Tarifkampf bei der Bahn GDL erhöht Streikgeld für Lokführer

Mit jedem Streik verlieren die Lokführer Einkommen. Damit ihre Motivation nicht verloren geht, hat die Gewerkschaft GDL jetzt das Streikgeld erhöht: In der Pfingstwoche sollen streikende Lokführer 100 Euro am Tag bekommen.

Hauptbahnhof in Leipzig: Drohende Streiks in der Pfingstwoche
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Hauptbahnhof in Leipzig: Drohende Streiks in der Pfingstwoche


Die vielen Streiktage haben die Einkommen der Lokführer deutlich geschmälert, nun reagiert die Gewerkschaft GDL: Das Streikgeld, das die Lokführer pro Arbeitskampftag von der Gewerkschaft erhalten, werde von 75 auf 100 Euro erhöht, gab GDL-Chef Claus Weselsky bekannt. Im Dezember hatte es noch bei 50 Euro gelegen. Die Gewerkschaftsmitglieder hätten während der Streiks einen wesentlich höheren Nettoentgeltverlust, "als sie aushalten können", sagte Weselsky zur Begründung.

Für die GDL wird der Streik damit immer teurer. 20.000 Lokführer und Zugbegleiter sind in der Gewerkschaft organisiert. Am vorigen Streik hatten sich etwa 6000 von ihnen beteiligt.

Trotz der womöglich hohen Kosten hat die Lokführergewerkschaft für die keine Streikgeldunterstützung bei ihrem Dachverband, dem Beamtenbund, beantragt. Ein Antrag müsse 24 Stunden vor Beginn des Arbeitskampfs gestellt werden und bisher liege keiner vor, sagte ein Sprecher des Beamtenbundes dem "Handelsblatt". Auch für einige der früheren Streikrunden habe die GDL keinen Antrag gestellt. Jeder gestellte Antrag sei aber bewilligt worden

Die GDL hatte am Montagnachmittag neue Streiks angekündigt. Bereits acht Tage nach dem jüngsten Streik legen die Lokführer am Dienstag ab 15 Uhr erneut die Arbeit nieder. Der inzwischen neunte Arbeitskampf beginnt im Güterverkehr. Ab Mittwoch um 2 Uhr sollen dann auch die Personenzüge stehen bleiben. Der Ausstand fällt in die Pfingstwoche, in der besonders viele Urlauber per Bahn verreisen. Der aktuelle Streik soll noch länger sein als der vorige.

Die Bahn verurteilte den Streik "als Schikane für viele Millionen Menschen". Die GDL warf der Bahn indes vor, kein Interesse an einem Ende des Tarifkonflikts zu haben. "Wir sehen uns gezwungen, in die nächste Eskalationsstufe einzutreten", sagte Weselsky. Er halte es für möglich, den Arbeitskampf "innerhalb einer kurzen Zeit von zwölf bis 14 Stunden zu beenden", sagte Weselsky am Dienstag im ARD-"Morgenmagazin". Bedingung dafür sei aber, dass die Deutsche Bahn die nötigen Grundvoraussetzungen herbeiführe.

Neben den Tarifforderungen zu Entlohnung und Arbeitszeit geht es in dem Konflikt zwischen GDL und Bahn im Kern um die Tarifeinheit. Die Bahn will in den separat geführten Verhandlungen mit der GDL und der konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) unterschiedliche Regelungen für gleiche Berufsgruppen verhindern.

Weselsky warf der Bahn vor, sie versuche, den Tarifabschluss bis zum Inkrafttreten des sogenannten Tarifeinheitsgesetzes zu verschleppen. Dem Gesetzentwurf zufolge soll künftig in einem Betrieb nur noch der Tarifvertrag der jeweils größeren Gewerkschaft gelten. Streiks einer kleineren Gewerkschaft wie der GDL für einen eigenen Abschluss wären dann möglicherweise illegal. Das Gesetz soll voraussichtlich Anfang Juli in Kraft treten.

