Finanzbranche Sicherungstöpfe für Spareinlagen sind nur halb gefüllt

Bis 2024 müssen nationale Bankenverbünde in der Eurozone ihre Fonds zur Einlagensicherung füllen. Doch von den verlangten Werten sind die meisten Länder weit entfernt - auch Deutschland.

Banken in Frankfurt
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Banken in Frankfurt

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Seit 2014 ist europaweit gesetzlich vorgeschrieben, dass Banken alle Spareinlagen ihrer Kunden bis 100.000 Euro zu 0,8 Prozent durch eigene Mittel absichern müssen. Doch nach jetzigem Stand sind die nationalen Sicherungsfonds in den allermeisten Ländern nicht ausreichend gefüllt - auch nicht in Deutschland. Das hat Wolf Klinz, wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP im Europaparlament, anhand von Zahlen der Europäischen Bankenaufsicht EBA errechnet.

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Heft 24/2018
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Demnach waren Ende 2017 die Töpfe, mit denen sich in Deutschland Sparkassen, Volksbanken und Privatbanken innerhalb ihrer jeweiligen Verbünde in Krisenzeiten gegenseitig helfen, nur mit durchschnittlich 0,4 Prozent der gesicherten Einlagen gefüllt. Damit rangiert Deutschland auf Platz 11 der 19 Eurostaaten. Das heißt nicht, dass deutsche Banken gefährdeter sind als Geldhäuser anderswo in Europa - aber sehr wohl, dass sie im Fall einer europaweiten Bankenkrise weniger gut vorbereitet sind.

Die privaten Banken waren schon 2008, nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 nicht ausreichend vorbereitet, um deutsche Geschäftspartner von Lehman zu entschädigen. Daher musste der Bundesverband deutscher Banken (BdB) eine vom staatlichen Rettungsfonds Soffin garantierte Anleihe über 6,7 Milliarden Euro ausgeben. Später verringerte sich die Entschädigungssumme durch Zahlungen aus der Insolvenzmasse der deutschen Lehman-Tochter.

Zwar bleibt den EU-Staaten noch bis Mitte 2024 Zeit, die Fonds wie vorgeschrieben aufzufüllen. Kommt es bis dahin zu Bankenpleiten mitsamt einem Schaltersturm der Kunden, könnte es in vielen Ländern aber knapp werden, die gesetzlich garantierten 100.000 Euro pro Kunde auszuzahlen. Lediglich 6 der 19 Eurozonen-Länder haben den Daten zufolge die Zielausstattung bereits erreicht.

"Deutschland hinkt hinterher"

Ausnahmen von der 0,8-Prozent-Regel gibt es für Frankreich, wo die Banken nur 0,5 Prozent der Spareinlagen abdecken müssen, sowie für Luxemburg, Malta, Griechenland und Estland, wo die vorgeschriebenen Quoten teils deutlich höher sind. Schon jetzt ausreichend gefüllt haben ihre Töpfe nur Portugal, Belgien, Lettland, Finnland, Estland - sowie ausgerechnet der europäische Dauerpatient Griechenland. Dort müssen 1,39 Prozent der Spareinlagen von 100.000 Euro abgedeckt sein, tatsächlich sind es jetzt schon 1,45 Prozent.

FDP-Mann Klinz kritisiert die deutsche Bankenverbände scharf. "Während die von Linksregierungen geführten Griechenland oder Portugal die europäischen Ziele bereits übererfüllt haben, hinkt Deutschland beim Befüllen der nationalen Bankeinlagensicherung hinterher." Die derzeit diskutierte Vergemeinschaftung europäischer Einlagensicherungen würde falsche Anreize setzen, so Klinz weiter.

"Doch statt mit Hochmut vor den Zugriffen ausländischer Banken zu warnen, sollten sich die deutschen Institute lieber auf das rasche Befüllen ihrer nationalen Einlagensicherungssysteme konzentrieren. Mittelmaß ist nicht genug. Die deutschen Sparer müssen sich darauf verlassen können, dass ihre Einlagen im Krisenfall gesichert sind."

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insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
TS_Alien 08.06.2018
1.
Die Finanzindustrie macht weiter wie bisher. Im Vergleich zu 2008 hat sich nichts verbessert. Zumindest nicht, wenn es ernst wird. Auf dem Papier sieht alles wesentlich besser aus. Papier rettet jedoch keine Großbanken. Das weiß man spätestens seit 2008.
tatsache2011 08.06.2018
2. FDP lobt Linksregierungen !
FDP-Mann lobt offensichtlich Linksregierungen "Während die von Linksregierungen geführten Griechenland oder Portugal die europäischen Ziele bereits übererfüllt haben, ... beim Befüllen der nationalen Bankeinlagensicherung ..."
genugistgenug 08.06.2018
3. Sicherungsfonds das good feeling placebo Zäpfchen plus Spesengarantie
Vor Jahren wurde schon beim berühmten deutschen Sicherungsfonds berichtet, dass dieser nur den Crash zweier mittlerer Banken verkraften kann, weil es über Umlage, usw. geht. Bereits damals wurde außer achtgelassen, dass der Fonds lange vor einer Auszahlung leer sein kann, weil es die Banken und deren Garantien inzwischen nicht mehr gibt. Denn eine Krise läuft automatisch weiter, während sich die Bürokratie noch um das 1. Problem kümmert und erst wieder aufnahmefähig ist, wenn deises komplett beendet ist - so lange bleibt die Welt sowieso stehen :-) Außerdem sind solche Fonds ideale Bereiche um Spesen zu machen, zu reisen und irgendwelche unliebsamen/unqualifizierten Mitarbeiter dahin abzuschieben.
klarafall 08.06.2018
4. 400 Euro
kurz gesagt, von den 100 Tausend "gesicherten" Euro pro Kunde sind tatsächlich nur vierhundert Euro vorhanden - das wäre dann wohl der Betrag, den der Sparer wirklich von seinen 100 Tausend zurück bekommen würde. Den Rest hat die Bank verfrühstückt...
Spiegelleserin57 09.06.2018
5. was soll der Sparer dazu sagen?
wir sollen vorsorgen für das Alter? Wenn das Sparen unsicher ist und man eigentlich dann gar nicht weiß ob man , wenn man im Rentenalter angekommen das Geld nicht schon verloren hat, macht es dann überhaupt noch Sinn zu sparen? Geändert hat sich also seit Jahren nichts, eine wichtige Nachricht für die Zukunft, eigentlich viel wichtiger als diese über die große Außenpolitik die uns persönlich wohl nicht betrifft da wir keinen Einfluss auf sie haben. Man fragt sich wirklich was unsere Regierung die vielen Jahren geleistet hat.
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