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Bankenkrise: Zypern schlüpft unter Euro-Rettungsschirm

Auch Zypern muss von den Euro-Partnern gerettet werden. Das hoch verschuldete Land hat ein Hilfsgesuch an den Euro-Rettungsschirm gestellt. Zuvor hatte die Rating-Agentur Fitch Zyperns Bonität wegen des maroden Bankensystems auf Ramschniveau herabgestuft.

Zyperns Präsident Christofias: Gesuch um Hilfen von Euro-Partnern gestellt Zur Großansicht
AFP/ PIO

Zyperns Präsident Christofias: Gesuch um Hilfen von Euro-Partnern gestellt

Nikosia/Brüssel - Nun ist es offiziell: Die Republik Zypern wird Hilfen aus den Euro-Rettungsfonds EFSF oder ESM beantragen. Ein entsprechendes Gesuch stellte das hoch verschuldete Land am Montagnachmittag. In einer Mitteilung begründete die zyprische Regierung die Notwendigkeit finanzieller Hilfen mit den Auswirkungen der Griechenland-Krise. Zuvor hatte die Rating-Agentur Fitch die Kreditwürdigkeit Zyperns auf Ramschstatus gesetzt und mit einem "negativen" Ausblick explizit die Möglichkeit einer weiteren Herabstufung betont.

Zypern leidet unter der engen wirtschaftlichen Verflechtung mit dem Krisenstaat Griechenland. Vor allem die großen zyprischen Banken sind umfassend dort engagiert und dem Risiko der griechischen Staatsverschuldung daher in besonderem Maße ausgesetzt. Fitch schätzt den Finanzbedarf für den bedrohten Bankensektor in Zypern auf etwa vier Milliarden Euro. Russland hat sich bereits zu einem neuen Kredit über bis zu fünf Milliarden Euro bereiterklärt - dies wird jedoch laut zyprischen Bankenkreisen in Brüssel nicht gern gesehen.

Der Vorsitzende der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker, hat das Hilfegesuch aus Zypern begrüßt. "Die Eurogruppe wird den Antrag nun rasch untersuchen und Zypern eine formelle Antwort geben", sagte Luxemburgs Premier. Er erwarte nun, dass die 17 Euro-Länder der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank den Auftrag erteilen, Auflagen für die Hilfen auszuarbeiten. Dabei gehe es vor allem um den Finanzsektor - dieser ist eng mit den Banken des maroden Griechenland verflochten.

Hilfsgesuch kurz vor Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft

Die erforderliche Summe ist für zyprische Verhältnisse enorm: Allein die Cyprus Popular Bank, das zweitgrößte Geldinstitut des Landes, braucht 1,8 Milliarden Euro, um ihre Rekapitalisierung bis zum 30. Juni fristgerecht abzuschließen - der Betrag entspricht etwa zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts des kleinen Staates. Zyperns Wirtschaftsleistung beträgt nur rund 17,5 Milliarden Euro.

Der Zeitpunkt für das Hilfsgesuch ist pikant. Zypern übernimmt am 1. Juli turnusgemäß den Ratsvorsitz der EU. Das Land galt jedoch bereits seit längerem als Kandidat für den Euro-Rettungsschirm. Schon im März hatte die Rating-Agentur Moody's die Kreditwürdigkeit des Landes auf Ramschstatus gesenkt und vor zwei Wochen noch einmal weiter heruntergestuft. In der vergangenen Woche hatte ein EU-Diplomat in Brüssel angekündigt, Zypern werde "wahrscheinlich in der kommenden Woche" Hilfe für seinen Bankensektor beantragen.

Völkerrechtlich umfasst die Republik Zypern, die Mitglied in der EU und der Euro-Zone ist und nun das Hilfegesuch gestellt hat, die ganze Insel - de facto kontrolliert sie aber nur den größeren Südteil. Im Nordteil der Insel existiert seit 1974 die Türkische Republik Nordzypern, die jedoch ausschließlich von der Türkei anerkannt wird.

Am Vormittag hatte Spanien einen offiziellen Antrag auf Bankenhilfe bei seinen Euro-Partnern gestellt. Auch die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone leidet unter einem maroden Finanzsektor - allerdings in weit höherem Umfang als das ungleich kleinere Zypern. Wie hoch die Antragssumme sein wird, ist ebenso noch unklar wie die Modalitäten und Konditionen der Finanzhilfen. Laut zweier Gutachten könnte sich der Geldbedarf der spanischen Geldinstitute auf bis zu 62 Milliarden Euro summieren. Die Euro-Partner hatten Spanien bereits vor zwei Wochen pauschal Hilfen in Höhe von 100 Milliarden Euro in Aussicht gestellt.

