Krisenhilfen der EZB: Europas Banken erholen sich langsamer als gedacht

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Euro-Skulptur: Schlechte Aussichten für die Euro-Zone

Die Euro-Krise ist derzeit eingedämmt - doch auf dem Finanzmarkt herrscht noch immer der Ausnahmezustand: Weit langsamer als gedacht zahlen Europas Banken Milliardehilfen an die EZB zurück. Die Bundesbank warnt davor, die Probleme der Geldhäuser zu unterschätzen.

Frankfurt am Main - Die Banken des Euro-Raums halten sich mit der Rückzahlung von Notkrediten an die Europäische Zentralbank (EZB) sichtlich zurück. Wie die EZB am Freitag mitteilte, wollen 356 Institute insgesamt 61,1 Milliarden Euro jener Hilfen zurückgeben, die die Notenbank ihnen im Kampf gegen die Euro-Krise gewährt hatte.

Zweimal hatte die EZB die Geldschleusen geöffnet und Europas Banken insgesamt fast eine Billion Euro für drei Jahre geliehen, damit sie flüssig bleiben. Mit der Option, schon nach einem Jahr schrittweise mit der Rückzahlung zu beginnen.

Es ist ein positives Signal, dass die Banken einen Teil der Hilfen vorzeitig zurückzahlen. Allerdings ist die Summe, die sie begleichen nur etwa halb so groß, wie Analysten erwartet hatten. Experten hatten damit gerechnet, dass viele Banken, vor allem aus den stabilen Ländern im Zentrum der Währungsunion, diese Möglichkeit nutzen. Sie kommen im Gegensatz zu Instituten in Griechenland oder Zypern inzwischen wieder ohne Probleme an Liquidität.

Möglicher Grund für das Zögern: Europas Finanzsektor erholt sich langsamer als gedacht. Was kein gutes Zeichen ist. Der Euro Chart zeigen gab nach Bekanntgabe der Daten spürbar nach.

Konkret hat die Commerzbank Chart zeigen angekündigt, 6,2 Milliarden Euro zu tilgen, die sie von der EZB erhalten hatte. Mit dem Geld wollte sie ihr Geschäft in Italien und Spanien gegen ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone absichern. Die Deutsche Bank Chart zeigen, die sich mit zehn Milliarden Euro eingedeckt hatte, will sich dagegen nur scheibchenweise vom Geld der Zentralbank trennen. Bundesbank-Vorstandsmitglied Joachim Nagel warnte, die Krise trotz der offenkundigen Entspannung bei zahlreichen Banken für beendet zu erklären.

Euro-Zone verharrt in Rezession

EZB-Präsident Mario Draghi hatte erst kürzlich erklärt, dass die Hilfen der Notenbank noch lange bei weit mehr als 200 Milliarden Euro liegen werden. Er wertete diesen Bedarf als Bestätigung dafür, dass die EZB-Geldpolitik weiter locker sein müsse. Derzeit liegt der Leitzins, zu dem die EZB den Privatbanken Geld leiht, bei lediglich 0,75 Prozent. Zudem gibt die EZB den Banken so viel Geld, wie sie brauchen, um flüssig zu bleiben. Vor Ausbruch der Euro-Krise war die Summe begrenzt gewesen.

Die Euro-Zone kommt nach einer Prognose der EU-Kommission nur langsam aus der Rezession heraus. Nach dem Internationalen Währungsfonds und der Europäischen Zentralbank kappte auch die EU-Behörde ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr. Das Bruttoinlandsprodukt werde2013 um 0,3 Prozent schrumpfen nach dem geschätzten Minus von 0,6 Prozent im Vorjahr, teilte die Kommission am Freitag in Brüssel mit.

