Marode Infrastruktur Grube fordert Milliarden für die Bahn

Bahn-Chef Grube fordert von der Bundesregierung mehr Mittel zur Instandhaltung des Schienennetzes. Die Arbeiten an Gleisen und Weichen werde "eine Generation lang" dauern, sagte er dem SPIEGEL. Ohne zusätzliche Investitionen in Milliardenhöhe drohten Streckensperrungen.

Rostige Bahngleise: "Jahrzehntelang vernachlässigt"
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Rostige Bahngleise: "Jahrzehntelang vernachlässigt"


Hamburg - Bahn-Chef Rüdiger Grube warnt eindringlich vor den Folgen der chronischen Unterfinanzierung der Infrastruktur und fordert deutlich höhere Investitionen in das Schienennetz. "Angesichts der dramatischen Unterfinanzierung hat die Bahn einen Investitionsstau bei Gleisen, Weichen und Stellwerken von über 30 Milliarden Euro", sagte er dem SPIEGEL. "Wenn sich nichts ändert, steigt der Rückstand bis 2020 auf gigantische 50 Milliarden Euro." Dann gebe es nur noch zwei Möglichkeiten: Entweder die Qualität der Bahn lasse deutlich nach oder Strecken müssten gesperrt werden.

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Heft 45/2013
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Nach Grubes Überzeugung ist eine Erhöhung der Investitionen in das Bestandsnetz von derzeit rund drei Milliarden Euro auf "über vier Milliarden Euro" notwendig. "Selbst dann reden wir über eine Aufgabe, die uns mindestens eine Generation lang beschäftigen wird."

Bei der Mobilisierung der zusätzlichen Gelder müsse "der Bund mit ran", so Grube. Zwar wolle sich die Bahn auch künftig an der Pflege des Netzes beteiligen. Klar sei aber auch: "Weil die Schiene jahrzehntelang vernachlässigt wurde, können wir es allein nicht schaffen."

Flicken statt neu bauen

In Zukunft will Grube die Mittel für die Bahn auch gezielter ausgeben. "Der Grundsatz muss lauten: Das Bestandsnetz hat Vorrang vor dem Aus- und Neubau." Das knappe Geld solle dort ausgegeben werden, wo es am meisten für das Gesamtnetz bringe. Deshalb müssten die Kapazitäten der Bahnknoten wie Hamburg, Köln und Frankfurt am Main erweitert und etwa Bahnübergänge ersetzt werden, damit die Züge mit höherer Geschwindigkeit fahren könnten.

Was die Wintervorbereitungen der Bahn betrifft, kann Grube nur hoffen, dass sie ausreichen. "Wir haben Tausende Weichenheizungen gebaut, Abtaustationen für Züge installiert, Zehntausende Mitarbeiter für den Räumdienst mobilisiert – und trotzdem: Wir haben Respekt vor dem Winter", sagte er dem SPIEGEL. Schließlich werde das Klima "immer extremer und unberechenbarer".



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insgesamt 225 Beiträge
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Seite 1
ostap 03.11.2013
1. Na so was?
Zitat von sysopDPABahn-Chef Grube fordert von der Bundesregierung mehr Mittel zur Instandhaltung des Schienennetzes. Die Arbeiten an Gleisen und Weichen werde "eine Generation lang" dauern, sagte er dem SPIEGEL. Ohne zusätzliche Investitionen in Milliardenhöhe drohten Streckensperrungen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/bahn-chef-grube-richtet-dramatischen-appell-an-politik-a-931447.html
Wenn die Bahn kein Geld für die Erhaltung des Schienennetzes hat, warum versenkt sie dann gegen den Widerstand der Stuttgarter schlappe 5Mrd.€ in das in jeder Hinsicht unsinnige Projekt "Stuttgart 21"?
nachtkrapp 03.11.2013
2. Stuttgart21 absagen...
...dann hat man die nächsten Jahre 10-15 Milliarden mehr in der Kasse!
zaphod1965 03.11.2013
3. Kein Wunder
Zuerst trimmt Mehdorn die Bilanz der Bahn auf Börsengang und jetzt soll der Steuerzahler die Rechnung begleichen. Wie immer. Es ist allerhöchste Zeit, das die Daseinsvorsorge wieder vom Staat wahrgenommen wird. Infrastruktur und Grundversorgung gehören nicht in private Hände und dürfen nicht der Gewinnerzielung dienen. Wasser-, Bahn-, Strom-, Telekommunikations- und Gasnetze müssen verstaatlicht werden. Ebenso gehören Krankenhäuser nicht in private Hände.
u.loose 03.11.2013
4. Ich dachte immer
nur die bösen Privaten würden ihres Gewinns wegen ihre Infrastruktur vergammeln lassen und nur der Staat in Bürgerhand kann es besser. Wie man sieht, kann es der Staat eben auch nicht besser - der ist offenbar immer gerne bereit noch ein paar Milliarden mehr für z.B. den Sozialhaushalt auszugeben, aber für die Infrastruktur eben nicht.
renatedietrich 03.11.2013
5. typisch Bahn
jetzt braucht der Gruber Geld vom Staat, aber große Bahnhöfe wie S21 bauen, dafür hatte man Geld! Aber fürs Schienennetz ist kein Geld da!!! Sollen doch diese blöden Politiker spenden, die haben ja anscheinend Geld wie Heu, da sie ja alles abnicken, was Geld kostet und man nicht braucht!!
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