Mit der Konkurrenzgewerkschaft EVG will die Bahn indes "versuchen, am Donnerstag zu einem Abschluss zu kommen", wie Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber sagte. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) fordert für ihre rund 100.000 Mitglieder sechs Prozent Einkommenszuwachs, mindestens jedoch 150 Euro pro Monat. Für den Fall, dass man sich am Donnerstag nicht einigt, hat sie ebenfalls mit Streik gedroht.

Die bisherigen Streiks der GDL im Bahn-Tarifstreit
  • DPA
    2015
    6. Streik vom 4. bis 10. Mai: bislang längster Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn AG - 127 Stunden im Personenverkehr und 138 Streikstunden im Güterverkehr
    5. Streik vom 21. bis 23. April: 43 Stunden im Personenverkehr und 66 Stunden im Güterverkehr

    2014
    4. Streik vom 6. bis 8. November: 64 Stunden im Personenverkehr und 75 Stunden im Güterverkehr
    3. Streik vom 17. bis 20. Oktober: 50 Stunden im Personenverkehr und 61 Stunden im Güterverkehr
    2. Streik am 15./16. Oktober: 14 Stunden im Personen- und Güterverkehr
    1. Streik nach Urabstimmung am 7./8. Oktober: 9 Stunden im Personen- und Güterverkehr
    2. Warnstreik am 6. September: 3 Stunden im Personen- und Güterverkehr
    1. Warnstreik am 1. September: 3 Stunden im Personen- und Güterverkehr

ssu/dpa-AFX



insgesamt 162 Beiträge
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Seite 1
WwdW 19.05.2015
1. In Dtld wird zu wenig gestreikt
Hierzulande wird zu wenig gestreikt. International verlieren dt. Arbeitnehmer Anschluss an die Lohnerhöhungen. Das dürfte bald dazu führen, dass dt. Fachkräfte in Millionen die Bundesrepublik verlassen werden um im besser bezahlten Ausland ihr Geld zu verdienen. Leider können das nicht alle Berufsgruppen. Und das meine ich damit. In Dtld wird zu wenig gestreikt. Dann hätten auch diese Berufsgruppen etwas davon die der BRD nicht den Rücken kehren können.
Aquifex 19.05.2015
2.
Naja, die EVG kündigt unter anderem deshalb einen Streik an, weil sie mehrer Tarifverträge für die gleiche Arbeit nicht mitmachen will. Nachzulesen auf der EVG-Seite. Mit anderen Worten, die wollen gegen den GDL-Streik streiken.
DeeG 19.05.2015
3. Aussitzen..
...bis zum Tarifeinheitsgesetz. Das ganze Theater muss endlich ein Ende haben. Ich zahle viel Geld/Jahr für die Beförderung mit der Bahn, hierfür erwarte ich in erster Line eine ordentliche Leistung. Wie viele Berufsgruppen haben keine Gewerkschaft? Hier muss jeder Einzelne für mehr Lohn bei seinem Chef vorsprechen und diese Forderung auch begründen, mehr Lohn erfordert auch mehr/bessere Arbeitsleistung, diese kann ich bei der Bahn nicht erkennen.
enerbanske 19.05.2015
4.
Wie wäre es denn zwischendurch mal mit einem Generalstreik, solange, bis auch der letzte Arbeitnehmer in Deutschland angemessen entlohnt wird.
Fuxx2000 19.05.2015
5. Wieso
Kann die Bahn nicht einfach einen Abschluss mit der GDL erzielen? Da die Streiks ja ganz offensichtlich rechtmäßig sind (sonst wären sie ja längst untersagt) sollte man sich an die geltende Gesetzeslage halten und eben fuer die GDL MItglieder einen Abschluss herbeiführen. Falls das neue Tarifeinheitsgesetz tatsächlich mit dem Grundgesetz vereinbar ist, kann man dann doch einfach in der nächsten Tarifrunde für alle einheitlich verhandeln. Falls das Gesetz illegal sein sollte, muss man ja dann eh wieder nach geltendem Recht verhandeln. Mir geht diese Sturheit der Bahn auf den Geist...
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