USA Abgeordnete fordern Boni-Rückzahlpflicht für Skandalbanker

Der US-Kongress diskutiert ein Gesetz, das weitreichende Folgen für die Finanzindustrie hätte: Banker, die nachweislich in dubiose Deals verwickelt waren, sollen ihre Boni zurückzahlen.

Wells-Fargo-Chef John Stumpf
AFP

Wells-Fargo-Chef John Stumpf


Die US-Bank Wells Fargo muss an diesem Dienstag vor dem US-Kongress für fragwürdige Verkaufspraktiken geradestehen. Ihre Mitarbeiter hatten rund zwei Millionen Giro- und Kreditkartenkonten eröffnet - ohne Einwilligung der betroffenen Kunden.

John Stumpf, der Chef der Bank, wolle dafür die "volle Verantwortung" übernehmen und sein Bedauern aussprechen, dass solche Deals nicht früher gestoppt worden seien, zitiert das "Wall Street Journal" aus Stumpfs geplantem Statement.

Der Skandal um die Großbank aus San Francisco wird von der US-Finanzindustrie mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Denn zahlreiche US-Abgeordnete wollen ihn zum Anlass nehmen, um ein Gesetz durchzudrücken, das für die gesamte amerikanische Bankenbranche weitreichende Folgen hätte.

Der Kongress will Mitarbeiter von Banken dazu verdonnern, ihre Boni zurückzuzahlen, wenn ihnen unlautere Geschäftspraktiken nachgewiesen werden. Die Institute sollen dann die Boni der vergangenen sieben Jahre zurückfordern, heißt es in einem entsprechenden Gesetzentwurf. Mindestens.

Für die Geldhäuser wäre eine solche Regelung fatal. Denn hohe Boni sind für sie das größte Lockmittel für Talente. Das geplante Gesetz würde einen wahren Brain Drain in Gang setzen, warnen US-Banker. Hinzu kämen große Rechtsrisiken für die Geldhäuser: Die meisten Mitarbeiter, denen man rückwirkend ihr Geld wieder wegnehmen wolle, würden wohl vor Gericht ziehen, heißt es.

Allgemein sind Boni-Rückzahlungen in der US-Finanzbranche kein Novum. Einige US-Banken bestrafen schon jetzt ihre Mitarbeiter auf diese Weise für unlautere Praktiken. Die Strafen sind allerdings freiwillig, sie entziehen sich der Kontrolle der Behörden - und sie sind meist weit weniger drakonisch als die von der US-Regierung angestrebten Auflagen.

Mächtige US-Politiker wollen ein entsprechendes Gesetz nun vorantreiben. Das "Wall Street Journal" zitiert etwa US-Finanzkontrolleur Thomas Curry mit den Worten, er werde entsprechende Regulierungen "nach Kräften unterstützen" und sich dafür einsetzen, dass sie so schnell wie möglich umgesetzt werden.

Die Boni-Rückzahlpflicht ist zudem Teil eines Gesetzespakets, das der scheidende US-Präsident Barack Obama noch in seiner Amtszeit verabschieden möchte.

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MatthiasPetersbach 20.09.2016
1.
"Denn hohe Boni sind für sie das größte Lockmittel für Talente." Ich würde DIE Leute, die wegen der Boni für dubiose Geschäfte zu den Banken strömen, nicht unbedingt als "Talente" bezeichnen. Sondern als Betrüger und Schwindler. Ansonsten ist mir nicht ganz klar, warum man -wenn man auf der rechtlichen und moralischen Grundlage bleibt- TALENTE braucht. Die braucht man nur für Betrügereien. Das grundlegende Bankgeschäft sollte ein halbwegs intelligenter Mensch durchschauen und beherrschen. Falls er das nicht tut, ist das ein Anzeichen dafür, daß die Konstrukte künstlich verkompliziert sind. Aus EINEM Grund.
lazyfox 20.09.2016
2. Fragwürdige Praktiken?
Schöne Umschreibung für Betrug. Bitte das Gesetz auch in Europa.
Leser161 20.09.2016
3. Ach wie nett
Also ich mach einen dubiosen Deal und krieg fettes Geld und wenn ich erwischt werde muss ich es zurückzahlen? Und wo ist jetzt der Abschreckungseffekt? Wenn man verhindern will das jemand etwas tut, muss die Strafe derart sein das man davon abschreckende Nachteile hat. Vielleicht den unrechtmässig erworbenen Gewinn zurückgeben zu müssen scheint mir da zu schwach. Genrell finde ich Geldstrafen gegen sehr reiche Individuen nicht abschreckend genug.
klaus5000 20.09.2016
4. Fatale folgen?
unter fatalen Folgen leiden die Menschen dieser Erde schon seit Jahrzehnten, weil Banken und Manager bisher so gut wie ungestraft zu Nachteil viele unlautere und teils sogar gesetzwidrige Geschäftspraktiken an den Tag legen können. Ein Gesetz was zumindest die Belohnung solchen Handelns verbietet, kann da nur ein Anfang sein!
spmc-12355639674612 20.09.2016
5. Cool!
Und auch in diesem Aspekt des Kapitalismus scheint uns Europäern unser großes Vorbild wieder einen gewaltigen Schritt voraus zu sein - ähnlich wie bei Steuergesetzgebung, Schadensersatz und Schmerzensgeld.
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