Banken in Not: Frankreichs Finanzkrise gefährdet Euro-Rettung

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Die Schieflage der französischen Banken droht zum Problem für ganz Europa zu werden: Die Institute haben sich besonders in Krisenstaaten wie Griechenland engagiert. Könnte ein Massencrash der Geldhäuser die Rettung der Währungsunion durchkreuzen?

Skyline in Paris: Für Frankreich steht enorm viel auf dem Spiel Zur Großansicht
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Skyline in Paris: Für Frankreich steht enorm viel auf dem Spiel

Hamburg - Von der sorgsam gepflegten deutsch-französischen Freundschaft ist derzeit nur wenig zu spüren, auch wenn Berlin und Paris Berichte über Streitereien eifrig relativieren. Angela Merkel hat dem europäischen Nachbarn offenkundig die Grenzen aufgezeigt. "Bis hierhin, aber nicht weiter", lautet das Motto der Bundesregierung, die dem französischen Wunsch nach unbegrenzten Mitteln des Euro-Rettungsschirms eine Absage erteilte.

Stattdessen läuft es nun wohl doch auf die Versicherungslösung hinaus. Mit dieser könnte das Volumen des Rettungsfonds EFSF auf das Fünffache gehebelt werden - ohne dass die Garantiesumme der Nationalstaaten steigen müsste. Den Franzosen reicht das zwar nicht, aber das Risiko, dass die nun für Mittwoch anvisierte Entscheidung scheitert, wollen sie auf keinen Fall eingehen.

Denn für Frankreich steht enorm viel auf dem Spiel: Den großen Banken des Landes drohen bei einer weiteren Eskalation der Schuldenkrise ernste Probleme. Rating-Agenturen haben die Kreditwürdigkeit der Institute bereits heruntergestuft, bei einer Pleite Griechenlands müssten sie viel höhere Einbußen verkraften als die deutschen Banken. Die Gefahr: Wenn die Institute in ernste Schwierigkeiten geraten, müsste der französische Staat einspringen, um einen Finanzkollaps zu verhindern.

Doch da auch Frankreich mit knapp 90 Prozent der Wirtschaftsleistung bereits viel zu hohe Schulden hat, könnten weitere Ausgaben die Rating-Agenturen dazu veranlassen, dem Land sein AAA-Rating zu entziehen. Und das wiederum gefährdet die Konzeption des Rettungsschirms, denn der EFSF kann derzeit nur aufgrund der Top-Bonität von Deutschland und Frankreich bis zu 440 Milliarden Euro an die Krisenländer verleihen. Fiele Frankreich weg, müsste entweder die Bundesrepublik mit höheren Garantien einspringen - oder der EFSF müsste die Kredite zu höheren Zinsen an den Kapitalmärkten aufnehmen.

Sarkozy will dies unbedingt verhindern. Deshalb versucht er, die französischen Banken so gut es geht zu schützen. Diese sind derzeit mehreren Risiken ausgesetzt. Konkret sind das:

  • griechische Staatsanleihen: Die französischen Institute halten laut dem Chef des nationalen Bankenverbands Fédéric Oudéa acht Milliarden Euro an Schulden des Euro-Sorgenstaates. Ende Juni waren es laut der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) sogar gut zehn Milliarden Euro. Offenbar haben die Banken ihr Risiko seitdem leicht reduziert.
  • die Tochtergesellschaften in Griechenland: Sowohl der Crédit Agricole als auch der Société Générale gehören große Banken in Hellas. Diese haben griechischen Unternehmen und Verbrauchern Milliarden geliehen. Insgesamt geht es um mehr als 43 Milliarden Euro, die Frankreichs Banken verliehen haben. Angesichts der schwachen Wirtschafts Griechenland steigt die Gefahr von Kreditausfällen.
  • die Ansteckungsgefahr weiterer Krisenländer wie Portugal, Irland, Italien oder Spanien: Wenn Griechenland pleitegeht, könnten die Investoren an den Finanzmärkten ein ähnliches Szenario auch für diese Staaten durchspielen. Laut BIZ hielten französische Banken Ende Juni Anleihen dieser Länder im Volumen von rund 146 Milliarden Euro. Zusammen mit den Milliarden aus Griechenland ergeben sich also Risiken von weit über 150 Milliarden Euro - eine gewaltige Summe.

Den mit Abstand größten Teil machen dabei italienische Papiere aus: rund 106 Milliarden Euro. Danach folgen spanische Anleihen mit rund 30 Milliarden Euro. Gerade für diese beiden Länder gilt eine Staatspleite mit Schuldenschnitt allerdings als recht unwahrscheinlich.

EFSF soll künftig Banken retten können

Allerdings könnte der Wert der Anleihen bereits dadurch fallen, dass das Vertrauen der Anleger in die Kreditwürdigkeit der Länder sinkt. Dadurch würde es für die französischen Banken schwieriger, ihre Schuldpapiere auf dem Sekundärmarkt zu verkaufen. Sie müssten den Wert der Investments in ihren Bilanzen nach unten korrigieren.

