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10. März 2015, 12:45 Uhr

Studie

Deutschland ist ein Auswanderungsland

Jedes Jahr wandern Tausende deutsche Staatsbürger aus. Forscher haben jetzt untersucht, warum diese Menschen gehen. Am Geld liegt es meistens nicht.

Berlin - Jedes Jahr wandern mehr deutsche Staatsangehörige aus als nach Deutschland zurückkehren - vor allem junge Menschen und gut Qualifizierte zieht es ins Ausland. Das geht aus einer Studie hervor, die am Dienstag vom Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) vorgelegt wurde.

Zwischen 2009 und 2013 wurden rund 710.000 Fortzüge registriert - dem standen rund 580.000 Zuzüge gegenüber. Deutschland verliere demnach jährlich durchschnittlich rund 25.000 Staatsbürger durch Abwanderung.

Akademiker und Führungskräfte seien jeweils stark überrepräsentiert, heißt es in der von der Stiftung Mercator geförderten Studie. So liege bei den Auswanderern der Anteil der Hochqualifizierten bei 70 Prozent. Die Erhebung liefere aber "keine Anhaltspunkte dafür, dass Hochqualifizierte in großem Umfang dauerhaft ins Ausland 'abfließen'". Nur ein Drittel der Auswanderer wolle auf Dauer im Ausland bleiben, 41 Prozent der Auswanderer gingen von vornherein von einer Rückkehr aus.

Für dieStudie "International mobil", die in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BIB) und der Universität Duisburg-Essen erstellt wurde, wurden insgesamt 1700 Aus- und Rückwanderer zu ihren Motiven, ihrer Sozialstruktur und den individuellen Auswirkungen der Migration befragt. Die Ergebnisse seien allerdings nicht repräsentativ für die Gesamtheit der deutschen Aus- und Rückwanderer.

Geld spielt für deutsche Auswanderer demnach als Motiv eine wichtige, aber bei Weitem nicht die Hauptrolle. Für etwa zwei von drei Befragten einer aktuellen Studie sind neue Berufs- und Lebenserfahrungen der wesentliche Grund, ihrem Heimatland den Rücken zu kehren - ein höheres Einkommen im Ausland erhoffen sich lediglich 46,9 Prozent. Rund vier von zehn Befragten (41,4 Prozent) nennen Unzufriedenheit mit dem Leben in Deutschland als Antrieb.

Hauptziele deutscher Auswanderer waren zwischen 2004 und 2013 die Schweiz, die USA und Österreich, aber auch nach Polen und Großbritannien zog es viele (siehe Grafik).

Glücklich werden im Ausland längst nicht alle. Die Auswanderer "erzielen oft ein höheres Einkommen und haben einen höheren Berufsstatus, aber sie erfahren vielfach auch eine Art sozialer Desintegration durch den Verlust von Freunden und Bekannten", heißt es in der Studie. Unter den Rückkehrern gaben rund 40 Prozent Unzufriedenheit mit dem Leben im Ausland als Grund an - dieser Wert ist fast genauso hoch wie die Unzufriedenheit der Auswanderer mit dem Leben in Deutschland.

stk/AFP/dpa

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