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22. Februar 2013, 14:00 Uhr

Krisenhilfen der EZB

Europas Banken erholen sich langsamer als gedacht

Die Euro-Krise ist derzeit eingedämmt - doch auf dem Finanzmarkt herrscht noch immer der Ausnahmezustand: Weit langsamer als gedacht zahlen Europas Banken Milliardehilfen an die EZB zurück. Die Bundesbank warnt davor, die Probleme der Geldhäuser zu unterschätzen.

Frankfurt am Main - Die Banken des Euro-Raums halten sich mit der Rückzahlung von Notkrediten an die Europäische Zentralbank (EZB) sichtlich zurück. Wie die EZB am Freitag mitteilte, wollen 356 Institute insgesamt 61,1 Milliarden Euro jener Hilfen zurückgeben, die die Notenbank ihnen im Kampf gegen die Euro-Krise gewährt hatte.

Zweimal hatte die EZB die Geldschleusen geöffnet und Europas Banken insgesamt fast eine Billion Euro für drei Jahre geliehen, damit sie flüssig bleiben. Mit der Option, schon nach einem Jahr schrittweise mit der Rückzahlung zu beginnen.

Es ist ein positives Signal, dass die Banken einen Teil der Hilfen vorzeitig zurückzahlen. Allerdings ist die Summe, die sie begleichen nur etwa halb so groß, wie Analysten erwartet hatten. Experten hatten damit gerechnet, dass viele Banken, vor allem aus den stabilen Ländern im Zentrum der Währungsunion, diese Möglichkeit nutzen. Sie kommen im Gegensatz zu Instituten in Griechenland oder Zypern inzwischen wieder ohne Probleme an Liquidität.

Möglicher Grund für das Zögern: Europas Finanzsektor erholt sich langsamer als gedacht. Was kein gutes Zeichen ist. Der Euro gab nach Bekanntgabe der Daten spürbar nach.

Konkret hat die Commerzbank angekündigt, 6,2 Milliarden Euro zu tilgen, die sie von der EZB erhalten hatte. Mit dem Geld wollte sie ihr Geschäft in Italien und Spanien gegen ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone absichern. Die Deutsche Bank , die sich mit zehn Milliarden Euro eingedeckt hatte, will sich dagegen nur scheibchenweise vom Geld der Zentralbank trennen. Bundesbank-Vorstandsmitglied Joachim Nagel warnte, die Krise trotz der offenkundigen Entspannung bei zahlreichen Banken für beendet zu erklären.

Euro-Zone verharrt in Rezession

EZB-Präsident Mario Draghi hatte erst kürzlich erklärt, dass die Hilfen der Notenbank noch lange bei weit mehr als 200 Milliarden Euro liegen werden. Er wertete diesen Bedarf als Bestätigung dafür, dass die EZB-Geldpolitik weiter locker sein müsse. Derzeit liegt der Leitzins, zu dem die EZB den Privatbanken Geld leiht, bei lediglich 0,75 Prozent. Zudem gibt die EZB den Banken so viel Geld, wie sie brauchen, um flüssig zu bleiben. Vor Ausbruch der Euro-Krise war die Summe begrenzt gewesen.

Die Euro-Zone kommt nach einer Prognose der EU-Kommission nur langsam aus der Rezession heraus. Nach dem Internationalen Währungsfonds und der Europäischen Zentralbank kappte auch die EU-Behörde ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr. Das Bruttoinlandsprodukt werde2013 um 0,3 Prozent schrumpfen nach dem geschätzten Minus von 0,6 Prozent im Vorjahr, teilte die Kommission am Freitag in Brüssel mit.

ssu/dpa-AFX/Reuters

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