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08. Februar 2017, 09:04 Uhr

Bankenregulierung

Ifo-Chef warnt vor neuem Finanzmarktcrash

Die Kritik an Donald Trumps Deregulierungsplänen für die Finanzmärkte wird immer lauter. Jetzt warnt Ifo-Chef Fuest vor einem Wettlauf, der in einem neuen Finanzmarktcrash enden könnte.

Wenn er sich ausmalt, welches Risiko eine entfesselte Banken-Branche mit sich bringt, wird es Clemens Fuest angst und bange: "Das Dodd-Frank-Gesetz, das Trump für schädlich hält, enthält wichtige Vorkehrungen zur Wahrung der Finanzmarktstabilität und zum Schutz der Steuerzahler vor der Belastung durch die Rettung von Pleitebanken", sagte der Präsident des Münchener Ifo-Instituts zu den Plänen des neuen US-Präsidenten Donald Trump. "Wenn Länder wie die USA die Finanzmarktregulierung nur darauf ausrichten, die Wettbewerbsfähigkeit oder Ertragskraft ihrer Banken zu steigern, führt das zu einem Deregulierungswettbewerb, an dessen Ende der nächste Finanzmarktcrash stehen wird".

Zuvor hatten auch schon Forscher des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) vor den Gefahren einer Deregulierung gewarnt. Es spreche nichts dagegen, Teile des Gesetzes zu überprüfen, sagte jetzt Fuest. "Aber das Gesetz pauschal als schädlich zu bezeichnen, ist irreführend". Das US-Bundesgesetz war nach der Finanzmarktkrise 2007 zur Neuregelung des Finanzmarktrechts in den USA erlassen. Aus Trumps Sicht engt es den Spielraum der US-Banken viel zu sehr ein.

Eine Einschätzung, die auch der Vorsitzende der konservativen EVP-Fraktion im Europaparlament, Manfred Weber, für sehr gefährlich hält. "Die US-Steuerzahler könnte diese Politik teuer zu stehen kommen. Europa darf sich diesem Kurs nicht anschließen", warnte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Wir müssen den Banken und Fonds klare und harte Regeln vorgeben, damit die Leitplanken für ihr Handeln klar sind." Europa werde den Weg zu einer Bankenunion "Schritt für Schritt weitergehen".

mik/AFP

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