Zitat von sysopMit christlicher Wohlfahrt hat das wenig zu tun: Laut einem Pressebericht beschäftigen Diakonieheime Zehntausende Mitarbeiter in Zeitarbeitsfirmen - und drücken so die Lohnkosten. Mit ähnlichen Methoden sorgte schon der Discounter Schlecker für Schlagzeilen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,739093,00.html
ist SPON aufgewacht? Das ist ein alter Hut und hat einen Bart wie Methusalem. Wir werden alle noch bitterlich weinen wenn wir auf das Niveau der USA gesunken sind. Christlich, Wohlfahrt?? Welch Hohn und Spott in diesen Worten stecken.
2. Schluß mit dem Wahnsinn Arbeit zu besteeuern
founder 12.01.2011
2,40 EUR Einnahmen für den Arbeitgeber ermöglichen 1,-- EUR auf dem Gehaltskonto des Arbeitnehmers. Dieser Irrsinn muß symetrisch abgebaut werden Weniger Ausgaben für den Arbeitgeber Mehr Gehalt für den Arbeitnehmer (http://politik.pege.org/2010-manifest/umbau.htm) Finanziert über Steuern auf Ressorucen. Schon 10 Cent pro kg CO2 als Gegenfianzierung ermöglichen (http://politik.pege.org/2009/steuerreform/) 100,-EUR pro Moant weniger Arbeitgeberanteil Sozialversicherung 100,-EUR pro Moant weniger Arbeitnehmeranteil Sozialversicherung Dies würde den Aufbau einer modernen Industrie des 21. Jahrhunderts fördern, die mit modernen ressourcenschonenden Produkten die veralteten Vergeuderprodukte aus dem Markt drängen.
3. ...
Crom 12.01.2011
Diakonie ist doch auch der Laden, der mit einem wirren H4-Konzept versucht ein auf sozial zu machen. Wie so oft sind die angeblich "sozialen", die wirklich asozialen. H4 müsste man ja nicht bezahlen, daher werden utopische Regelsätze gefordert. Bei den eigenen Leuten wird dann geknausert.
4. Geiz ist geil
brunnersohn 12.01.2011
Geiz ist nicht nur geil, sondern neuerdings auch - christlich. Auch bei katholisch betriebenen Heimen für Menschen mit Behinderung wird auf gespart auf Teufel komm raus.. und der Teufel kommt ... wenn er nicht schon da ist..
5. .....
lupenrein 12.01.2011
Zitat von sysopMit christlicher Wohlfahrt hat das wenig zu tun: Laut einem Pressebericht beschäftigen Diakonieheime Zehntausende Mitarbeiter in Zeitarbeitsfirmen - und drücken so die Lohnkosten. Mit ähnlichen Methoden sorgte schon der Discounter Schlecker für Schlagzeilen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,739093,00.html
die beiden (Staats)-Kirchen sind gewinnorientierte Unternehmen mit besonderen Privilegien, die sich u.a. auch aus ihrem Sonderstatus als 'Tenndenzbetriebe' und 'öffentlich-rechtliche Einrichtungen ergeben. Darüber hinaus betreiben die Kirchen Wirtschaftsunternehmen, für deren Gewinne si keine Steuern zahlen müssen. Beide Kirchen betreiben z.B. gemeinsam als Eigentümer die Versicherungs GmbH ECCLESIA: Alleinige Geselschafte sind die evangelische Kirche Deutschland , Diakonie und Kath. Kirche Cariras. ( also gelebte Ökumene !!) hihi) ECCLESIA ist, wie man im Netzt nachlesen kann, eine bedeutende Versicherungsgesellschaft, die in allen Sparten tätig ist, auch über Deutschland hinaus. Versicherungsnehmer sind auch sehr viele deutsche Krankenhäuser ( kirchlich und weltlich). Für Pfarrer gibt es z.B. Sondertarife für KFZ-Haftschutz. Vermögensverwaltung und Anlageberatung ist ein weiterer Zweig. Ich habe persönlich auch schon Erfahrungen mit dieser Versicherung gemacht, Meine Schadenbsersatzansprüche gegen ein Krankenhaus wurden mit einem unglaublichen Zynismus abgewimmelt. Ich wünsche den Kirchen auch weiterhin gute Gewinne, damit sie ihre segensreiche und steuerfreie Tätigkeit auch in Zukunft erfolgreich durchführen können.
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