Arbeitsmarkt Tausende Jugendliche finden keinen Ausbildungsplatz

Trotz der guten Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt sinkt die Zahl der Lehrstellen. Laut Arbeitsagentur haben in diesem Jahr 21.000 Jugendliche noch keine Ausbildung gefunden. Schlecht sieht es vor allem in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Berlin aus.


Berlin/Nürnberg - Die Zahl der Jugendlichen ohne Lehrstelle ist in diesem Jahr gestiegen. Derzeit seien noch 21.000 Jugendliche ohne Ausbildungsstelle, teilte die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Mittwoch mit. Das sind 5400 oder rund vier Prozent mehr als vor einem Jahr. "Es ist schwieriger geworden, Bewerber und Ausbildungsstellen zusammenzubringen", sagte BA-Vorstand Raimund Becker.

Während die Zahl der gemeldeten Ausbildungsplätze bis zum 30. September um 2,4 Prozent auf 504.500 sank, blieb die Zahl der Bewerber mit 561.200 nahezu konstant. Auf eine betriebliche Ausbildungsstelle kommen statistisch gesehen rund 1,2 Bewerber. Gleichzeitig waren noch 33.500 Stellen unbesetzt - etwa aus Mangel an geeigneten Interessenten.

Regional ist die Lage sehr unterschiedlich. Schlechte Aussichten gebe es in Teilen von Nordrhein-Westfalen und Hessen sowie in Berlin, während die Bedingungen für junge Menschen in Bayern, an der Ostseeküste und in Sachsen besonders gut seien. "Hier fällt es den Betrieben mitunter schwer, Auszubildende zu finden", sagte Becker.

Nur noch jedes fünfte Unternehmen bildet aus

Klar ist aber auch: Die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen ist seit Jahren rückläufig. Im vergangenen Jahr stellten nur noch 21,7 Prozent der 2,1 Millionen Unternehmen in Deutschland Lehrlinge ein. Vor allem kleinere Betriebe ziehen sich aus der Ausbildung zurück.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritisiert, dass vielen Jugendlichen mit Haupt- und Realschulabschluss der Wechsel in die Lehre nicht mehr direkt gelinge. Fast jeder Dritte dieser Jugendlichen lande zunächst in einer Warteschleife des Übergangssystems, "die nicht zu einer voll qualifizierenden Ausbildung führt", sagte DGB-Vize Elke Hannack. "Früher galt die Faustregel, dass bei guter Konjunktur auch die Zahl der Ausbildungsverträge steigt", sagte Hannack. "Das gilt heute leider nicht mehr."

cte/Reuters/dpa

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pimhugos 30.10.2013
1. eher 40 als 4
das sind nach adam riese 35% mehr jugendliche ohne ausbildungsstelle, wenn die zahlen stimmen.
herr_kleint 30.10.2013
2.
Zitat von sysopDPATrotz der guten Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt sinkt die Zahl der Lehrstellen. Laut Arbeitsagentur haben in diesem Jahr 21.000 Jugendliche noch keine Ausbildung gefunden. Schlecht sieht es vor allem in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Berlin aus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/ba-tausende-jugendliche-finden-keinen-ausbildungsplatz-a-930814.html
Nach dem Studium einen Job zu finden ist nicht wesentlich einfacher. Zwischen ein und drei Jahren Suche habe ich aus meinem Umfeld und selbst schon alles erlebt. Hauptsächlich in der Industrie- und IT-Branche.
iconoclasm 30.10.2013
3.
Zitat von sysopDPATrotz der guten Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt sinkt die Zahl der Lehrstellen. Laut Arbeitsagentur haben in diesem Jahr 21.000 Jugendliche noch keine Ausbildung gefunden. Schlecht sieht es vor allem in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Berlin aus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/ba-tausende-jugendliche-finden-keinen-ausbildungsplatz-a-930814.html
Es gibt wenige Ausbildungsanfänger um die wird sich gerissen, dann gibt es ein schrumpfendes Mittelfeld und einen wachsenden Anteil an Jugendlichen die objektiv nicht Ausbildungsfähig sind (Umgangsformen, Lesen, Schreiben). Das ist halt das Ergebnis vom "freien Lernen" von der Rechtschreibwerkstatt und anderem Unsinn aus dem Elfenbeinturm ideologisch geprägter Pädagogen, von denen seit Jahrzehnten die Bildungspolitik maßgeblich beeinflusst wird. Gut beschrieben in "Persönlichkeiten statt Tyrannen: Oder: Wie junge Menschen in Leben und Beruf ankommen ".
patriziat 30.10.2013
4. Weniger Ausbildungsplätze
Eine Mitschuld gebe ich auch dem bestehenden Schulsystem. Nach wie vor dringen viele Abiturienten in klassische Jobs, die früher einmal einem Realschüler vorenthalten waren. So z.B. Erzieher/in, Friseur/in usw. Aber auch die Ausbildungsbetriebe sind auf der Suche nach der Eierlegendenwollmichsau und geben den Haupt- und Realschulabgängern fast keine Chance. Das finde ich sehr schade, da nur kurzfristig gedacht.
Syrus 30.10.2013
5.
---Zitat--- Derzeit seien noch 21.000 Jugendliche ohne Ausbildungsstelle, [...] Das sind 5400 oder rund vier Prozent mehr als vor einem Jahr. Gleichzeitig waren noch 33.500 Stellen unbesetzt - etwa aus Mangel an geeigneten Interessenten. ---Zitatende--- Anders formuliert: Im Prinzip gibt es für jeden eine Ausbildungsstelle. Allerdings erfüllen manche Jugendliche schlicht und einfach nicht die Mindestanforderungen, die von den Betrieben erwartet werden. Selbst lesen und einigermaßen fehlerfreies schreiben sind nicht selbstverständlich. Regionales Ungleichgewicht zwischen Angeboten und Bewerbern sowie als unattraktiv angesehen Berufe dürften dann für den Rest der unbesetzten Stellen verantwortlich sein.
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