Einigung der GroKo Pflege-Azubi aus Merkel-Wahlsendung enttäuscht von GroKo-Kompromiss

Im Wahlkampf hatte er Angela Merkel schlecht aussehen lassen, nun hat Pflege-Auszubildender Alexander Jorde die Pläne von SPD und Union zu Verbesserungen in der Pflege kritisiert. Sie seien nur eine "minimale Korrektur".

Krankenpfleger Alexander Jorde
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Krankenpfleger Alexander Jorde


Der aus einer Wahlkampfsendung mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bekannte Pflege-Auszubildender Alexander Jorde hat die Pläne von SPD und Union zu Verbesserungen in der Pflege als unzureichend kritisiert. "Das ist eine minimale Korrektur, aber nicht der Neustart in der Pflege, den Martin Schulz versprochen hat", sagte Jorde der Deutschen Presse-Agentur. Der 21-Jährige aus Hildesheim hatte Merkel im September in der "ARD-Wahlkampfarena" zur Rede gestellt und Erfahrungen aus seinem Arbeitsalltag geschildert. Menschen, die dieses Land aufgebaut hätten, lägen stundenlang in ihren Ausscheidungen, weil es an Pflegepersonal mangele.

In ihren Koalitionsverhandlungen hatten sich SPD und Union darauf verständigt, die Bezahlung in der Alten- und Krankenpflege zu verbessern und in Heimen 8000 neue Fachkraftstellen zu schaffen. "Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Bei mehr als 8000 Heimen in Deutschland bedeutet das nicht mal eine Stelle mehr pro Heim", sagte Jorde.

Das Vorhaben der Verhandlungspartner, Tarifverträge in der Pflege flächendeckend durchzusetzen, sieht der angehende Krankenpfleger grundsätzlich positiv. "Gerade in der Altenpflege liegt die Bezahlung vielerorts noch unter Tarif." Trotzdem gehe auch dieses Vorhaben nicht weit genug. Die Gehälter in der Pflege müssten wesentlich angehoben werden, um die Berufe attraktiver zu machen.

Auch forderte Jorde, nach dem Vorbild Norwegens die Wochenarbeitszeit für Alten- und Krankenpfleger herabzusetzen. Damit werde der hohen psychischen und körperlichen Belastung in Pflegeberufen Rechnung getragen.

hej/dpa



insgesamt 49 Beiträge
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Wunderläufer 01.02.2018
1. Richtig
Recht hat er, der Herr Jorde, nur wird sich leider nicht viel ändern. Der Grund ist auch, dass dies für viele Menschen (noch) kein Thema ist. Nur wer direkt betroofen ist, also Angehörige pflegen muss oder in einem Pflegeheim hat, weiß, wovon gesprochen wird. Das Gleiche gilt auch für Krankenhäuser: in den letzten 4 Monaten war ich pro Woche wenigstens 4x im Krankenhaus bei Angehörigen. In allen Fällen war offensichtlich, dass die wenigen Pflegekräfte die Arbeit nicht packen können. Änderungen sind erst zu erwarten, wenn führende Politiker persönlich betroffen sind
Sonia 01.02.2018
2. Beeindruckendes Engagement
dieses tollen und engagierten Pflegers. Traumarbeitszeiten zu verlangen, das können sich in diesem Land nur die erstklasdig verdienenden Mitarbeiter der Metallindustrie leisten. Die hart bis an ihre Grenzen physischen u. psychischen Arbeitenden in der Pflege u. in den Kliniken, die auf das Kostbarste Einfluss haben, was der Mensch besitzt, das Leben, werden mit bescjämenden Löhnen und Arbeitsbedingungen abgespeist. Jeder Bürger, der zuschaut, sollte nie vergessen, jeden Tag kann er selbst Opfer dieser Zustände bei eigener Erkrankung werden u. die heut Jungen, werden auf jeden Fall einst Opfer im Alter, wenn nicht endlich das Ruder um 100 Grad rumgerissen wird. Eie wäre es, würden die mächtigen Metaller mal nicht für Nochmehr streiken, sondern für die wirkliche Reform in Altenpflege und Kliniken?
Politikübersetzer 01.02.2018
3. was schon langsam auffällt ...
Am Anfang dachte ich es wäre Zufall, aber dazu kommt es einfach zu häufig vor, auch hier wieder. Die Reihenfolge, in der die Parteien genannt werden. Man weiß aus der Forschung, dass der Name, der als erstes genannt wird, am meisten mit der zugrunde liegenden Sache verbunden wird. Und siehe da: wenn etwas gut klappt heißt es in der Regel: die Union und die SPD, wenn etwas eher negativ besetzt ist plötzlich ohne Not: die SPD und die Union. Wenn man mal drauf aufpasst ist das schon sehr auffällig. Aber gut, man weiß ja, dass die Medien Merkel unterstützen wollen, wo es nur geht.
Palmstroem 01.02.2018
4. Schlecht geredet
Von Pflegenotstand kann in Deutschland keine Rede sein. Sicher gibt es Handlungsbedarf auf Grund der demografischen Entwicklung. Aber wie eine Studie der (wohl unverdächtigen) Heinrich Böll Stiftung zeigt, gehört Deutschland europaweit zur Spitzengruppe bei der Pflege. "In fast allen der 21 untersuchten EU-Mitgliedstaaten besteht ein gesetzlicher Anspruch auf öffentliche Pflegeleistungen und die Dienstleister können frei gewählt werden. Unterschiede gibt es indes in der Organisation der Leistungsgewährung sowie bei der finanziellen Ausstattung. Das deutsche Pflegesystem schneidet verhältnismäßig gut ab. Die obere Gruppe zeichnet sich durch einen hohen Organisationsgrad und eine relativ gute Finanzierung aus. Dazu gehören Deutschland sowie Belgien, Frankreich, die Niederlande, Dänemark und Schweden."
rooonbeau 01.02.2018
5. Immer wieder verstörend dass..
..Politiker und andere fröhlich verkünden Deutschland geht es soooo gut, ...wie nie.. wo gleichzeitig immer noch solche Missstände herrschen.. das ist ja nur ein Bereich.. könnte jetzt endlos aufzählen.. Die einen sind Reich bis zum geht nicht mehr und die anderen Krebsen rum... Aber es ist ja alles super..
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