Ausbildung: Jeder vierte Lehrling schmeißt hin

Ob Koch, Kellner oder Kosmetiker - viele Auszubildende halten nicht durch: Jeder vierte Lehrling gibt frühzeitig auf, berichtet die "Welt". So viele wie nie zuvor seit der Wiedervereinigung. Vor allem in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern ist die Lage dramatisch.

Berlin - Die Zahlen zur Abbrecherquote in Ausbildungsberufen lesen sich fast wie ein Leitfaden zur Berufswahl. Überspitzt zusammengefasst könnte er lauten: Finger weg von Jobs in der Gastronomie! Zugreifen bei Bürojobs!

Ganz so pauschal lässt sich die Auswertung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) für den Berufsbildungsbericht 2013 zwar nicht zusammenfassen. Aber die Daten, die der "Welt" vorliegen, sprechen eine eigene Sprache. Jeder zweite Kellner und Umzugshelfer beendete seine Lehre im Jahr 2011 demnach nicht. Ähnliches gilt für Köche (49,4 Prozent), Kosmetiker oder Gebäudereiniger (beide gut 45 Prozent). Dagegen liege die Quote der Abbrecher unter Verwaltungsfachangestellten, Elektronikern und Bankkaufleuten weit unter zehn Prozent.

Insgesamt wurde dem Bericht zufolge 2011 fast jede vierte Lehre in Deutschland abgebrochen. Die Abbrecherquote stieg auf 24,4 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit dem Wirtschaftsboom nach der Wiedervereinigung. Insgesamt 149.760 Ausbildungsverträge seien vorzeitig aufgelöst worden.

Unter den Ländern verzeichnen den Angaben zufolge Mecklenburg-Vorpommern und Berlin die höchsten Abbrecherquoten. Jeder dritte Ausbildungsvertrag werde dort vorzeitig aufgelöst. Am unteren Ende der Skala lägen Baden-Württemberg und Bayern mit Quoten von knapp 20 Prozent.

Die Vizevorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Ingrid Sehrbrock, sagte der "Welt": "Auffällig ist, dass die Quote der Abbrüche sich seit Jahren erheblich zwischen den einzelnen Ausbildungsberufen unterscheidet." Die Betriebe in diesen Problembranchen müssten dringend an Attraktivität und Ausbildungsqualität arbeiten. Sie forderte auch ausbildungsbegleitende Hilfen für die Betriebe, etwa durch Sozialpädagogen. "Bisher werden diese Hilfen erst eingesetzt, wenn schon schlechte Noten in den Berufsschulzeugnissen stehen", kritisierte Sehrbrock. "Das ist deutlich zu spät."

Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Hans Heinrich Driftmann, plädierte für eine frühzeitige und gute Berufsorientierung: "Wer weiß, was er will und kann, der trifft auch leichter die Entscheidung für den richtigen Beruf."

yes/dapd

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insgesamt 231 Beiträge
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1. In Berlin und Brandenburg
elwu 25.01.2013
dürften in denselben Berufen die Anforderungen an die Lehrlinge auch nicht anders sein als in anderen Bundesländern. Warum wohl die Lehrlinge dort dennoch weitaus öfter abbrechen als in Bayern und Baden-Württemberg?
2. Quintessenz
cgjung 25.01.2013
Was zieht man für Schlüsse aus Burnout, Umweltverschmutzung und Massentierhaltung? Die Kinder müssen Disziplin lernen, die Natur reinigt sich schon von selbst, die Tiere sind eben nur Tiere.
3. optional
uezegei 25.01.2013
Wer einmal verschiedene Jobs in der Gastronomie ausgeübt hat, kann ein Lied davon singen. Die Betriebe sind oft inhabergeführt und die Ausbilderseignungsprüfung wird von den IHKen wohl leider oftmals "verschenkt", denn was dort abgeht, spottet jeder Beschreibung. Ausbeuterische Arbeitszeiten von 60-70 Stunden/Woche sind dort "normal". Selbstherrliche "Kochmeistern", die einem Töpfe und Saucenschalen hinterherwerfen, leider auch. Man kann nur jedem vernünftigen Menschen raten, von der Gastronomie auf Dauer die Finger zu lassen, zumal auch die Bezahlung unter aller Sau ist.
4. Ausbeutung und oder Armut
conny1969 25.01.2013
Ausbildungsberufe die in die Ausbeutung führen (Koch) oder in die Armut(Gebäudereiniger) sind halt unbeliebt. Wer abbricht macht in diesen Berufen eigentlich nichts falsch. Wer will schon für wenig Geld an Wochenenden, Feiertagen, abends, nachts, mit Zeitverträgen und ständig wechselden Arbeitgebern als Koch arbeiten?
5. Wer hätte das gedacht?
wertleger 25.01.2013
Kopfnoten? Abgeschaft Schulnoten? bitte garnicht oder ab Klassen 7 (vielleicht) Kommen dann die Jugendlichen in die harte Arbeitswelt können sich die verweichlichten Kids nicht bewähren, sie haben nie gelernt wie hart die Welt tatsächlich ist, das man nur bekommt was man verdient. Ohne Kuschelkurs. Ohne Chilloutarea. Wer frühzeitig lernt auch bei Niederlagen zu kämpfen wird sich besser Durchbeisen können. Das ist die Quittung für die Turbo 68ziger.
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