Barmer GEK-Chefin: "Unser Gesundheitssystem ist ein Reparaturbetrieb"

Sie ist die mächtigste Frau im Gesundheitswesen: Birgit Fischer leitet ab sofort die größte deutsche Krankenkasse Barmer GEK. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview spricht sie über Frauen in Führungspositionen, die Nachteile der Gesundheitsprämie - und die größten Probleme in der Patientenversorgung.

OP-Saal in Heidelberg: Prävention spielt bislang nur eine untergeordnete Rolle Zur Großansicht
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OP-Saal in Heidelberg: Prävention spielt bislang nur eine untergeordnete Rolle

SPIEGEL ONLINE: Frau Fischer, Sie sind als neue Chefin der frisch fusionierten Barmer GEK nicht nur Vorsitzende der mitgliederstärksten Krankenkasse, sondern leiten mit 22 Milliarden Euro Umsatz auch eines der größten Unternehmen der Republik. Sind Sie insgeheim das erste weibliche Dax-Oberhaupt?

Fischer: Meine Aufgabe ähnelt der eines Konzernchefs - zumal die Barmer GEK über ein deutlich höheres Haushaltsvolumen verfügt, als manch ein Dax-Unternehmen Umsatz erzielt. Außerdem bedeuten über 8,5 Millionen Versicherte und rund 19.500 Mitarbeiter eine entsprechend große unternehmerische Verantwortung. Gut, dass endlich auch mal eine Frau sie übernimmt.

SPIEGEL ONLINE: Was machen Frauen denn besser als Männer?

Fischer: Es geht bei der Besetzung von Führungspositionen nicht um die Frage "Frauen oder Männer", sondern um "Frauen und Männer". Denn beide ergänzen sich perfekt. Leider ist das deutsche Gesundheitswesen noch immer männerdominiert. Frauen muss aber auch hier der Zugang zu Führungspositionen genauso offenstehen.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind nun die mächtigste Frau im Gesundheitswesen. Welches Ziel ist Ihnen denn am wichtigsten?

Fischer: Ich will die Barmer GEK zur besten Krankenkasse des Landes machen.

SPIEGEL ONLINE: Leicht wird das nicht. Die Barmer galt bisher nicht gerade als Trendsetter. Wie wollen Sie das schaffen?

Fischer: Wir haben die einmalige Chance, aus Barmer und Gmünder Ersatzkasse (GEK) ein neues Unternehmen aufzubauen. Aus zwei Welten nutzen wir die besten Erfahrungen, Leistungen und effizientesten Strukturen. Das führt für beide historisch gewachsenen Partner zu einem Modernisierungsschub.

SPIEGEL ONLINE: Auch zu niedrigeren Verwaltungskosten? Mit einem Anteil von gut fünf Prozent an allen Ausgaben liegen Sie nur im Durchschnitt aller Kassen.

Fischer: Ach Gott, diese elende Diskussion über die vermeintlich hohen Verwaltungskosten. Man muss uns nur mal mit der privaten Konkurrenz vergleichen - die geben dafür dreimal so viel aus. Aber wir werden uns natürlich so schlank wie möglich aufstellen.

SPIEGEL ONLINE: Trotzdem wird die Barmer GEK wohl bald - wie die meisten Kassen - Zusatzbeiträge von den Versicherten erheben müssen. Der gesetzlichen Krankenversicherung fehlen 2010 vier Milliarden Euro.

Fischer: Wir sind froh, dass wir ohne Zusatzbeitrag ins neue Jahr gestartet sind, und hoffen, dass wir lange mit unseren Rücklagen auskommen.

SPIEGEL ONLINE: Also kommt der Zusatzbeitrag in der zweiten Jahreshälfte?

Fischer: Wir sind finanziell gut aufgestellt - ausschließen kann ich aber nichts.

SPIEGEL ONLINE: Sie waren früher Gesundheitsministerin in NRW. Wenn Politiker etwas nicht ausschließen, heißt das "Ja".

Fischer: Das System ist so angelegt, dass es zu Zusatzbeiträgen kommen wird. Wann, hängt unter anderem von der Entwicklung der Arbeitslosigkeit ab. Außerdem hat Gesundheitsminister Philipp Rösler den Ärzten höhere Honorare versprochen. Wenn wir Pech haben, müssen wir überall so üppige Hausarztverträge wie in Baden-Württemberg abschließen. Allein das würde die Barmer GEK mit einer halben Milliarde Euro belasten.

SPIEGEL ONLINE: Mit welchem Zusatzbeitrag werden Sie starten?

Fischer: Alles unter acht Euro pro Monat macht keinen Sinn. Bis zu diesem Betrag müssen die Krankenkassen keine Einkommensprüfung bei den Versicherten vornehmen. Von den acht Euro bleiben uns eh nur fünf.

