BASF-Gen-Kartoffel Landesregierung stoppt Amflora

Eine Woche nach dem Erntestart der Gen-Kartoffel Amflora kommt das vorläufige Aus: Das Landwirtschaftsministerium in Mecklenburg-Vorpommern ließ die ganze Ernte sicherstellen. BASF soll nun beweisen, dass das Unternehmen nur die zugelassenen Kartoffeln gepflanzt hat.

Gen-Kartoffel Amflora: 300 Tonnen müssen jetzt auf Verunreinigung untersucht werden
dapd

Gen-Kartoffel Amflora: 300 Tonnen müssen jetzt auf Verunreinigung untersucht werden


Schwerin - Erst Ende August stand Bundeswirtschaftsminister Brüderle mit Forke und Gummistiefeln auf einem Kartoffelacker in Zepkow: Zum Erntebeginn der Gen-Kartoffel Amflora wollten Politik und der Konzern BASF Geschlossenheit demonstrieren. Doch damit könnte es jetzt vorbei sein: Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) ließ am Dienstag sämtliche Bestände der Saatgutkartoffel Amflora sicherstellen.

Auch eingelagerte Kartoffeln dürften nicht in Verkehr gebracht werden, teilte das Ministerium in Schwerin mit. Mit dem Verbot reagiere man auf Vorfälle in Schweden, wo es zu einer Vermischung von Amflora mit anderen, nicht zugelassenen gentechnisch veränderten Kartoffeln gekommen sei, sagte Backhaus. Die nach dem Gentechnikgesetz verordnete Sperre gelte solange, bis BASF zweifelsfrei belegen könne, dass die in Zepkow gewachsenen Kartoffeln keine Verunreinigungen aufweisen.

Nach Angaben von BASF waren bereits Ende August bei Qualitätskontrollen in einem Amflora-Bestand im Norden von Schweden nicht zugelassene Gen-Kartoffelpflanzen der Sorte Amadea entdeckt worden. Demnach soll die Vermischung etwa 0,01 Prozent betragen haben. Die Ursache der Vermischung ist bislang nicht bekannt.

Backhaus sagte, sein Vertrauen in die Qualitätssicherung der BASF sei stark erschüttert. Er werde sich nicht mit der bloßen Aussage des Konzerns zufriedengeben, wonach das nach Deutschland und Tschechien gelieferte Pflanzgut nicht von Verunreinigungen betroffen sei. Daher habe er das Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei angewiesen, Proben aus Zepkow zu sichern und zu untersuchen. Dokumente und Verfahrensabläufe bei der Ernte, Lagerung und Aussaat würden jetzt umfassend geprüft. Für den Fall einer Verunreinigung müsse das gesamte Erntegut vernichtet werden.

Am Mittwoch treffen sich in Brüssel Vertreter des Bundeslandwirtschaftsministeriums, des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, der Überwachungsbehörden der Anbauländer und der BASF mit der Europäischen Kommission, um die Sachlage zu besprechen und Maßnahmen zu treffen.

