Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Grafik zum Abwicklungsmechanismus: Bankenkrise als Wuselbild

Von

Der Europäische Rat ist ein Kochtopf, die EZB hat Glupschaugen: Die Europäischen Grünen haben EU-Pläne für die Bankenunion als Grafik aufarbeiten lassen. Das Ergebnis weckt Zweifel an dem Ziel, Kreditinstitute künftig an nur einem Wochenende abzuwickeln.

Grafik zum Abwicklungsmechanismus: Schneller sein als Japans Märkte Zur Großansicht
Sven Giegold

Grafik zum Abwicklungsmechanismus: Schneller sein als Japans Märkte

Hamburg/Brüssel - Über die Zukunft einer Bank an einem einzigen Wochenende zu entscheiden - das klingt nach einem wahnwitzigen Unterfangen. Doch während der Finanzkrise passierte das immer wieder, auch in Deutschland.

So schnürten Vertreter von Bundesregierung und deutscher Finanzbranche am letzten Septemberwochenende 2008 ein milliardenschweres Rettungspaket für die Hypo Real Estate, die nach der Lehman-Pleite in den USA vor dem Abgrund stand. Es waren dramatische Stunden, erst in der Nacht zu Montag brachte ein Telefonat zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem damaligen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann die Einigung.

In der nächsten Krise sollen solche Entscheidungen geordneter ablaufen. Schließlich bastelt die Europäische Union seit geraumer Zeit an einer Bankenunion, zu der auch ein gemeinsamer Abwicklungsmechanismus gehört, auf Englisch: Single Resolution Mechanism (SRM). Mit diesem solle eine Abwicklung übers Wochenende möglich werden, "bevor die Märkte in Japan am Montag eröffnen", sagte kürzlich die neue EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger.

Doch wäre solch ein Tempo mit dem SRM tatsächlich durchzuhalten? Der grüne EU-Abgeordnete Sven Giegold hat daran große Zweifel. Er hat den aktuellen Vorschlag des Europäischen Rates illustrieren lassen (hier finden Sie die Grafik als PDF-Datei). Tragende Rollen haben darin neben dem SRM auch die Europäische Zentralbank und ihre künftige einheitliche Bankenaufsicht (SSM), die EU-Kommission, die nationalen Aufsichtsbehörden sowie der Europäische Rat, also die Regierungen der EU-Länder.

Das Ergebnis: Wo eigentlich ein schlanker Entscheidungsbaum stehen sollte, entstand wegen der vielen Beteiligten und möglichen Abzweigungen ein ziemliches Wuselbild. Entsprechend spöttisch ist der Titel im englischen Original der Grafik: "Übers Wochenende? Wirklich?"

Giegold stört sich besonders an der Rolle des Europäischen Rates, der in der Grafik als Kochtopf dargestellt wird. "Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus", sagt er. Sprich: Wenn Staaten über die Abwicklung von Banken aus ihrem eigenen Land mitentscheiden, dürften am Ende oft kostspielige und wenig effiziente Lösungen stehen.

Schäuble glaubt an schnelle Entscheidungen

Sorgen macht dem Grünen auch der geplante Abwicklungsfonds. Dieser wird von Europas Banken nach und nach mit insgesamt 55 Milliarden Euro gefüllt, die jedoch zunächst noch nach Ländern getrennt verwaltet werden. Sollte beispielsweise eine französische Bank ins Straucheln geraten, so würden zunächst nur die Beiträge anderer Institute in Frankreich angezapft, kritisiert Giegold. "Das führt in diesem Land dann zu einer zusätzlichen Schädigung."

Die Verhandlungen über den SRM zwischen EU-Kommission, Europaparlament und Europäischem Rat haben zwar erst begonnen. Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zeigte sich vorab jedoch wenig kompromissbereit. Auf Kritik an den komplexen Strukturen versprach er: "Das geht sehr schnell, wenn das sein muss."

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 22 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. kleiner Reim
bmehrens 31.01.2014
Das merckel Ackermann-Telefonat hat der DB 10 Mia erspart.
2. Was heißt denn
ihawk 31.01.2014
Abwickeln ist stark vereinfacht ein Prozess der Bereicherung auf Kosten der Allgemeinheit. Die Rechnung bezahlt am Schluß der Steuerzahler nachdem sich die Abwickler ganz legal noch mal kräftig bereichert haben.
3. War wohl das teuerstes Gespräch der Welt...
bmehrens 31.01.2014
Zitat von sysopSven GiegoldDer Europäische Rat ist ein Kochtopf, die EZB hat Glubschaugen: Die Europäischen Grünen haben EU-Pläne für die Bankenunion als Grafik aufarbeiten lassen. Das Ergebnis weckt Zweifel an dem Ziel, Kreditinstitute künftig an nur einem Wochenende abzuwickeln. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/bankenunion-grafik-zeigt-die-komplizierten-entscheidungswege-a-950280.html
auf DEUTSCHEN Steuerzahlers Kosten, was IM merkel mit dem Schweizer A. geführt hat.
4. Die Macht der Geier ist ungebrochen
almani07 31.01.2014
Das System wird sich nicht ändern. Bedenkt man, dass ca. 300 Billionen Dollar "Buchgeld" auf dem Kapitalmarkt vorhanden sind, dass keiner Volkswirtschaft mehr zu Gute kommt, ist glaube ich alles gesagt!
5. Doch
Mannfreed 31.01.2014
Zitat von almani07Das System wird sich nicht ändern. Bedenkt man, dass ca. 300 Billionen Dollar "Buchgeld" auf dem Kapitalmarkt vorhanden sind, dass keiner Volkswirtschaft mehr zu Gute kommt, ist glaube ich alles gesagt!
Doch, dass System wird sich ändern. Die Frage ist nicht ob, sondern wann.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: