Bangladesch: Zahl der Toten steigt nach Einsturz von Textilfabrik

Der Einsturz eines achtstöckigen Fabrikgebäudes in Bangladesch hat mehr als 100 Menschen getötet. Hinweise auf die Gefahr wurden offenbar ignoriert. Jetzt dementieren deutsche Unternehmen, in der Fabrik produziert zu haben.

Dhaka - Beim Einsturz eines achtstöckigen Gebäudes mit Textilfabriken und Läden sind in Bangladesch mindestens 123 Menschen ums Leben gekommen. Das gab die Polizei am Mittwochabend, rund zwölf Stunden nach dem Unglück, bekannt. Ihre Leichen seien aus den Trümmern des Rana-Plaza-Gebäudes in Savar geborgen worden, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. Der Ort liegt rund 30 Kilometer außerhalb der Hauptstadt Dhaka.

Außerdem seien mindestens 700 Menschen verletzt worden, als das Haus in einem Vorort der Hauptstadt Dhaka in sich zusammenfiel. Die meisten Toten sollen Frauen sein, die in den Fabriken im Gebäude arbeiteten. Die Behörden gingen davon aus, dass sich mindestens 1000 Menschen dort aufhielten. Mehr als 100 Menschen seien gerettet worden.

Überlebende berichteten, dass das Haus "Rana Plaza" bereits am Dienstag Risse zeigte und sie deswegen nicht mehr darin arbeiten wollten. "Aber die Manager der Fabrik zwangen uns", sagte die 29 Jahre alte Textilarbeiterin Aklima Begum nach dem Unglück. Innenminister Muhiuddin Khan Alamgir sagte Medien, das Gebäude könnte wegen fehlerhafter Bauweise eingestürzt sein. Der Direktor der Polizeieinheit für Industrie, Mustafizur Rahman, beschuldigte die Fabrikbesitzer, sie hätten Warnungen der Polizei nicht beachtet. "Sie haben nicht auf uns gehört." Einer der Inhaber, Anisur Rahman, sagte hingegen, der Besitzer des Hauses habe ihnen Grünes Licht gegeben. Er habe behauptet, das Haus sei von einem Techniker überprüft worden.

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Gebäudeeinsturz: Dramatische Rettung in Bangladesch
Die meisten der Toten sind nach offiziellen Angaben Frauen, die in den vier Fabriken arbeiteten. Bilder zeigten, dass das Betongebäude im hinteren Teil fast ganz in sich zusammengefallen war.

Die Regierung erklärte diesen Donnerstag zum offiziellen Trauertag. Auf Regierungsgebäuden und vielen Privathäusern würden schwarze Flaggen gehisst, um der Opfer zu gedenken, sagte ein Sprecher in Dhaka.

C&A und Kik dementieren Geschäftsbeziehungen

Kleidung ist Bangladeschs Hauptexportgut, 79 Prozent der Ausfuhren sind Textilien, die vor allem nach Europa und in die USA geliefert werden. In dem nun zerstörten Gebäude soll laut dem Textilproduktions- und Exportverband Bangladeschs auch die Firma Ether-Tex nähen lassen haben, die unter anderem für C&A und Kik produzierte.Die beiden Unternehmen erklärten am Mittwoch aber, nicht in der Unglücksfabrik produziert zu haben. Die Geschäftsbeziehung mit Ether-Tex endete für C&A demnach im Oktober 2011. Die Firma Kik teilte mit, dass zu der Firma Ether-Tex keine Geschäftsbeziehung bestehe. "Letztmalig wurde hier im Jahr 2008 produziert."

Die Kleiderfabriken in Bangladesch sind berüchtigt für mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen. Im November war eine Fabrik abgebrannt, 112 Menschen waren dabei ums Leben gekommen. Ganz in der Nähe der jetzigen Unglücksstelle war vor acht Jahren schon einmal ein Gebäude eingestürzt. Damals starben 64 Menschen.

mia/Reuters/dpa/AFP

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insgesamt 3 Beiträge
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1.
Atheist_Crusader 24.04.2013
Ich begreife es immer noch nicht. Wenn der Westen versucht, anderen Ländern vorzuschreiben wie sie zu leben haben, dann sind wir die bösen Kulturimperialisten. Wenn aber der Westen zulässt, dass die Regierung Bangladeshs die örtlichen Fabrikbesitzer ihre Arbeiter wie Vieh behandeln lässt, dann ist es plötzlich unsere moralische Pflicht, ihnen Vorschriften zu machen. Wo genau ist da die Logik? Der böse Westen mag Nutznießer des anscheinend ja horrormäßigen bangeldeschischen Arbeitsrechtes sein... aber gibt ihm das das Recht oder die Verantwortung, den Bangeladeschis Vorschriften zu machen? Wenn ich hier für einen US-Konzern arbeite, der Sicherheitsvorschriften ignoriert und ich deswegen verletzt werde... gebe ich dann den Amis die Schuld? Oder nicht eher der deutschen Regierung, die deutsche Arbeiter in Deutschland vor solcher Gefährdung schützen sollte?
2. optional
Andreas1979 24.04.2013
Im Grunde ist das mal wieder der Beweis, dass es vieleicht doch besser ist bei dem Textilunternehmen Trigema mit der Affenwerbung zu kaufen um den ganzen anderen Textilunternehmen zu zeigen, so geht es nicht weiter
3. optional
egyptwoman 25.04.2013
In erster Linie geht es hier darum das mindestens 123 Menschen gestorben sind, vermutlich wegen Baumängel und Baupfusch, mein Mitgefühl gilt den Angehörigen und Freunden der Toten und ich hoffe das die Familien die jetzt ihre Ernährer verloren haben, angemessen entschädigt werden und nicht wie immer sich selbst überlassen werden. Viele dieser Familien haben ihre Mütter und Töchter verloren, die Kinder dieser Mütter müssen mit dem Verlust genauso fertig werden wie die Väter und sie sollten mit allen Mitteln unterstützt werden. Dort ist das Geld was durch die EU in den Rachen der Banken geworfen wird, wesentlich sinnvoller angelegt, als Raffgierigen Bänkern alles in den Rachen zu schmeißen die das Geld doch wieder verzocken.
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