SPIEGEL ONLINE: Wie bitte?

Fischer: Der Zusatzbeitrag führt zu einem absoluten Verwaltungswahnsinn. Uns würde allein der Bürokratieaufwand inklusive Mahnverfahren zwei bis drei Euro pro Monat kosten.

SPIEGEL ONLINE: Der Zusatzbeitrag ist das Vorspiel für die von der schwarz-gelben Koalition geplante Gesundheitsprämie. Halten Sie die für eine gute Idee?

Fischer: Definitiv nicht. Wir haben für die gesetzliche Krankenversicherung ausgerechnet, dass ein monatlicher Pauschalbeitrag in Höhe von rund 145 Euro nötig wäre. Das würde aber bedeuten, dass fast zwei Drittel der Barmer GEK-Versicherten auf einen Steuerzuschuss angewiesen wären. Millionen Menschen würden so zu Bittstellern - und den Staat würde das Ganze auch noch 20 Milliarden Euro mehr kosten.

SPIEGEL ONLINE: Trotzdem empfehlen die meisten Experten das geplante Einfrieren des Arbeitgeberbeitrags. Können Sie sich damit anfreunden?

Fischer: Nein, denn die Debatte ist ein Ablenkungsmanöver. Im Vergleich zu den jährlichen Lohnerhöhungen fällt das Plus beim Krankenkassenbeitrag doch bei den Arbeitgeberkosten kaum ins Gewicht.

SPIEGEL ONLINE: Das sehen die Unternehmen anders.

Fischer: Mag sein, aber meine größte Sorge ist, dass sich die Arbeitgeber aus der Verantwortung für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter verabschieden. Dabei wäre das Gegenteil notwendig. Gerade die steigenden Anforderungen an die Flexibilität und Mobilität der Arbeitnehmer führen zu immer mehr krankheitsbedingten Ausfällen und entsprechenden Kosten. Da ist es doch mit vereinzelten Fitnesstagen in der Firma längst nicht mehr getan.

SPIEGEL ONLINE: Was erwarten Sie angesichts Ihrer Vorbehalte überhaupt von der Reformkommission der Regierung, die bis zum Sommer einen Vorschlag zur Finanzierung des Gesundheitswesens erarbeiten soll?

Fischer: Ich glaube nicht, dass es angesichts der Widerstände auch in der Koalition zu einer Kopfprämie kommen wird - die eh nur eine Verschlimmbesserung wäre. Ich hoffe, dass sich die Experten um die echten Probleme unseres Gesundheitswesens kümmern. Und die liegen eindeutig nicht allein auf der Einnahmen-, sondern auch auf der Ausgabenseite. Hier sind die Einspar- und Verbesserungspotentiale doch offensichtlich.

SPIEGEL ONLINE: Wo genau?

Fischer: Was das medizinische Know-how angeht, gehört unser System zu den besten der Welt. Was uns aber nicht gelingt, ist die engere Verzahnung des vorhandenen Wissens. Es muss zu einer viel besseren Koordination zwischen Hausarzt, Facharzt und Krankenhaus kommen.

SPIEGEL ONLINE: Das wird seit Ewigkeiten gefordert, aber geändert hat sich bislang nur wenig.

Fischer: Ganz so pessimistisch bin ich nicht, aber Fakt ist, dass alle Lobbygruppen ihre Schutzzäune immer höher bauen und mit aller Macht verteidigen: Die Vertreter von Ärzten, Pharmaherstellern und Apotheken handeln mit der Politik Lösungen aus, mit der zwar alle Interessenvertreter leben können. Wer bei den Gesprächen aber fast nie im Mittelpunkt steht, ist der Patient.

SPIEGEL ONLINE: Wie ließe sich das ändern?

Fischer: Indem wir keine absurden Debatten mehr führen, in denen permanent Angst vor einem Versorgungsnotstand geschürt wird. Beispiel Ärzte: Wir müssen endlich den wahren Bedarf ermitteln, dann Konzepte zur Versorgung und Qualitätsstandards entwickeln, an denen sich gute Arbeit und eine entsprechende Vergütung orientieren. Es muss für die Patienten transparent sein, wer welche Leistungen zu welchem Preis und zu welcher Qualität erbringt.

SPIEGEL ONLINE: Angenommen, Sie wären einen Tag Gesundheitsministerin in Berlin und müssten auf niemanden Rücksicht nehmen. Was würden Sie zur Erreichung dieses Ziels machen?

Fischer: Ich würde den Krankenkassen mehr Gestaltungsspielräume und Vertragsfreiheiten einräumen. Was wir brauchen, sind Trendsetter, die im Interesse der Versicherten die Wirtschaftlichkeitsreserven heben und die notwendigen Verbesserungen in der Versorgung durchsetzen - etwa in Verhandlungen mit Ärzten.

