Kampf gegen Finanzkrise Briten stimmen schärferen Bankenregeln zu

Im zweiten Anlauf hat es geklappt: Die rund 8300 europäischen Banken müssen sich strengeren Regeln unterwerfen und mehr Eigenkapital vorhalten. Bisher war eine Einigung an Großbritannien gescheitert - nun hat die Regierung in London ihren Widerstand aufgegeben.

Skyline von Frankfurt: Härtere Regeln für die Banken
DPA

Skyline von Frankfurt: Härtere Regeln für die Banken


Brüssel - Die Verhandlungen dauerten Monate, noch vor zwei Wochen war eine Einigung am Widerstand von Großbritannien gescheitert. Nun aber einigten sich die EU-Finanzminister auf die Umsetzung schärferer Eigenkapitalregeln für die 8300 europäischen Banken, um diese besser gegen Krisen zu wappnen. Mit der Gesetzgebung setzt die EU das sogenannte Basel-III-Abkommen um, nach dem Banken bis 2019 ihr hartes Kernkapital von zwei auf sieben Prozent anheben müssen.

Mit Großbritannien und Bulgarien gaben am Dienstag die letzten beiden EU-Länder ihren Widerstand auf. Im Gegenzug erhalten sie die Möglichkeit, zusätzliche nationale Kapitalpuffer zu schaffen. Nach dem von der dänischen EU-Ratspräsidentschaft ausgehandelten Kompromiss können die nationalen Aufseher die Quote des harten Kernkapitals, das zum Schutz vor Verlusten vorzuhalten ist, auf bis zu zwölf Prozent unbefristet erhöhen.

"Wir können der Grundsatzeinigung zustimmen", sagte der britische Schatzkanzler George Osborne. Seine Regierung will den Finanzinstituten zusätzliche Puffer verordnen, um sie noch stabiler zu machen.

Damit können nun die Verhandlungen mit dem EU-Parlament starten. Der Zeitdruck ist groß, da sich die EU an den von den 20 führenden Industrie- und Schwellenländern beschlossenen Zeitplan halten und die neuen Regeln ab 2013 in Kraft setzen will.

Deutschland, Frankreich und viele andere Länder hatten sich zunächst gegen die nationalen Aufschläge gewehrt, weil die betroffenen Banktöchter im EU-Ausland die Kreditvergabe drosseln könnten. Auch würden deutsche Banken gegenüber Kunden und Investoren schlechter dastehen, wenn die britische Konkurrenz besser abgesichert wäre. Um negative Auswirkungen im europäischen Bankenmarkt zu verhindern, wollen die Mitgliedstaaten Kontrollen auf europäischer Ebene einführen.

dab/dpa/Reuters/dapd

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 13 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
wibo2 15.05.2012
1. Deutschland ist das Problem, auch bei der Bankenregulierung
Weil die deutsche Bankenlobby die Regierung so fest imGriff hat, ist Deutschland die treibende Kraft des Neoliberalismus in Europa. Die Briten wollten, dass dieBanken 20% Eigenkapital halten. Nun sollen es nur noch max. 12% sein. Zur Zeit haben die deutschen Banken etwa 2% Eigenkapital. Man stelle sich einen einfachen Bürger vor, der mit 2% Eigenkapital eine Immobilie finanzieren will. Das ginge einfach nicht!Aber Banken dürfen das; sie nehmen mit nur 2% Eigenkapital Kredit bei den Geldanlegern und bei der Zentralbank auf. ...LOL
katerramus 15.05.2012
2. gut, dass Groß Brittanien sich durchgesetzt hat
Auch wenn Ackermann der deutschen Regierung die Hölle heiss macht ;);) symptomatisch ist der Satz : "Auch würden deutsche Banken gegenüber Kunden und Investoren schlechter dastehen, wenn die britische Konkurrenz besser abgesichert wäre. " da hilft nur eins : deutsche Banken müssen sich besser absichern ;);) das ist gut für alle Steuerzahler, da ein paar Prozentpunkte bei einem Crash nicht von ihm bezahlt werden muss. Jetzt sollten noch die Banken aufgespalten werden in Investmentbanken und normalen Geschäftsbanken, eine Transaktionssteuer eingeführt werden und dann können die Zockerbanken ruhig in die Insolvenz gehen..........
MiniDragon 15.05.2012
3. Bitte um Mithilfe
Ob das ausreichen wird ? Müßte nicht der freie Handel mit einigen Finanzprodukten, wie bestimmten CDS ganz “verboten“ bzw. unmöglich gemacht werden ? Gibt es hier jemanden, der mir weiterhelfen kann, das etwas genauer zu fassen? Ich fürchte, das musste ein ehemaliger geläuterter Banker sein, der selber auf diesem Feld Erfahrungen gesammelt hat, denn wer sonst hat sonst noch den Überblick über derartige Bankgeschäfte.
katerramus 15.05.2012
4. ein ehemaliger Banker wird nicht viel helfen...
Zitat von MiniDragonOb das ausreichen wird ? Müßte nicht der freie Handel mit einigen Finanzprodukten, wie bestimmten CDS ganz “verboten“ bzw. unmöglich gemacht werden ? Gibt es hier jemanden, der mir weiterhelfen kann, das etwas genauer zu fassen? Ich fürchte, das musste ein ehemaliger geläuterter Banker sein, der selber auf diesem Feld Erfahrungen gesammelt hat, denn wer sonst hat sonst noch den Überblick über derartige Bankgeschäfte.
Es werden ja ständig neue Zockerinvestments generiert, um den Investoren Anlegemöglichkeiten zu geben. Es gibt viel mehr Liquidität, als normale Leute sich vorstellen können. Es wäre wirklich hilfreich, wenn ein Investmentbanker eine kurze Übersicht über Merkmale erstellen könnte..... (damit es für einen Laien verständlich wird )
MiniDragon 15.05.2012
5. Money money makes the world go round
Zitat von katerramusEs werden ja ständig neue Zockerinvestments generiert, um den Investoren Anlegemöglichkeiten zu geben. Es gibt viel mehr Liquidität, als normale Leute sich vorstellen können. Es wäre wirklich hilfreich, wenn ein Investmentbanker eine kurze Übersicht über Merkmale erstellen könnte..... (damit es für einen Laien verständlich wird )
Eigentlich sollte es doch auch in der Spiegelredaktion Journalisten gegen, die hier weiterhelfen können. Oder werden die alle so schlecht bezahlt, dass die wenigen, welche sich etwas mit der Materie auskennen, doch lieber gleich bei einer Investment-Bank angeheuert haben ? "Money" - Liza Minnelli, Joel Grey - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=rkRIbUT6u7Q) (anklicken, solange es noch funktioniert! :-) )
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.