Ausblick Experten rechnen mit weniger als zwei Millionen Arbeitslosen

Die Arbeitslosenzahl unter drei Millionen, das Wachstum bei 3,4 Prozent: Die deutsche Wirtschaft ist auf Erfolgskurs. Arbeitsmarktforscher glauben nun, dass die Zahl der Menschen ohne Job bis 2012 weiter rapide sinkt - auf unter zwei Millionen.

Arbeitsagentur in Hamburg: Nicht mehr Mangel an Arbeit, sondern an Arbeitskräften
DDP

Arbeitsagentur in Hamburg: Nicht mehr Mangel an Arbeit, sondern an Arbeitskräften


Berlin/Passau - Deutschland im Aufschwung: Nachdem die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland im Oktober unter die Drei-Millionen-Grenze gesunken ist, halten Experten es nun für möglich, dass sie schon 2012 unter die Marke von zwei Millionen fällt. "Wenn der Abbau der Arbeitslosigkeit sich in diesem Tempo fortsetzt, könnte die nächste Millionenmarke schon im Oktober oder November 2012 geknackt sein", sagte Hilmar Schneider, Arbeitsmarktdirektor am Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit in Bonn der "Welt". Voraussetzung sei allerdings, dass es nicht erneut zu einer Wirtschaftskrise komme.

Die Hartz-IV-Reform habe eine positive Wirkung, vor allem bei Arbeitslosen, die gerade ihre Stelle verloren hätten. Diese Menschen machten Zugeständnisse, um wieder einen Arbeitsplatz zu bekommen, "auch wenn er etwas schlechter bezahlt ist als der alte", sagte Schneider.

Auch der Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Köln, Michael Hüther, hielt in einem Gespräch mit der "Passauer Neuen Presse" weniger als zwei Millionen Arbeitslose für möglich. "Die Zwei-Millionen-Marke, also etwa fünf Prozent Arbeitslosenquote, sind erreichbar", sagte er der Zeitung.

Weniger Zuschüsse als geplant

Dabei entfalte auch der demografische Wandel eine positive Wirkung. "Wir sind in einem Markt, in dem zusehends nicht mehr Mangel an Arbeit herrscht, sondern an Arbeitskräften", sagte Hüther. Zwar versuche Deutschland bereits, die Zahl der Erwerbstätigen auf dem heimischen Arbeitsmarkt zu steigern. Notwendig sei aber auch "qualifizierte Zuwanderung".

Nach Berechnungen des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) muss der Bund bereits in diesem Jahr weniger Geld als geplant an die Bundesagentur für Arbeit (BA) überweisen. Einer Berechnung der Forscher für das "Handelsblatt" zufolge sei im laufenden Jahr ein Bundeszuschuss von 5,2 Milliarden Euro nötig. "Insgesamt wird das BA-Defizit 8,1 Milliarden Euro betragen", sagte IfW-Finanzexperte Alfred Boss der Zeitung. Davon könne die BA 2,9 Milliarden Euro aus eigenen Rücklagen finanzieren. Für das kommende Jahr sei bei der BA ein Haushaltsloch von etwa vier Milliarden Euro zu erwarten, ein Jahr später könnten es noch 2,5 bis drei Milliarden Euro sein, sagte Boss.

Zahl der Langzeitarbeitslosen unter Vorkrisen-Niveau

Im Oktober sank die Zahl der Arbeitslosen auf 2,945 Millionen, wie Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) am Mittwoch mitteilte. Das ist der niedrigste Oktoberwert seit 18 Jahren. Die Arbeitslosenquote sank auf sieben Prozent. Die positiven Zahlen sollten eigentlich erst an diesem Donnerstag von der Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht werden - von der Leyen hatte die Verkündung aber anlässlich des einjährigen Bestehens der schwarz-gelben Koalition vorgezogen.

Grund für die positive Entwicklung ist die schnelle Erholung der Wirtschaft nach der Krise. Dabei half auch, dass die Arbeitslosigkeit in der Krise diesmal kaum gestiegen war, wozu die Erleichterung der Kurzarbeit durch die große Koalition beigetragen hatte. Von der Leyen betonte, die deutsche Wirtschaft sei nach der Krise fähig gewesen, schnell auf neue Aufträge zu reagieren, "weil sie die richtigen Fachkräfte im Betrieb hatte".

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen liegt von der Leyen zufolge jetzt um 100.000 unter dem Vorkrisen-Niveau. "Wir sehen, dass zum ersten Mal in einer Krise und nach einer Krise die verfestigte Sockelarbeitslosigkeit nicht gestiegen ist." In den vergangenen vier Jahren habe sich die Zahl der Menschen, die über ein Jahr keine neue Arbeit finden, auf 900.000 halbiert.

"Der Arbeitsmarkt läuft nach wie vor gut", kommentierte Dirk Schumacher, Analyst bei Goldman Sachs. "Der Aufschwung am Arbeitsmarkt geht weiter, er ist selbsttragend. Es gibt keinen Grund dafür, dass das abrupt endet. Auch die Beschäftigung steigt. Das ist gut für den privaten Konsum."

mik/dpa/AFP



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 143 Beiträge
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Seite 1
morini 28.10.2010
1. ,,,,
Es gibt bestimmt auch einen Statistiktrick, der für Vollbeschäftigung sorgt. In Wirklichkeit gab es noch nie so viele Arbeitslose wie heute. Hört auf, uns zu verarschen.
URicken, 28.10.2010
2.
Das wäre ja tatsächlich mal eine gute Nachricht. Es bleibt zu wünschen, dass es sich dabei nicht nur um Billigjobs handelt.
tristar73, 28.10.2010
3. ...
Und wenn die Lieben Kinder brav und Artig sind, dann wird der Weihnachtsmann auch das Rütchen in der Tasche lassen... Wieder so eine "gründlich recherchierte" Experten-Meldung mit einer Halbwertszeit von Schätzungsweise 24 Stunden.
Juergen Wolfgang, 28.10.2010
4. wsd
Zitat von sysopDie Arbeitslosenzahl unter drei Millionen, das Wachstum bei 3,4 Prozent: Die deutsche Wirtschaft ist auf Erfolgskurs. Arbeitsmarktforscher glauben nun, dass die Zahl der Menschen ohne Job bis 2012 weiter rapide sinkt - auf unter zwei Millionen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,725776,00.html
Das kann der Wirtschaft und der Industrie aber gar nicht passen. Zu viel Arbeit und zu wenig Arbeiter Da könnte der Arbeitnehmer ja mal an der Lohnschraube drehen und ist nicht mehr erpressbar wegen Entlassung. Lohndumping ade..... Aber bis es so weit weit kommt wird die Politik rechtzeitig ein bis zwei Millionen Inder und Chinesen einfliegen. Lieber 3 Mio Deutsche Arbeitslose als Vollbeschäftigung. Ein gesundes Maas an Arbeitslosen braucht die Industrie damit der Arbeitnehmer nicht auf dumme Gedanken kommt.
freeagent 28.10.2010
5. Experten rechnen mit weniger als zwei Millionen Arbeitslosen
... die für zweihundert Millionen Euro im Jahr arbeiten. Das freut die Experten.
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