SPIEGEL ONLINE: Ist es nicht zu leicht, immer nur auf die Lobbygruppen zu schimpfen? Gleichzeitig sind die Deutschen Weltmeister bei Arztbesuchen.

Fischer: Natürlich hat jeder eine Eigenverantwortung, deshalb ist mir das Thema Prävention so wichtig. Derzeit ist unser Gesundheitswesen vor allem ein Reparaturbetrieb. Würde jeder stärker auf seine Gesundheit achten, könnten etliche Krankheiten vermieden werden.

SPIEGEL ONLINE: Ein schöner Appell - und nicht der erste seine Art. Wann wird es cooler sein, in einen Apfel zu beißen, anstatt Fastfood zu essen?

Fischer: Ich bin optimistisch, dass Prävention zum Mainstream wird. Vor 20 Jahren wurden die Leute, die Müll getrennt haben, auch belächelt. Heute macht es jeder.

SPIEGEL ONLINE: Was tun Sie denn persönlich für Ihre Gesundheit?

Fischer: Mir geht es nicht besser als den meisten, ich hangele mich von einem guten Vorsatz zum nächsten. Aber wann immer es klappt, gehe ich joggen. Das funktioniert zum Glück immer und überall.

Das Interview führte Sven Böll

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1. Gesundheit oder Wettbewerb
Klo 05.01.2010
Zitat von sysopSie ist die mächtigste Frau im Gesundheitswesen: Birgit Fischer leitet ab sofort die größte deutsche Krankenkasse Barmer GEK. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview spricht sie über Frauen in Führungspositionen, die Nachteile der Gesundheitsprämie - und die größten Probleme in der Patientenversorgung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,669913,00.html
Worüber die Dame nicht spricht ist, dass es in einem System, das die Gesunderhaltung der Bürger als Solidarleistung zum Ziel hat, weil nur gesunde Bürger einem Staat nützen und viele Steuern zahlen und zum BIP beitragen, eine Art Wettbewerb zwischen Kassen schlichtweg kontraproduktiv ist. Die Kassen gehören aufgelöst bis auf eine einzige, nämlich die Bürger-Gesundheitskasse. Und die schüttet auf Basis der eingenommenen Beiträge das Geld an die Kranken aus. Wenn man 230 Kassen ersatzlos beseitigt und eine Grundversorgungskasse für alle einführt, dann gibt es kein Finanzierungsproblem mehr. Aber dann kann der Bürger auch nicht mehr so schön abkassiert werden. Genau deshalb wird es nicht gemacht.
2. Barmer GEK-Chefin
Hilfskraft 05.01.2010
Frau Fischer hat das kapiert? So ganz ohne Hülfe? Wat denn nu? Wegschmeißen und ein neues kaufen? Ich glaub´das alles nicht mehr. Irgendwann gibt es einen großen Knall und alle lachen sich kaputt. H.
3. Bessere Gesundheit DURCH mehr Wettbewerb
shareman 05.01.2010
Zitat von KloWorüber die Dame nicht spricht ist, dass es in einem System, das die Gesunderhaltung der Bürger als Solidarleistung zum Ziel hat, weil nur gesunde Bürger einem Staat nützen und viele Steuern zahlen und zum BIP beitragen, eine Art Wettbewerb zwischen Kassen schlichtweg kontraproduktiv ist. Die Kassen gehören aufgelöst bis auf eine einzige, nämlich die Bürger-Gesundheitskasse. Und die schüttet auf Basis der eingenommenen Beiträge das Geld an die Kranken aus. Wenn man 230 Kassen ersatzlos beseitigt und eine Grundversorgungskasse für alle einführt, dann gibt es kein Finanzierungsproblem mehr. Aber dann kann der Bürger auch nicht mehr so schön abkassiert werden. Genau deshalb wird es nicht gemacht.
Ihre Reklame für eine Bürgereinheitszwangskasse verkennt die fundamentale Tatsache, dass NUR Wettbewerb Verkrustungen und Verfettungen verhindert. Jedes Monopol ist schädlich!
4. Alles nett - nur am Thema vorbei.
fiutare 05.01.2010
Alles nett - nur am Thema vorbei. Klar wünscht sich eine Kassenchefin "mehr Gestaltungsspielräume und Vertragsfreiheiten für Krankenkassen". Zu wessen Lasten? Noch mehr Eigenbeteiligungen? Noch mehr Honorarkürzungen? Noch mehr Druck auf die Leistungserbringer? Da schimpfe ich doch gerne mal auf die wahren Lobbyisten: Die Pharmaindustrie. Diese in die Schranken zu weisen wird auch in 50 Jahren nicht gelingen. Abgesehen davon: Die grösste politische Verblendung war die Privatisierung des Gesundheitswesens. Gebracht hat es herzlich wenig. Ausser Rendite für amerikanische Shareholder (der grösste Teil der Aktien des Rhön-Konzerns befindet sich in amerikanischem Besitz). Und das alles finanziert durch meinen Pflichversicherungsbeitrag. Richtig toll. Leidtragende sind unterbezahlte Krankenschwestern und anderes Personal, die in Mindestbesetzung von Patient zu Patient hecheln. Unsere derzeitige Regierung wird alles dazu beitragen, diesen Zustand weiter zu forcieren.
5. Nomen est Omen
fiutare 05.01.2010
Zitat von sharemanIhre Reklame für eine Bürgereinheitszwangskasse verkennt die fundamentale Tatsache, dass NUR Wettbewerb Verkrustungen und Verfettungen verhindert. Jedes Monopol ist schädlich!
Was Privatisierung (= sog. Wettbewerb) zu leisten imstande ist, kann man am derzeitigen Gesundheitswesen, an den Energiekonzernen, der Bahn etc. usw. wunderbar ablesen. Willkommen in der Realität, shareman. Nomen est Omen.
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Zur Person
Werner Bartsch
Birgit Fischer ist seit Anfang 2010 Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK, die aus der Fusion der Barmer und Gmünder Ersatzkasse (GEK) hervorgegangen ist. Bevor die 56-Jährige an die Spitze der mit gut 8,5 Millionen Versicherten größten deutschen Krankenkasse rückte, war sie Berufspolitikerin: Seit 1990 saß das SPD-Mitglied im nordrhein-westfälischen Landtag, arbeitete dann mehrere Jahre als parlamentarische Geschäftsführerin und wurde schließlich 1998 Gesundheits- und Sozialministerin in NRW. Zuletzt war Fischer im bevölkerungsreichsten Bundesland auch für Gesundheit verantwortlich. Nachdem die SPD die Macht in Düsseldorf 2005 verloren hatte, wechselte die verheiratete Mutter eines Kindes Anfang 2007 als stellvertretende Vorsitzende zur Barmer Ersatzkasse. mehr auf der Themenseite...

