Lohngefälle bei Vollzeitjobs Ausländer verdienen 21,4 Prozent weniger als Deutsche

Deutsche Vollzeitbeschäftigte haben 2015 im Mittel 3141 Euro im Monat verdient, Ausländer deutlich weniger. Die Differenz könnte an der unterschiedlichen Qualifikation liegen - aber das ist nicht der einzige Grund.

  Rumänische Bauarbeiter in Sachsen-Anhalt
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Rumänische Bauarbeiter in Sachsen-Anhalt


Der Unterschied zwischen den Gehältern von Ausländern und Deutschen ist seit der Jahrtausendwende drastisch gewachsen. Ausländische Staatsbürger mit einer sozialversicherungspflichtigen Vollzeitstelle verdienten im Jahr 2015 im Mittel 2467 Euro brutto im Monat. Deutsche Vollzeitbeschäftigte bekamen hingegen 3141 Euro und damit 674 Euro mehr. Damit lag das Medianeinkommen der Ausländer in dieser Gruppe um 21,4 Prozent niedriger.

Im Jahr 2000 war dieser Unterschied mit 8,3 Prozent noch deutlich kleiner - konkret lag das Medianeinkommen für Deutsche damals bei 2388 Euro brutto im Monat, das für Ausländer bei 2190 Euro. Das geht aus der Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervor, die die Bundesregierung in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linken zitiert (PDF-Datei). Zuerst hatte die "Rheinische Post" darüber berichtet.

Das Medianeinkommen ist das Einkommen, das in der Mitte liegt, wenn man die Einkommen einer Gruppe von Menschen in zwei gleich große Hälften teilt - eine mit höheren und eine mit niedrigeren Einkommen.

Lohnanstieg seit 2000 sehr niedrig

Auffällig ist der geringe Anstieg der Gehälter und Löhne gerade für ausländische Staatsbürger. Ihr Medianeinkommen lag im vergangenen Jahr nur um 277 Euro oder 13 Prozent über dem des Jahres 2000. Damit wuchsen ihre Bruttoentgelte im Schnitt um weit weniger als ein Prozent im Jahr - obwohl in dieser Statistik ausschließlich Arbeitnehmer mit sozialversicherungspflichtigen Vollzeitjobs betrachtet werden. Eine mögliche statistische Verzerrung durch einen denkbaren starken Anstieg von Ausländern mit Mini- oder Teilzeitjobs ist daher ausgeschlossen.

Auch der Lohnanstieg für deutsche Vollzeitbeschäftigte war in den vergangenen Jahren niedrig. Sie verdienen im Mittel nun 753 Euro brutto im Monat mehr als im Jahr 2000, ein Anstieg von rund 32 Prozent. Insgesamt hatten im vergangenen Jahr 2,08 Millionen Ausländer und 20,68 Millionen Deutsche einen Vollzeitjob in Deutschland.

Ursachen für die im Mittel deutlich geringere Bezahlung von Ausländern nennt die Bundesregierung in ihrer Antwort nicht. Einen Hinweis bieten jedoch weitere Zahlen aus der BA-Statistik, die die Bundesregierung zitiert.

Jeder dritte Ausländer in Vollzeit hat Niedriglohn

So sind Ausländer von der Ausweitung des Niedriglohnsektors in den vergangenen Jahren offenbar besonders stark betroffen. Insgesamt ist der Anteil von Vollzeitstellen mit einem Entgelt unter der Niedriglohngrenze - 2015 lag sie bei 2056 Euro - seit der Jahrtausendwende relativ stabil geblieben. Er wuchs lediglich leicht von 19 auf 20 Prozent.

Ganz anders sieht es hingegen bei Ausländern aus. 2015 erhielten 36 Prozent der in Vollzeit beschäftigten Ausländer einen Niedriglohn - im Jahr 2000 lag dieser Anteil lediglich bei 23 Prozent. Im Gegensatz dazu ist der Anteil deutscher Vollzeitbeschäftigter mit Niedriglohn seit 2000 leicht gefallen, von 18,7 auf 18,6 Prozent.

Auf die Qualifikation allein können diese drastischen Unterschiede nicht zurückgeführt werden. Denn über alle Abschlüsse hinweg liegt der Anteil von Ausländern im Niedriglohnsektor deutlich höher. Selbst unter denjenigen mit einem akademischen Berufsabschluss waren elf Prozent Niedriglöhner - bei Deutschen waren es lediglich vier Prozent.

Regional zeigen sich in der BA-Statistik deutliche Unterschiede im Lohngefälle zwischen Ausländern und Deutschen. Dabei zeigt sich: Besonders hoch ist das Gefälle in Norddeutschland. In Bremen (33,6 Prozent), Niedersachsen (30,3 Prozent), Hamburg (29,1 Prozent) und Schleswig-Holstein (28,2 Prozent) war der Lohnunterschied am größten.

fdi

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uhrentoaster 17.12.2016
1. Verdienst
Danke für die Info, aber für mich zählt nur das, was ich verdiene und dass ich davon leben kann. Ob andere Menschen mehr oder weniger als ich verdienen, ist mir egal. Hauptsache, sie laufen nicht gehetzt mit einem elektronischen Spielzeug in der Hand herum.
ansv 17.12.2016
2.
Interessant, auf welche "Wahrheiten" man Zahlen eindampfen kann. An der Qualifikation kann es laut Artikel nicht liegen - schließt das die Sprachkenntnisse mit ein? Ist hier Ausländer = Ausländischer Staatsbürger? (kann fast nicht anders sein, sonst wären die Zalen kaum erfassbar). Dann sind hier vielleicht auch die vielen Flüchtlinge eingeschlossen, die trotz hoher formeller Qualifikation nur Praktika bekommen, bis sie ausreichend Deutsch gelernt haben. Vielleicht aber auch nicht - steht jedenfalls nicht da.
Waudel 17.12.2016
3. Äpfel und Birnen
Akademischer Abschluss im Ausland entspricht nicht immer dem in Deutschland. Manche Berufe erfordern im Ausland ein Studium, in Deutschland nicht. Hier wird Ungleiches verglichen. Das erinnert an die Schlagzeile: "Frauen verdienen im Bildungsbereich weniger als Männer", wobei Kindergärtnerinnen und Grundschullehrerinnen mit Universitätsprofessoren verglichen werden. Lieber Spiegel, berichte bitte etwas seriöser!
Saloo 17.12.2016
4. Eigentlich eie eher geringe Differenz
Ich hätte einen deutlich höheren Lohnunterschied erwartet, da viele Ausländer schlechter Deutsch sprechen und schreiben als deutsche Arbeitnehmer und somit für anspruchsvollere Jobs oft schlechter qualifiziert sind. Selbst ausländische Akademiker (es wird im Artikel nicht gesagt in welchem Land sie ihren Abschluss gemacht haben) haben des Öfteren schlechtere Deutschkenntnisse.
krautrockfreak 17.12.2016
5. Das ist der Grund warum das Märchen vom Facharbeitermangel immer weiter erzählt wird
Wir haben Millionen von Arbeitslose (über die übrigens niemand mehr spricht!), von denen die Mehrheit sicher gerne arbeiten würde. Aber es ist einfacher, sich vom Ausland Fachkräfte zu holen und somit auch Druck auf die deutschen Arbeitnehmer zu machen. Die Löhne steigen nicht annähernd mehr so wie die Gewinne der Firmen! Klar, je mehr Auswahl an Arbeitskräften man hat, desto weniger muss man an Lohn bezahlen. Das wird sich alles noch bitter rächen! Aber unsere Politik findet das ja gut so....
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