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Studie: Deutschland ist ein Auswanderungsland

Auswanderer in Argentinien: Nicht immer führt der Weg zurück Zur Großansicht
DPA

Auswanderer in Argentinien: Nicht immer führt der Weg zurück

Jedes Jahr wandern Tausende deutsche Staatsbürger aus. Forscher haben jetzt untersucht, warum diese Menschen gehen. Am Geld liegt es meistens nicht.

Berlin - Jedes Jahr wandern mehr deutsche Staatsangehörige aus als nach Deutschland zurückkehren - vor allem junge Menschen und gut Qualifizierte zieht es ins Ausland. Das geht aus einer Studie hervor, die am Dienstag vom Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) vorgelegt wurde.

Zwischen 2009 und 2013 wurden rund 710.000 Fortzüge registriert - dem standen rund 580.000 Zuzüge gegenüber. Deutschland verliere demnach jährlich durchschnittlich rund 25.000 Staatsbürger durch Abwanderung.

Akademiker und Führungskräfte seien jeweils stark überrepräsentiert, heißt es in der von der Stiftung Mercator geförderten Studie. So liege bei den Auswanderern der Anteil der Hochqualifizierten bei 70 Prozent. Die Erhebung liefere aber "keine Anhaltspunkte dafür, dass Hochqualifizierte in großem Umfang dauerhaft ins Ausland 'abfließen'". Nur ein Drittel der Auswanderer wolle auf Dauer im Ausland bleiben, 41 Prozent der Auswanderer gingen von vornherein von einer Rückkehr aus.

Für dieStudie "International mobil", die in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BIB) und der Universität Duisburg-Essen erstellt wurde, wurden insgesamt 1700 Aus- und Rückwanderer zu ihren Motiven, ihrer Sozialstruktur und den individuellen Auswirkungen der Migration befragt. Die Ergebnisse seien allerdings nicht repräsentativ für die Gesamtheit der deutschen Aus- und Rückwanderer.

Geld spielt für deutsche Auswanderer demnach als Motiv eine wichtige, aber bei Weitem nicht die Hauptrolle. Für etwa zwei von drei Befragten einer aktuellen Studie sind neue Berufs- und Lebenserfahrungen der wesentliche Grund, ihrem Heimatland den Rücken zu kehren - ein höheres Einkommen im Ausland erhoffen sich lediglich 46,9 Prozent. Rund vier von zehn Befragten (41,4 Prozent) nennen Unzufriedenheit mit dem Leben in Deutschland als Antrieb.

Hauptziele deutscher Auswanderer waren zwischen 2004 und 2013 die Schweiz, die USA und Österreich, aber auch nach Polen und Großbritannien zog es viele (siehe Grafik).

Die Top-Auswanderungsziele der Deutschen
Zielstaat
Anzahl deutscher Auswanderer
Schweiz 209.000
USA 136.000
Österreich 109.000
Polen 94.000
Großbritannien 89.000
Spanien 74.000
Frankreich 71.000
Türkei 43.000
Niederlande 36.000
Kanada 35.000
sonstige Staaten 600.000
weltweit
1.496.000
Quelle: SVR
Glücklich werden im Ausland längst nicht alle. Die Auswanderer "erzielen oft ein höheres Einkommen und haben einen höheren Berufsstatus, aber sie erfahren vielfach auch eine Art sozialer Desintegration durch den Verlust von Freunden und Bekannten", heißt es in der Studie. Unter den Rückkehrern gaben rund 40 Prozent Unzufriedenheit mit dem Leben im Ausland als Grund an - dieser Wert ist fast genauso hoch wie die Unzufriedenheit der Auswanderer mit dem Leben in Deutschland.

stk/AFP/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 155 Beiträge
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1.
Yacco 10.03.2015
Also die Gutausgebildeten, in die die Steuerzahler viel investiert haben zieht es ins Ausland. Man sollte vielleicht über eine Art Ausreisesteuer für Akademiker nachdenken, die innerhalb von 20 Jahren nach Studienende Deutschland verlassen und vielleicht sogar noch ihre Rentenbeiträge mitnehmen.
2. Werde auch
steviespeedy, 10.03.2015
dieses Jahr nach Österreich auswandern. Grund: Die Menschen dort liegen mir mehr. Ist alles viel herzlicher als hier in D. vielleicht auch die öserreichische Staatsbürgerschaft dort beantragen.
3. Deutschland ist erstarrt ...
woelfer15 10.03.2015
... festgefahren in ideologischen Endlosdebatten über den immer gleichen Mist. Gekapert von Partei-, Verbands- und sonstigen Umverteilungsakrobaten von eigenen Gnaden. Durch Wahlen nicht mehr zu verändern. Nur noch von der Substanz lebend, die bald verfrühstückt ist. Aber die Welt dreht sich weiter ... Einer der ging und sicher nie wieder zurück kehrt.
4. Wen wundert das wirklich?
Immanuel_Goldstein 10.03.2015
85% aller Akademiker an deutschen Hochschulen haben keine feste Stelle, sondern hangeln sich von Zeitvertrag zu Zeitvertrag auf halben, Drittel- und Viertelstellen, oder sie machen Titellehre für 25 Euro die gehaltene Stunde. Und nach dem Akademiker-Zeitvertragsgesetz sind sie nach 6 Jahren draußen, wenn sie es nicht auf eine der raren Dauerstellen geschafft haben. Das und nur das ist der Motor für den Wegzug ins Ausland der deutschen Höchstqualifizierten. Mit dem Bildungsstand und der Qualifikation hat das übrigens nichts zu tun, denn selbst 80% aller Habilitierten finden keine Stelle, weil es keine Planstellen für sie gibt. Im Ausland werden sie mit Kusshand genommen.
5. Bester Beleg für die Fachkräftelüge
Diskutierender 10.03.2015
Diesen Artikel sollten alle dreisten Lobbyisten aus der Wirtschaft lesen. Einmal mehr zeigt sich, wie sehr das Gerede vom Fachkräftemangel in Deutschland eine dreiste Lüge ist. Wäre es so attraktiv, in Deutschland zu arbeiten, dann würden weniger Menschen auswandern bzw. mehr Deutsche aus dem Ausland wieder zurück kommen. Sie glauben doch wohl nicht, dass ich selbst, der auf Grund der kurzsichtigen und asozialen Personalpolitik Deutscher Unternehmen vor 5 Jahren in die CH ziehen musste wieder zurückkehren will. Erstens will ich nicht bei einem verlogenen Deutschen Arbeitgeber (Stichpunkt Fachkräftelüge) für miese Bezahlung arbeiten. Zweitens zeigt mir die Deutsche Politik nahezu jede Woche, wie froh ich sein kann, nicht mehr in Deutschland zu leben - einige Gründe: - Mütterrente und Rente mit 63 (ich will nicht als Rentenbeitragssklave enden). - Euro-Krise - Hohe Steuern und Sozialabgaben - Als kinderloser Single wird man trotz hoher Steuerzahlungen noch als asozial beschimpft - Sozialneid .....
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