EZB: Inflationshüter fordern Inflationsschutz für sich selbst
Die Europäische Zentralbank soll die Euro-Zone vor einer zu hohen Teuerungsrate bewahren - jetzt rebellieren die EZB-Mitarbeiter in eigener Sache: Ausgerechnet aus Sorge vor Inflation fordern sie einen besseren Schutz ihrer Pensionen. Ein Mann soll sogar geklagt haben.
Berlin - Inflation frisst Lohnerhöhungen auf, die Europäische Zentralbank (EZB) soll einer solchen Entwicklung entgegenwirken. Umso erstaunlicher ist es, dass ausgerechnet EZB-Mitarbeiter jetzt aus Sorge vor Inflation einen besseren Schutz ihrer eigenen Pensionen fordern - und sich damit gegen Fehler ihres Arbeitgebers absichern wollen.
"Unglücklicherweise sind die Pensionen der EZB-Beschäftigten nicht gegen Inflation geschützt", sagte Carlos Bowles, ein Sprecher der EZB-Personalvertretung der EZB, der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Wir verstehen nicht, warum die Führung der EZB es ablehnt, unsere Pensionen gegen die Inflation zu schützen."
Vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg ist laut Bowles sogar ein Verfahren gegen die Zentralbank anhängig. Ein Pensionär habe mit Unterstützung der Personalvertretung und der Notenbanker-Gewerkschaft IPSO geklagt. Die EZB wollte sich laut "FAS" zu dem Thema nicht konkret äußern.
Kritiker des Mitarbeitervorschlags merken an, dass ein interner Inflationsschutz die Arbeit und das Vertrauen in die EZB erschüttern würde und gleichzeitig für die Angestellten falsche Anreize setzen könnte - wozu sollte man dann noch penibel auf die Inflationsrate achten?
Die EZB ist in der Euro-Zone für den Schutz vor einer zu hohen Inflationsrate zuständig. Ziel ist es, die Teuerung unter der Marke von zwei Prozent zu halten. Zuletzt stiegen die Verbraucherpreise allerdings teils deutlich schneller. Das Ergebnis: Die Löhne sind 2011 in einigen Branchen in Deutschland zwar deutlich gestiegen, trotzdem hatten die Arbeitnehmer Ende des Jahres nicht mehr Geld in der Tasche.
Zwar verdienten vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmer im vierten Quartal 2011 brutto 2,3 Prozent mehr im Monat als ein Jahr zuvor. Da die Verbraucherpreise vor allem wegen verteuerter Energie jedoch ebenfalls um 2,3 Prozent anzogen und damit über der angestrebten Teuerungsrate von 2 Prozent lagen, wurden die Lohnerhöhungen von der Inflation komplett aufgezehrt.
Das vierte Quartal 2011 war damit die schlechteste Entwicklung seit zwei Jahren: Ende 2009 waren die Reallöhne um 0,4 Prozent geschrumpft, danach stiegen sie sieben Quartale in Folge.
lgr/AFP
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