Nach Massentod bei Fabrikeinsturz Bangladesch lässt freie Gewerkschaften zu

Bangladesch hat die Rechte von Arbeitern gestärkt - zumindest ein wenig. Arbeitgeber können die Gründung von Gewerkschaften künftig nicht mehr verhindern und müssen einen Teil der Gewinne für Sozialleistungen aufwenden. Kritiker halten das Gesetz für unzureichend.

Protestierende Arbeiter in Dhaka: zum Teil nur 29 Euro Monatslohn
AP/dpa

Protestierende Arbeiter in Dhaka: zum Teil nur 29 Euro Monatslohn


Dhaka - Das Parlament in Bangladesch hat ein strengeres Arbeitsrecht beschlossen, das die Arbeitsbedingungen in dem Land verbessern soll. Arbeiter dürfen sich künftig ohne Zustimmung des Fabrikbesitzers gewerkschaftlich organisieren. Zudem wird ein Fonds gegründet, um die Lebensumstände von Arbeitern zu verbessern. Firmen müssen künftig fünf Prozent ihrer Gewinne verwenden, um Sozialleistungen für ihre Angestellten zu bezahlen. Das neue Gesetz schreibt außerdem vor, dass Fabrikbetreiber vor baulichen Veränderungen die Zustimmung von Regierungsinspektoren einholen müssen.

Der Vorsitzende des zuständigen Parlamentsausschusses, Israful Alam, sprach von "vollen Arbeitnehmerrechten" für Millionen Arbeiter. Die neuen Gesetze hätten auch Gültigkeit in den Fabriken, die Kleider für westliche Konzerne nähten. Kritiker werfen der Regierung allerdings vor, mit den neuen Regeln nur das Ausland beruhigen zu wollen. Wichtige Punkte würden nicht behandelt.

Auch das Abschließen von Notausgängen ist nach dem neuen Gesetz verboten. Bei Fabrikbränden waren verriegelte Notausgänge immer wieder zahlreichen Arbeitern zum Verhängnis geworden, weil sie nicht vor den Flammen fliehen konnten.

Bei einem Einsturz einer Textilfabrik waren im April mehr als 1100 Menschen ums Leben gekommen.Das Gebäude war nachträglich und unter Missachtung bautechnischer Grundsätze aufgestockt worden. In dem Gebäude hatten auch zahlreiche internationale Konzerne Kleidung fertigen lassen. Das Unglück stieß eine Debatte über die Arbeitsbedingungen in Niedriglohnländern und die Verantwortung von Konsumenten in Industriestaaten an. Viele westliche Unternehmen, die in Asien Bekleidungsartikel produzieren lassen, sind unter Zugzwang geraten. Ende Juni hatte US-Präsident Obama reagiert und Bangladesch die Zollvorteile gekündigt.

Starke Anhebung des Mindestlohns unwahrscheinlich

Auch die Europäische Union hatte mit ähnlichen Sanktionen gedroht, sollte die Lage der Arbeiter nicht verbessert werden. 60 Prozent der Exporte gehen in die EU. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast sagte, das Parlament in Dhaka habe die Arbeitsbedingungen auf diesen Druck hin verbessert. Dies könne aber nur ein allererster Schritt sein. "Der nächste Schritt muss eine deutliche Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns sein", forderte Künast.

Bangladesch ist nach China weltweit zweitgrößter Produzent von Textilien. 80 Prozent der Exporte des Landes im Wert von umgerechnet rund 19 Milliarden Euro im Jahr sind Kleidung und Schuhe. Die Beschäftigten bekommen zum Teil nur den Mindestlohn von umgerechnet 29 Euro im Monat. Die Regierung verhandelt zurzeit mit Unternehmen und Arbeitnehmervertretern über eine Anhebung. Die letzte Erhöhung gab es Ende 2010. Während der Mindestlohn damals fast verdoppelt wurde, sind größere Steigerungen diesmal unwahrscheinlich. Fabrikbesitzer haben erklärt, sie könnten keine höheren Löhne zahlen, weil sich westliche Einzelhandelskonzerne an niedrige Textilpreise gewöhnt hätten.

fdi/AFP/Reuters



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insgesamt 3 Beiträge
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dorfeller 15.07.2013
1. Hier die Gesetze ändern
wenn dort nichts passiert, müsste es hier ein Gesetz geben, was unternehmen verpflichtet darauf zu achten das Löhne gezahlt werden, von denen die Arbeiter leben können. Ist dies nicht der Fall dürfen sie die Kleidung hier nicht verkaufen. Als Konsument fühle ich mich oft hin und her gerissen und weiß selbst bei Marken Klamotten nicht wo und wie sie hergestellt wurden, also ob Menschen ausgebeutet wurden.
chemorist 15.07.2013
2. bringt nichts
Zitat von sysopAP/dpaBangladesch hat die Rechte von Arbeitern gestärkt - zumindest ein wenig. Arbeitgeber können die Gründung von Gewerkschaften künftig nicht mehr verhindern und müssen einen Teil der Gewinne für Sozialleistungen aufwenden. Kritiker halten das Gesetz für unzureichende Symbolpolitik. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/bangladesch-reformiert-arbeitsrecht-und-laesst-gewerkschaften-zu-a-911265.html
jetzt werden die Klamotten kurz wieder teurer und dann wechselt die Industrie in ein anderes Land
frenchcurry 15.07.2013
3.
Zitat von chemoristjetzt werden die Klamotten kurz wieder teurer und dann wechselt die Industrie in ein anderes Land
an welches andere Land denken Sie denn so?
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