Bankenbeitrag für Griechenland Heucheln statt helfen

Finanzminister Schäuble und prominente Bankenbosse brüsten sich, gemeinsam die Griechen zu retten. Doch der Hilfsbeitrag der Geldhäuser ist in Wahrheit verschwindend gering - und erfolgt aus purem Eigeninteresse.

Von und


Berlin - Beim Krisentreffen mehrerer Bankenbosse mit Finanzminister Schäuble könnte gut und gern die Deutsche Bank Regie geführt haben: Zuerst machten die Landesbankenchefs ihre Aufwartung, kurze Zeit später traf Commerzbank-Spitzenmann Martin Blessing ein. Zuletzt zelebrierte Josef Ackermann seinen Auftritt. Auf den Boss der Deutschen Bank mussten die anderen Top-Banker und Hausherr Wolfgang Schäuble (CDU) am längsten warten.

Ackermann steht damit im Mittelpunkt einer vielbeachteten Hilfsaktion: Er überredete Banken und Versicherer, ihr Engagement in Griechenland aufrechtzuerhalten und sich obendrein am milliardenschweren Rettungspaket für Athen zu beteiligen.

Es ist in erster Linie eine psychologische Botschaft, die von dem Treffen ausgehen soll. Es geht darum, das Hilfspaket für Athen gegen alle Widerstände durchzusetzen, Geschlossenheit zu demonstrieren. "Wir haben verstanden", lautet die Botschaft.

Zwar sind etliche Punkte - etwa Umfang und Konditionen des Bankenpakets - offen. Doch Schäuble sparte nicht mit Lob für die Banker, und sie selbst klopften sich auch kräftig auf die Schultern.

Kritik der Opposition

Die Opposition sieht das skeptisch: "Die Ankündigungen der Banken stellen keinen wirklichen Beitrag dar. Sie gehen nicht über ihr normales Geschäft hinaus, das Risiko tragen die Euro-Staaten", kritisiert der SPD-Haushaltspolitiker Carsten Schneider. "Eine absolute Nullnummer", poltert Parteichef Sigmar Gabriel. "Es gibt keinerlei konkrete Zusagen. Die Banken versprechen lediglich die Selbstverständlichkeit, ihren normalen Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten." Die Strategie von Kanzlerin Angela Merkel (CDU), die Verursacher der Krise freiwillig zur Verantwortung zu ziehen, sei krachend gescheitert.

Tatsächlich bleibt ein fader Nachgeschmack, wenn man die wenigen Fakten durchleuchtet, die die Banker am Dienstag preisgaben. So scheint das Risiko, das Banken und Versicherer beim Halten der Staatsanleihen eingehen, extrem gering - zumindest in den drei Jahren, für die das staatliche Hilfsprogramm angelegt ist. Denn so lange sind auch ihre Forderungen abgesichert. Und beim Kauf einer KfW-Anleihe ist das Risiko gleich null. Die KfW genießt an den Märkten die höchste Kreditwürdigkeit.

Die gut verzinsten Griechenland-Anleihen könnten für die Banken also ein einträgliches Geschäft werden. Auch ist kaum davon auszugehen, dass sich die Institute noch mehr Risikopapiere in die Bücher holen. Zumal Aktionäre gegen zu heikle Geschäfte in Griechenland klagen könnten.

Nüchternes Kalkül

Ein echtes Opfer wäre es gewesen, wenn Banken auf einen Teil ihrer Gelder verzichtet und Griechenland beim Abbau seiner Schulden so geholfen hätten, wie es auch Abgeordnete der schwarz-gelben Koalition gefordert hatten. Doch diese Forderung war von Anfang an unrealistisch.

Gleichwohl ist die jetzige Lösung nicht die schlechteste, auch wenn sie weniger auf Uneigennützigkeit als vielmehr auf nüchternem Kalkül beruht. "Eigentlich müssten die Institute die bestehenden Kredite fällig stellen oder zumindest deutlich höhere Zinssätze verlangen, weil sich das Risiko spürbar erhöht hat", erklärt Hans-Peter Burghof, Bankenexperte an der Universität Hohenheim. "Jetzt, so scheint es, haben die Gläubiger verabredet, gemeinsam stillzuhalten, denn nur so besteht eine Chance, das Geld zurückzubekommen." Ein Restrisiko berge die Verabredung zudem: "Wenn einzelne Institute sich nicht an die Verabredung halten und ihr Geld zurückfordern, dann bricht das ganze Kartenhaus zusammen."

Den Kauf der KfW-Anleihen zur Finanzierung der Griechenland-Hilfen sieht auch Burghof als ganz normales Alltagsgeschäft. "Die Margen sind nicht bekannt, aber man kann davon ausgehen, dass sie recht niedrig sind, weil der Staat schließlich dafür bürgt", erklärt der Experte. Die bisher gekauften Papiere will die deutsche Finanzbranche halten, also nicht am Markt verkaufen und damit die Preise bewegen. Die Deutsche Bank ist nach den Worten ihres Chefs Josef Ackermann auch bereit, fällig werdende Anleihen zu verlängern und gegebenenfalls durch neue Kredite zu ersetzen.

Gegenüber den Aktionären verpflichtet

Ein geringes Ausfallrisiko besteht für die Banken zudem schon jetzt - bei den nun gewährten Krediten. Denn anders als die KfW-Anleihen sind die Darlehen nicht durch die Regierungen der Euro-Staaten garantiert. Ob die Banken ihr Geld wiedersehen, hängt davon ab, ob Griechenland seinen Staatshaushalt in Ordnung bringen kann.