kim/ddp/Reuters

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insgesamt 37 Beiträge
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Seite 1
thelensis 07.09.2010
1. Keine versehentliche Vermischung
Die "Verunreinigung" in Schweden war sicher kein Zufall, sondern der Versuch, einfach mehr als erlaubt zu versuchen. Fakt ist: Genmanipulierte Pflanzen vernichten langfristig normale Pflanzen (ist ja auch das Ziel der Hersteller) und gefährden die Tierwelt. In den USA wurde die Verseuchung ganzer Landstriche durch Genmais bereits nachgewiesen. Also: Weltweites Verbot dieser überflüssigen Abarten - denn eins ist sicher: Genfood hat nichts mit Hungerhilfe zu tun, sondern dient nur dem Profit dieser wenigen Hersteller und hat letztlich die Herrschaft über die Lebensmittel zur Folge. Wer anderes glaubt, glaubt sicherlich auch, dass die Erde eine Scheibe ist.
Wer ich wirklich bin, 07.09.2010
2. !
Vor allem sollte BASF beweisen, dass durch die manipulierte Genkartoffel die einheimischen Originalkartoffeln nicht schlechter werden. Laut meinen Berechnungen stehen wir sonst in spätestens 200 Jahren mit lauter minderwertigen Kartoffeln da, da sich minderwertige Genkartoffeln schneller vermehren als höherwertige Originalkartoffeln.
h0l0fernes 07.09.2010
3. Das Ziel der Hersteller von Genfraß
ist kein kleineres als nach und nach die ganze Bevölkerung der gesamten Erde von sich und ihrem Fraß abhängig zu machen. Kein Bauer soll noch eigenes Saatgut verwenden können oder dürfen. Wieviele Menschen dadurch verhungern würden, ist diesen Asozialen völlig egal. Geld ist das Einzige, was für diese Geisteskranken zählt.
Newspeak, 07.09.2010
4. ...
Zitat von thelensisDie "Verunreinigung" in Schweden war sicher kein Zufall, sondern der Versuch, einfach mehr als erlaubt zu versuchen. Fakt ist: Genmanipulierte Pflanzen vernichten langfristig normale Pflanzen (ist ja auch das Ziel der Hersteller) und gefährden die Tierwelt. In den USA wurde die Verseuchung ganzer Landstriche durch Genmais bereits nachgewiesen. Also: Weltweites Verbot dieser überflüssigen Abarten - denn eins ist sicher: Genfood hat nichts mit Hungerhilfe zu tun, sondern dient nur dem Profit dieser wenigen Hersteller und hat letztlich die Herrschaft über die Lebensmittel zur Folge. Wer anderes glaubt, glaubt sicherlich auch, dass die Erde eine Scheibe ist.
Wieso sollten genmanipulierte Pflanzen langfristig "normale" Pflanzen vernichten. Das ist wissenschaftlicher Unsinn. Zum einen sind "normale" Pflanzen ebenfalls genmanipuliert (nämlich durch jahrhundertlange Züchtung), zum anderen gilt immer noch Darwin. Ihr Szenario träte nur dann ein, wenn die genmanipulierte Pflanze einen evolutionären Vorteil besitzt, der so groß ist, daß keine andere Pflanze derselben Art dabei mithalten kann. Selbst wenn es so wäre, was ist dann daran negativ? Üblicherweise ist es eher andersrum. Die genmanipulierte Pflanze hat zwar einen ökonomischen Vorteil (weniger Pflanzenschutz, einfachere Handhabung), aber oft genug einen biologischen Nachteil. Das erkennt man schon daran, daß längst nicht alle genmanipulierten Organismen auf Dauer in ihrem Genom stabil bleiben. Bakterien z.B. schmeißen oft genug das mühsam eingefügte Gen in den nächsten Generationen gleich wieder raus, weil nämlich ein evolutionärer Nachtteil damit verbunden ist. Alles in allem sollte man sich vor der Diskussion und solchen unsinnigen Beiträgen mal objektiv über Genetik informieren. Mit denselben Argumenten könnte man sonst auch die chemische Düngung als unnatürlichen Eingriff ansehen...die nachweislich Millionen Menschen vor dem Hungertod bewahrt hat.
OhMyGoodness 07.09.2010
5. Volksvertreter ?
Kennen Sie jemanden der in Deutschland gentechnisch veränderte Lebensmittel haben will? Ich kenne niemanden, keinen einzigen, Nullinger... Das braucht niemand - außer Bayer, Monsanto, etc. und deren Anteilseigner. Das ist unseren Volksvertretern aber vollkommen egal. Weil wir nämlich zu dumm sind, zu beurteilen, was gut für uns ist. Und zu dämlich, als dass wir solches Verhalten an der Wahlurne quittieren würden. Oder vielleicht doch nicht? Den großen "Volksparteien" kommt ja langsam aber sicher das Volk abhanden. Vielleicht besinnt man sich ja irgendwann doch wieder auf Sinn des Wortes "Volksvertreter" ... Und hoffentlich klappt das, bevor wir bei italenischen Mehrheitsverhältnissen landen und uns aus Verzweiflung jemanden wählen, dessen einziges positives Merkmal ist, dass er ein Mehrheit zusammenbekommt.
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