ssu/dpa-AFX/Reuters

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insgesamt 20 Beiträge
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1.
Ghanima22 22.02.2013
Zitat von sysopDie Euro-Krise ist derzeit eingedämmt - doch auf dem Finanzmarkt herrscht noch immer der Ausnahmezustand: Weit langsamer als gedacht zahlen Europas Banken Milliardehilfen an die EZB zurück. Die Bundesbank warnt davor, die Probleme der Geldhäuser zu unterschätzen. Banken zahlen EZB-Hilfen nur zögerlich zurück - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/banken-zahlen-ezb-hilfen-nur-zoegerlich-zurueck-a-884988.html)
Wo zum Teufel erholen sich Europäische Banken, langsamer, schneller oder überhaupt? Der SPON sollte doch bitte mal endlich damit aufhören Fantasiegemälde zu zeichnen, von denen die verantwortlichen Redakteure vermutlich selbst genau wissen, das man sie binnen weniger Wochen sowieso wieder korrigieren muss. Die südländischen Banken sind genauso pleite wie noch vor einem Jahr. In regelmässigen Abständen muss man mal wieder einige retten. Und wenn sie pleite gehen, dann fallen die Dominos auch im Zentrum Europas. Daran hat sich nicht im geringsten etwas geändert.
2. Das Casino wartet ab .
ossimann 22.02.2013
Man wartet ab bis die Luft wieder rein ist um das Glücksspieö Karussel wieder anzuwerfen . Solange man am Tropf der haftenden Steuerzahler hängt lässt sich erst mal gut leben . Man bekommt das Geld für lumpige 0,75% fast geschenkt und wenn der Steuerzahlerdepp der für seine Ersparnisse nix mehr bekommt ein Kredit brauch ziehen die Bankster ihnen ordentlich übern Tisch . Aber solange noch viele faule Kredite und Papiere ohne jeden Gegenwert irgendwo in den Tiefen schlummern hält man sich zurück . Wenn alles durch den Steuerzahler und deren Verzicht auf Lebensqualität durch eisernes Sparen und völliger Hingabe abgetragen ist , dann ist wieder Partytime und der Erfindungsreichtum in Sachen verpackter Kreditpakete u.ä. "Big Bombs" grenzenlos . Aber bei dieser Cashscheffelei darf der "dumme Depp" staunend zugucken , aber ab bekommt der nix , denn der Mohr hat seine schuldigkeit getan bis zum nächsten Supergau .
3. Ach ne ?!
karlsiegfried 22.02.2013
Die Kriser soll doch schon längst abgehandelt sein ?!
4.
Tamarind 22.02.2013
Weil die Banken nicht mehr die reguläre Kreditvergabe als ihre hauptsächliche Aufgabe verstehen sondern die weitaus lukrativere Zockerei mit den innovativen neuen Finanzprodukten, deren astronomische Renditen ja aus irgendwelchen Quellen gedeckt werden müssen, wird sich an der prekären Lage der Banken nichts ändern. Das Wort Spekulationsblase ist aus den Medien-Meldungen gänzlich verschwunden, obwohl sie nach wie vor über den Köpfen der Finanzeliten im Orbit der Maßlosigkeit schweben. Praktisch, dass der ESM nun den Steuerzahler mit einbindet und ihn verpflichtet, sich an den Risiken zu beteiligen. Eine unheilvolle Situation, deren grausame Folgen selbst von den übelsten "Verschwörungstheoretikern" noch gar nicht ausgemalt werden können.
5.
Ghanima22 22.02.2013
Zitat von TamarindWeil die Banken nicht mehr die reguläre Kreditvergabe als ihre hauptsächliche Aufgabe verstehen sondern die weitaus lukrativere Zockerei mit den innovativen neuen Finanzprodukten, deren astronomische Renditen ja aus irgendwelchen Quellen gedeckt werden müssen, wird sich an der prekären Lage der Banken nichts ändern. Das Wort Spekulationsblase ist aus den Medien-Meldungen gänzlich verschwunden, obwohl sie nach wie vor über den Köpfen der Finanzeliten im Orbit der Maßlosigkeit schweben. Praktisch, dass der ESM nun den Steuerzahler mit einbindet und ihn verpflichtet, sich an den Risiken zu beteiligen. Eine unheilvolle Situation, deren grausame Folgen selbst von den übelsten "Verschwörungstheoretikern" noch gar nicht ausgemalt werden können.
"Lukrative Zockerei mit den innovativen neuen Finanzprodukten", das hört sich sicher gut an und sieht natürlich auch so aus als wenn die Banken ganz allein für ihre Probleme verantwortlich sind.Dem ist aber nicht so. Die südländischen Banken haben sich mit ihrer ganz regulären Kreditvergabe an ihre jeweiligen Souveräne, als spanische Banken an Spanien, in die Krise geritten. Und solange Staaten wie Spanien ihre Defizite (Spanien 2012 >10%) über Kredite finanzieren müssen, also zuvie Geld ausgeben, haben Sie ein Problem. Lassen die Staaten die Banken pleite gehen, wer leiht ihnen dann noch Geld? in dem Masse in dem sich ihrer Schulden durch Schuldenschnitte entledigen oder entsprechend ihrer realen finanziellen und wirtschaftlichen Situation gezwungen sind, entsprechende Zinsen zu zahlen, solange müssen Sie die Fehlbeträge bei den Banken wieder ausgleichen. Retten sie auf welchen Umwegen auch immer die Banken, drücken Sie die Zinsen in den Keller und zwingen die Banken mit billigen EZB Geld ihre Schulden zu kaufen, sieht das zwar gut aus solange wie es funktioniert, sobald die Realität wieder mal zuschlägt sind die Löcher in den Bankbilanzen aber umso grösser. Und damit sind sie wieder zurück auf Feld Nr.1, den die Banken dürfen nicht pleite gehen wollen die entsprechenden Staaten nicht im Anschluss ihren Staatsbankrott eingestehen.
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