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Krankenkassen
Das bisherige System des Gesundheitsfonds mit dem Einheitsbeitrag von derzeit 14,9 Prozent bleibt zwar zunächst erhalten. Somit ist auch der allein von den Versicherten zu leistende Zusatzbeitrag weiter auf ein Prozent des beitragspflichtigen Einkommens begrenzt. Doch voraussichtlich ab 2011 wird es grundsätzliche Änderungen geben: Der Arbeitgeberanteil wird eingefroren, damit müssten Ausgabensteigerungen wohl allein von den Arbeitnehmern getragen werden. Für die Versicherten wird es dann einen einkommensunabhängigen Beitrag geben, was dem umstrittenen Modell einer "Kopfpauschale" nahekäme. Für Geringverdiener soll es einen sozialen Ausgleich geben, der durch Steuern finanziert würde.
Praxisgebühr
Die Praxisgebühr von zehn Euro, die die Versicherten seit 2004 pro Quartal für Arztbesuche zahlen müssen, soll durch eine neue Regelung ersetzt werden. Zeitungsberichten zufolge könnte es künftig zu einer geringeren Gebühr kommen, die dann aber bei jedem Arztbesuch fällig würde. Ziel der Praxisgebühr war es, das Kostenbewusstsein der Versicherten zu steigern und den Kassen vom Beitragssatz unabhängige Einnahmen zu sichern. Diese Steuerungswirkung, so kritisierten Gesundheitsexperten wiederholt, habe die Praxisgebühr aber verfehlt.
Private Krankenversicherung
Der Wechsel zu einer privaten Krankenkasse soll künftig wieder nach einmaligem Überschreiten der Versicherungspflichtgrenze möglich sein. Derzeit ist dies nur möglich, wenn das Einkommen mindestens drei Jahre lang diese Obergrenze überschreitet.
Elektronische Gesundheitskarte
Die umstrittene Gesundheitskarte, die die bisherige Krankenkassenkarte ablösen sollte, wird vorläufig gestoppt. Erst nach einer "Bestandsaufnahme" der bisherigen Erfahrungen in den Testregionen soll entschieden werden, ob die Karte sinnvoll ist, heißt es im Entwurf des Koalitionsvertrags.
Ärztehonorare
Die umstrittene Honorarreform für niedergelassene Ärzte, die zum Jahresbeginn in Kraft trat und für heftige Proteste sorgte, soll korrigiert werden.
Ärztemangel
Angesichts des drohenden Ärztemangels sollen die Anreize für niedergelassene Mediziner in unterversorgten Regionen verstärkt werden und Medizinstudenten gefördert werden. ssu/AFP

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