fdi/Reuters/dpa

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1.
Vergil 25.06.2012
Zitat von sysopAFP/ PIOAuch Zypern muss von den Euro-Partnern gerettet werden. Das hoch verschuldete Land hat ein Gesuch nach Hilfen aus dem Euro-Rettungsschirm gestellt. Zuvor hatte die Rating-Agentur Fitch Zyperns Bonität wegen des maroden Bankensystems auf Ramschniveau herabgestuft. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,840872,00.html
Was passiert eigentlich, wenn - in ein bis zwei Jahren, nachdem auch Frankreich unter den Rettungsschirm musste - Deutschland aufgrund der steigenden Rettungskosten so belastet ist, dass es ebenfalls unter den Rettungsschirm flüchten muss? Dann sind alle Länder unter dem Rettungsschirm, fühlen sich dort pudelwohl und alles ist supi. Grotesk, das ganze. Und unheimlich.
2.
zynik 25.06.2012
Zitat von sysopAFP/ PIOAuch Zypern muss von den Euro-Partnern gerettet werden. Das hoch verschuldete Land hat ein Gesuch nach Hilfen aus dem Euro-Rettungsschirm gestellt. Zuvor hatte die Rating-Agentur Fitch Zyperns Bonität wegen des maroden Bankensystems auf Ramschniveau herabgestuft. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,840872,00.html
...die Dominosteine fallen schneller.
3. Große Offshore Öl- und Gasfunde vor Zypern
almabu 25.06.2012
können sehr schnell dazu führen, dass die finanziellen Probleme der geteilten Insel behoben sein werden...
4. Absurd, pervers, krank ...
c59 25.06.2012
Zitat von sysopAFP/ PIOAuch Zypern muss von den Euro-Partnern gerettet werden. Das hoch verschuldete Land hat ein Gesuch nach Hilfen aus dem Euro-Rettungsschirm gestellt. Zuvor hatte die Rating-Agentur Fitch Zyperns Bonität wegen des maroden Bankensystems auf Ramschniveau herabgestuft. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,840872,00.html
Es macht einen ganz wild, wenn man daran denkt, was das Finazamt mit einem macht wenn man seine Steuerklärung verpennt oder Steuern nicht bezahlt, was mit Strom und Wasser passiert, wenn das nicht bezahlt, wenn man krank wird und die Heilmittel nicht bezahlen kann, weil die Krankenkasse "so was" nicht übernimmt usw. usw. Das ist den Bürgern doch nicht mehr zu verkaufen! Aufhören! Ausbrennen lassen! Schluß mit diesem EU-Irrsinn!!!
5. Wer rettet uns ?
eurogegner 25.06.2012
ich würde mal tippen keiner ......
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So funktioniert der Rettungsfonds ESM
Volumen
Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) kann bis zu 500 Milliarden Euro an Hilfsgeldern vergeben. Nur 80 Milliarden Euro davon werden wirklich eingezahlt, der Rest sind Garantien. Nicht angerechnet werden die bereits vergebenen Hilfen aus dem vorläufigen Rettungsfonds EFSF sowie bilaterale Kredite der Euro-Staaten an Griechenland.
Einzahlung
Die 80 Milliarden Euro Kapital werden in fünf Tranchen eingezahlt; zwei im Jahr 2012, zwei weitere 2013 und eine letzte bis Mitte 2014. Erst dann hat der Fonds sein komplettes Ausleihvolumen von 500 Milliarden Euro erreicht. Bis dahin kann es eng werden: Der ESM muss stets 15 Prozent von dem Geld besitzen, das er in Notfällen verleiht. Er müsste also 15 Milliarden Euro besitzen, um ein Rettungspaket von 100 Milliarden Euro schnüren zu können. Um für eine Übergangsphase gerüstet zu sein, soll der vorläufige Rettungsfonds EFSF noch bis Mitte 2013 einspringen können, falls der ESM noch nicht ausreichend gefüllt ist. Im EFSF befinden sich noch rund 240 Milliarden Euro, die nicht für bestehende Hilfsprogramme ausgegeben wurden.
Aufgabe
Der ESM soll Mitgliedsländern der Euro-Zone helfen, die Schwierigkeiten haben, sich am Finanzmarkt frisches Geld zu leihen - etwa wenn die Zinsen für Staatsanleihen zu hoch sind, um sie dauerhaft zahlen zu können. Es gibt keine feste Definition, ab welchem Zinsniveau Staaten Hilfe beantragen müssen oder können - als Faustregel gelten aber sieben Prozent für zehnjährige Staatsanleihen. Bei Erreichen dieses Werts hatten Länder wie Portugal oder Irland Hilfen aus dem Vorgängerfonds EFSF beantragt. Im Gegenzug für Hilfen aus den Rettungsfonds müssen die Krisenländer strenge Sparauflagen einhalten und Strukturreformen beschließen.

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