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Drohende Streiks: Verhandlungen zwischen GDL und Bahn geplatzt

GDL-Chef Weselsky: Verhandlungen angeblich geplatzt Zur Großansicht
DPA

GDL-Chef Weselsky: Verhandlungen angeblich geplatzt

Bahnkunden müssen sich auf neue Streiks einstellen, die Tarifverhandlungen zwischen GDL und Deutscher Bahn sind gescheitert. Beide Seiten schieben sich die Schuld zu.

Berlin - Noch im Dezember war von einem "Durchbruch" die Rede, nun haben sich die Konfliktparteien wieder überworfen: Die Tarifverhandlungen zwischen der Deutschen Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL sind nach Angaben beider Seiten gescheitert.

Die GDL habe die Verhandlungen überraschend platzen lassen, teilte die Bahn am Mittwochabend mit. "Wir standen kurz vor dem Durchbruch und einer Einigung über eine Grundstruktur zum Flächentarifvertrag, und die GDL verweigert sich grundlos", sagte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber.

Der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky sagte, die Bahn habe "eine Rolle rückwärts gemacht". Der Konzern bestehe darauf, dass ein Tarifabschluss mit der GDL identisch mit einem Ergebnis sein müsse, dass die Bahn mit der konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) abschließen werde. Dies sei nicht akzeptabel.

Den Bahnfahrgästen droht nun ein weiterer Streik. Darüber will die GDL am 18. Februar entscheiden.

Bahn-Personalvorstand Weber sagte, der Konzern habe sich bereit gezeigt, den bisherigen GDL-Flächentarifvertrag für Lokführer um die Berufsgruppen Zugbegleiter und Disponenten zu erweitern.

Beide Seiten befinden sich seit dem Sommer in einem außergewöhnlich komplizierten Tarifkonflikt für etwa 160.000 Beschäftigte. Die GDL verlangt fünf Prozent mehr Geld und eine Stunde weniger Wochenarbeitszeit.

Vergangene Woche hatten sich die Tarifparteien nach Angaben beider Seiten aufeinander zu bewegt. Ein vom Konzern vorgelegter Vorschlag für einen Flächentarif war von der GDL allerdings als nicht ausreichend bezeichnet worden. Sie hatte daher angekündigt, bei diesem Treffen selbst einen Vorschlag einzubringen.

Noch im Dezember hatte sich die GDL optimistisch gegeben, dass es zu einer Einigung kommen könnte. GDL-Chef Claus Weselsky wurde damals sogar zitiert, es gebe einen "Durchbruch".

mmq/dpa/Reuters

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insgesamt 31 Beiträge
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1. Warum macht die Bahn
fatfrank 11.02.2015
ein Angebot, dass die GDL nur ablehnen kann? War doch klar, dass sie nicht den gleichen Abschluss wie die EVG abschließen werden, sonst hätte die Bahn demnächst immer darauf bestanden, beide Gruppen gleich zu behandeln und damit faktisch die Gewerkschaften gegeneinander ausspielen können: Wollen die einen nicht, verhandelt man mit den anderen - und zwar immer schön nach unten. Damit untergräbt der Konzern die Tarifautonomie. Für einen möglichen Streik hätte ich vollstes Verständnis!
2. Sinn einer Gewerkschaft
groscovo 11.02.2015
Hat die Bahn den Sinn einer Gewerkschaft nicht verstanden? Eine Gewerkschaft handelt stellvertretend für ihre Mitglieder Arbeitszeit, Gehalt, etc. aus. Nun stellt sich die Bahn hin und sagt, dass die GDL das ruhig tun könne aber bitte nicht besser als die Hausgewerkschaft EVG. Am Ende würden dann Menschen für ihre Arbeit noch anständig entlohnt werden. Das geht ja so auch nicht.
3. arme Pendler
spon-3zb-gl00 11.02.2015
es nervt wohl alle den ÖPNV benutzenden Pendler, daß sie bald die Hälfte des Jahres mit Streiks zu rechnen haben. Erst bei der Bahn, dann bei Stadtbussen bzw. Verkehrsverbünde, dann wieder bei der Bahn. Wer dann nicht ersatzweise ein Auto + Parkplatz am Arbeitsplatz 'bevorratet', hat dann ein echtes Problem. Auch bei evtl. Verständnis für Maximalforderungen einer Gewerkschaft: hier wird der Bogen schon zu lange heftigst überspannt. Die Folgen treffen die Falschen.
4. Boykott der DB
andy2000münchen 11.02.2015
Die Menschen welche mit der Bahn fahren, sollten eine Woche keine Bahn oder S-Bahn benutzen, damit die Mitarbeiter der DB zur Vernunft kommen, falls dies nicht hilft, dann halt einen Monat Ausstand der Bahnfahrer.
5.
sonnenschein2.1 11.02.2015
Und wenn die GDL sich durchsetzt, dann haben die Bahnmitarbeiter anschließend unterschiedliche Löhne und Arbeitszeiten, je nachdem in welcher Gewerkschaft sie sind? Und wer in keiner Giewerkschaft ist, was gilt für den? Klingt doch irgendwie wenig praktikabel....
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Mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) und der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) gibt es in der deutschen Bahnbranche zwei rivalisierende Gewerkschaften. Bis Ende 2010 waren es sogar drei - bis Transnet und die Verkehrsgewerkschaft GDBA zur EVG fusionierten.
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Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) ist mit 240.000 Mitgliedern die größte Interessensvertretung der Beschäftigten in der Bahnbranche. Sie ist Ende 2010 aus der Fusion von Transnet und GDBA hervorgegangen, die zuvor schon kooperiert hatten. Die EVG gehört dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) an. Ihre Mitglieder kommen aus allen Bereichen der Deutschen Bahn sowie von privaten Bahn- und Busgesellschaften.
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Die 1867 als Verein Deutscher Lokomotivführer gegründete GDL hat 34.000 Mitglieder. In ihr sind nach Gewerkschaftsangaben rund 75 Prozent der Lokführer bei der Deutschen Bahn und ein Drittel der Zugbegleiter organisiert. Die GDL gehört dem Beamtenbund an.


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