Verbindung zwischen Atlantik und Pazifik Bau des Nicaragua-Kanals soll im Dezember starten

100 Jahre nach seiner Eröffnung scheint der Panama-Kanal tatsächlich Konkurrenz zu bekommen. Im Dezember soll in Nicaragua der Bau einer zweiten künstlichen Wasserstraße zwischen Atlantik und Pazifik beginnen. Doch das Projekt ist hoch umstritten - und Widerstand programmiert.

Möglicher Kanalbau-Fluss Río San Juan: Baubeginn im Dezember
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Möglicher Kanalbau-Fluss Río San Juan: Baubeginn im Dezember


Managua - Der Bau des umstrittenen Kanals zwischen Atlantik und Pazifik in Nicaragua soll im Dezember 2014 beginnen. Das geht aus einem von Präsident Daniel Ortega und dem chinesischen Unternehmer Wang Jing unterzeichneten Dokument hervor, das am Samstag auf dem regierungsnahen nicaraguanischen Nachrichtenportal "El 19 Digital" veröffentlicht wurde.

Die Regierung in Managua rechnet mit einer Bauzeit von fünf Jahren. Mit der Wasserstraße will Nicaragua dem Panama-Kanal Konkurrenz machen. Das rund 40 Milliarden US-Dollar (rund 30 Milliarden Euro) teure Projekt ist umstritten, da die chinesische Firma HKND den Nicaragua-Kanal bis zu 100 Jahre betreiben soll. Nicaragua hat mit HKND einen Konzessionsvertrag abgeschlossen, der eine Laufzeit von 50 Jahren hat und danach um nochmals 50 Jahre verlängert werden kann. Damit werde die Souveränität des Landes beschnitten, sagen Kritiker.

Wang Jing vertritt die Hongkonger HKND Group als Vorstandsvorsitzender. Die Finanzierung für das Mega-Projekt hat er nach eigenen Angaben bereits sichergestellt. "Unsere Investoren sind Großbanken und andere große institutionelle Anleger", sagte der Vorstandsvorsitzende Wang Jing im Juli 2013 im Interview mit der britischen Zeitung "The Telegraph".

Kritiker bezweifeln, dass die in Infrastrukturprojekten unerfahrene HKND Group den Bau stemmen kann. Indigene Gruppen haben wegen der Verletzung ihrer Landrechte bereits Verfassungsbeschwerde gegen die Pläne eingelegt.

Geplanter Verlauf schon fertig

Wang zeigt sich von der Kritik unbeeindruckt. "Ich bin hundertprozentig sicher, dass der Bau im Dezember 2014 beginnen kann und wir 2019 fertig sein werden", sagte er gegenüber dem "Telegraph".

Der Kanal solle von der Hafenstadt Brito am Pazifik durch den Nicaragua-See nach Bluefields an der Karibikküste führen, sagte Wang. Der Verlauf dürfte Umweltschützer auf den Plan rufen, die argumentieren, der Nicaragua-See sei bereits jetzt durch Abwässer stark verschmutzt und werde nach dem Bau des Kanals durch Supertanker noch weiter belastet.

Der Nicaragua-See ist der größte See Mittelamerikas und gilt als wichtiger Süßwasserspeicher in der Region. "Der Schutz dieses Sees steht im Fokus unserer Machbarkeitsstudie", sagte Wang. "Ich übernehme die Verantwortung für alle Umweltschäden. Ich habe meinen Mitarbeitern gesagt: Wenn wir in dem Bereich einen Fehler machen, werden wir mit Schimpf und Schande in die Geschichtsbücher Nicaraguas eingehen."

Der Panama-Kanal, über den derzeit fünf Prozent des Welthandels laufen, wird zurzeit modernisiert. Um auch den größten neuen Schiffen ausreichend Platz für eine Durchquerung zu bieten, wird eine dritte Schleusenanlage gebaut. Derzeit rechnen die Baufirmen allerdings mit einer Fertigstellung erst im Juni 2015 - neun Monate nach dem geplanten Datum.

Der 1914 eröffnete Panama-Kanal verbindet Atlantik und Pazifik und macht auf diese Weise für Schiffe den teuren und schwierigen Weg um das Kap Hoorn an der Südspitze Amerikas überflüssig.

ric/afp/dpa

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insgesamt 43 Beiträge
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Seite 1
ambulans 12.01.2014
1. früher,
in der guten alten zeit, war sowas (das streitigmachen eines profitablen, quasi garantierten geschäfts) durchaus schon einmal (suez et al.) ein ausreichender kriegsgrund ...
Lord Chester 12.01.2014
2. Was bringt der Nicaragua-Kanal an Zeitgewinn nach Europa und US-Ostküsten?
Das ist doch die entscheidende Frage. So klingt der Artikel, als sei er von der PR-Abteilung des Panama-Kanals bezahlt. Wikipedia: "Da der Panamakanal für einige (post-Panamax-)Frachtschiffe zu eng geworden ist, wurden nicht nur in Nicaragua, sondern auch in Mexiko und Kolumbien alte und neue Pläne für einen Kanalbau erwogen. Auch Panama arbeitet an einem ähnlichen Vorhaben. Dies wäre wesentlich günstiger, weil Panamas Landbrücke deutlich enger als die von Nicaragua ist."
linus65 12.01.2014
3. welche Souveränität ?
"Damit werde die Souveränität des Landes beschnitten, sagen Kritiker." Die Souveränität der ganzen Region war ja den USA die letzten 150 Jahre ein Herzensangelegenheit ... Der Neoliberalismus hat eben keine Visionen, kurzfristiges Denken und sich schnellstens die Taschen-Vollmachen ist wichtiger. Deshalb schafft es ein Land wie USA auch nicht, eine leistungsstarke Infrastruktur aufzubauen (z.B. Hochgeschwindigkeitstrassen etc.)
Ahmad 12.01.2014
4. usa
Die USA wird sich nicht darüber freuen, aber China kann sich mittlerweile Alles erlauben....
bonner52 12.01.2014
5. Wenn ...
... so ein Nicaragua-Kanal wirklich gebaut wird, dann habe ich große Befürchtungen auch für das vor Bluefields liegende kolumbianische Inselparadies San Andres/Providencia.
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