Klar ist: Frankreichs Probleme mit den eigenen Banken gefährden die Euro-Rettung insgesamt. Die Rating-Agentur Moody's erklärte am Dienstag, Frankreichs Kreditwürdigkeit auf absehbare Zeit womöglich herunterzustufen. Als Gründe nannte die Agentur Frankreichs schwächelnde Wirtschaft, aber auch die Belastungen, die durch die Rettung französischer Banken und die Hilfen für schwächere Euro-Staaten entstehen könnten. Die Finanzindustrie bleibt Frankreichs Hauptproblem - und damit auch ein Problem für Europa.

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insgesamt 139 Beiträge
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1. Banken
Quagmyre 21.10.2011
Zitat von sysopDie Schieflage der französischen Banken droht zum Problem für ganz Europa zu werden: Die Institute haben sich besonders in Krisenstaaten wie Griechenland engagiert. Könnte ein Massencrash der Geldhäuser die Rettung der Währungsunion durchkreuzen? http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,793221,00.html
Die französischen Geldhäuser werden nicht crashen. Vorher fließt deutsches Steuergeld in Massen.
2. Efsf
sichersurfen 21.10.2011
Zitat von sysopDie Schieflage der französischen Banken droht zum Problem für ganz Europa zu werden: Die Institute haben sich besonders in Krisenstaaten wie Griechenland engagiert. Könnte ein Massencrash der Geldhäuser die Rettung der Währungsunion durchkreuzen? http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,793221,00.html
Warum eigentlich? Der EFSF sieht doch ausdrücklich vor, daß auch Finanzinstitute refinanziert werden können. Möglicherweise hat man dabei nicht an französische Banken gedacht, aber ausgeschlossen ist es nicht. Wäre natürlich trotzdem eine Blamage, wenn Frankreich zwar den Euro retten will, aber nicht einmal die eigenen Banken selbst retten kann.
3. :{[
gewgaw 21.10.2011
Da gibt es nur ein Möglichkeit: Frankreich muß sich von Staatseingentum trennen und an Deutschland verkaufen, um flüssig zu werden, bspw. EADS-Anteile.
4. unbegreifliche zustände
tauschspiegel 21.10.2011
Zitat von sysopDie Schieflage der französischen Banken droht zum Problem für ganz Europa zu werden: Die Institute haben sich besonders in Krisenstaaten wie Griechenland engagiert. Könnte ein Massencrash der Geldhäuser die Rettung der Währungsunion durchkreuzen? http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,793221,00.html
*** was soll das für eine EU sein, in der mit deutschen Steuergeldern private französische Banken gerettet werden. sieht so das europa aus, dass der bürger will?? das ganze grenzt mittlerweile an irrsinn - und ja, besser ein massencrash als diese gigantische umverteilung noch weiterhin befördern.
5. sollen sie nur crashen
Maun 21.10.2011
Zitat von sysopDie Schieflage der französischen Banken droht zum Problem für ganz Europa zu werden: Die Institute haben sich besonders in Krisenstaaten wie Griechenland engagiert. Könnte ein Massencrash der Geldhäuser die Rettung der Währungsunion durchkreuzen? http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,793221,00.html
crasht nur. das kommt gut, wenn französische bankster den bankrott verkünden müssen. Ja, das ist gut gegen Großkotzigkeit und hochmut. erst den griechen immer mehr Geld leihen, dann die konsequenz des durch und durch faulen "Engagements" nicht tragen können. Eine krasse fehlentscheidung, den Griechen das ganze geld zu leihen, um zinsen abzusahnen. das hat wohl nicht so ganz funktioniert,könnte man sagen ?
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Wie Notenbanken funktionieren
Woher nehmen Notenbanken das ganze Geld?
Für die Milliardensummen, die die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-amerikanische Federal Reserve Bank (Fed) im Verlauf der Finanzkrise den Banken zur Verfügung stellten, müssen die Notenbanken nicht die Notenpresse anwerfen und Geldscheine drucken. Die Beträge werden lediglich auf den Konten der Geschäftsbanken gutgeschrieben, die bei den Notenbanken geführt werden. Gegen Wertpapiere als Sicherheiten leiht die EZB oder Fed Geld aus. Nach einer bestimmten Frist zahlen die Banken die Summe inklusive Zins zurück.
Können sie pleitegehen?
Technisch nein. Die EZB hat im Euro-Raum das Monopol über das Zentralbankgeld und kann unabhängig darüber entscheiden, wann sie wie viel Geld in Umlauf bringt.
Warum buttern sie so viel Geld in die Märkte?
Generell leihen sich Geldinstitute auf dem Geldmarkt untereinander oder bei der EZB oder Fed Geld aus und zahlen dafür Zinsen - so wie ein Bankkunde bei einer Bank einen Kredit bekommt und diesen abträgt. Für die Geschäftsbanken ist es wichtig, dass sie über flüssiges Geld (Liquidität) verfügen, zum Beispiel für die Vergabe von Krediten an Unternehmen und Verbraucher. Wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten und eventueller noch unbekannter Risiken bei einzelnen Häusern sind die Banken jedoch misstrauischer geworden und nicht mehr im üblichen Maße bereit, sich gegenseitig Geld auszuleihen. In so einem Fall können die Notenbanken eine Finanzspritze geben, um einen Geldengpass (Kreditklemme) zu verhindern. Vorrangiges Ziel der Notenbanken sind stabile Preise. Die EZB ist laut EU-Vertrag aber auch für die Stabilität des Finanzsystems mitverantwortlich.