Dass das mit dem am Wochenende beschlossenen Sparpaket gelingt, bezweifeln aber viele Volkswirte. Mit rund 115 Prozent des BIP bereits im vergangenen Jahr sei der staatliche Schuldenstand Griechenlands zu hoch und eine Umschuldung unvermeidbar, heißt es. Andere Ökonomen verweisen auf die Galgenfrist von bis zu zwei Jahren, die Griechenland jetzt Zeit hat, ein drakonisches Sparprogramm umzusetzen.

Für die Analysten von Unicredit ist der Ausgang allerdings völlig offen. "Auch wenn es für Investoren und Politiker gleichermaßen äußerst unbefriedigend klingen muss: Die Streitfrage, ob das drakonische Sparpaket in Griechenland Erfolg hat oder nicht, lässt sich im Moment nicht eindeutig beantworten", heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Studie. Es sei schlicht eine Glaubensfrage.

Den Vorwurf, die Banken nutzten nur die Gelegenheit für ein gutes Geschäft auf Kosten des Staates, will Burghof daher nicht gelten lassen. Schließlich sei Josef Ackermann als oberster Angestellter auch der Deutschen Bank gegenüber verpflichtet. "Wenn er Geld der Aktionäre verschenkt, läuft er Gefahr, wegen Untreue belangt zu werden."

insgesamt 2767 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
kdshp 04.05.2010
1.
Zitat von sysopNach der Krise ist vor der Krise: In ganz Europa hat die Debatte darüber begonnen, wie die Eurozone künftige Staatspleiten effektiver bekämpfen kann. Muss Europa sich ändern?
Hallo, wir brauchen endlich eine EU regierung die auch macht hat. Gleichzeitig sollten wir die nationalen regierungen abbauen.
grauer kater 04.05.2010
2.
Zitat von sysopNach der Krise ist vor der Krise: In ganz Europa hat die Debatte darüber begonnen, wie die Eurozone künftige Staatspleiten effektiver bekämpfen kann. Muss Europa sich ändern?
Wir brauchen die politische Union Europa mit einheitlicher Wirtschafts-, Finanz-, Steuer- und Abgabenpolitik, mit proportionaler Standortverteilung der Produktion auf die jeweils geeigneten Standorte mit den besten Produktionsbedingungen, soziale Anpassungen und einheitlicher Außenpolitik. Wir brauchen ein energisches Handeln der EZB zur Geldwertstabilität! Die EU braucht einen Regierungschef mit demokratischer Legitimation, eine gewählte Regierung und ein Parlament, das die Souveränität der Mitgliedsstaaten und Europas insgesamt ausübt! Der Lissabon-Vertrag wird den Anforderungen der Zeit an die weitere Integration Europas in keiner Weise gerecht! Europa muss seine Interessen geschlossen vertreten und durchsetzen!
rhawik 04.05.2010
3.
Das Thema Griechenland-Krise, Euro und Europäische Union ist viel zu komplex. Was für eine Frage, ob Europa sich ändern muss ? Selbstverständlich. Alle und jeder muss sich ändern ! Die Pleite-Serien in Europa werden sich fortsetzen. Portugal, Irland und Spanien werden wohl folgen. Ungarn war doch kürzlich auch Pleite. Von Ungarn spricht im Moment kein Mensch mehr.
grauer kater 04.05.2010
4.
Zitat von sysopNach der Krise ist vor der Krise: In ganz Europa hat die Debatte darüber begonnen, wie die Eurozone künftige Staatspleiten effektiver bekämpfen kann. Muss Europa sich ändern?
Wir brauchen die politische Union Europa mit einheitlicher Wirtschafts-, Finanz-, Steuer- und Abgabenpolitik, mit proportionaler Standortverteilung der Produktion auf die jeweils geeigneten Standorte mit den besten Produktionsbedingungen, soziale Anpassungen und einheitlicher Außenpolitik. Wir brauchen ein energisches Handeln der EZB zur Geldwertstabilität! Die EU braucht einen Regierungschef mit demokratischer Legitimation, eine gewählte Regierung und ein Parlament, das die Souveränität der Mitgliedsstaaten und Europas insgesamt ausübt! Der Lissabon-Vertrag wird den Anforderungen der Zeit an die weitere Integration Europas in keiner Weise gerecht! Europa muss seine Interessen geschlossen vertreten und durchsetzen!
Monsieur Rainer 04.05.2010
5. Besser hätte ich es auch nicht schreiben können !
Zitat von grauer katerWir brauchen die politische Union Europa mit einheitlicher Wirtschafts-, Finanz-, Steuer- und Abgabenpolitik, mit proportionaler Standortverteilung der Produktion auf die jeweils geeigneten Standorte mit den besten Produktionsbedingungen, soziale Anpassungen und einheitlicher Außenpolitik. Wir brauchen ein energisches Handeln der EZB zur Geldwertstabilität! Die EU braucht einen Regierungschef mit demokratischer Legitimation, eine gewählte Regierung und ein Parlament, das die Souveränität der Mitgliedsstaaten und Europas insgesamt ausübt! Der Lissabon-Vertrag wird den Anforderungen der Zeit an die weitere Integration Europas in keiner Weise gerecht! Europa muss seine Interessen geschlossen vertreten und durchsetzen!
Verehrter Forist, Sie haben all das ausgedrückt, was mir gerade aus auf der Zunge lag. Wir brauchen die Vereinigten Staaten von Europa mit nationalen Gouverneuren und einer demoktaisch legitimierten Europa-Regierung. Der Präsident der EU muss vom Volk gewählt werden, die Kommissare sind von ihm zu bestellen und vom EU - Parlament bestätigt werden. Die EU-Abgeordneten werden vom Volk im Direktmandat gewählt und zwar ohne Listenplätze der Parteien. Den Rest haben Sie schon beschrieben, denn das ist dann die Conclusio!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.