Zuschuss für Familien Jeder Zweite zweifelt am Baukindergeld

24.000 Euro Zuschuss können Familien mit zwei Kindern seit Kurzem beim Immobilienerwerb bekommen. Doch die meisten Deutschen zweifeln laut einer Umfrage daran, dass dieses Baukindergeld wirkt.

Baustelle in Hamburg
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Baustelle in Hamburg


Das geplante Baukindergeld stößt bei vielen Menschen auf Skepsis. Laut einer Umfrage bezweifelt gut jeder Zweite, dass der staatliche Zuschuss den Haus- oder Wohnungskauf attraktiver macht. Das geht aus einer repräsentativen Befragung des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des Zentralen Immobilien-Ausschusses hervor.

Das Baukindergeld ist ein zentrales Projekt der Bundesregierung, um die Wohnungsknappheit für Familien zu lindern. Laut Koalitionsvertrag sollen sie für den Kauf oder Bau einer Wohnung oder eines Hauses einen Zuschuss von 1200 Euro pro Kind und Jahr erhalten, und zwar über einen Zeitraum von zehn Jahren.

Das Baukindergeld soll vor allem Familien der Mittelschicht zugutekommen. Die Einkommensgrenze liegt deshalb bei 75.000 Euro zu versteuerndem Einkommen plus 15.000 Euro pro Kind. Da das zu versteuernde Einkommen in der Regel deutlich niedriger ist als das Bruttoeinkommen, wäre eine Familie mit zwei Kindern so bis zu einem Bruttojahreseinkommen von rund 115.000 Euro förderberechtigt. Die Leistung soll rückwirkend zum 1. Januar 2018 bewilligt werden.

In den Städten droht der Zuschuss zu verpuffen

Auf die Frage "Glauben Sie, dass der Erwerb von Wohneigentum mit der Einführung eines Baukindergeldes attraktiver wird?" antworteten laut Umfrage

  • knapp 32 Prozent mit "eher nein"
  • und weitere 20 Prozent mit "nein, auf keinen Fall".
  • Nur insgesamt gut 34 Prozent antworteten dagegen mit "eher ja" oder "ja, auf jeden Fall".

Für die Umfrage hat Civey vom 30. Mai bis 5. Juni knapp 5000 Teilnehmer online befragt.

Besonders in sehr dicht besiedelten Regionen glauben die Menschen demnach nicht daran, dass der Plan der Bundesregierung wirkt. Doch auch auf dem Land überwiegt die Zurückhaltung.

Experten fürchten, dass das Baukindergeld den Immobilienerwerb in Großstädten weiter verteuert, weil die staatlichen Zuschüsse angesichts der hohen Nachfrage einfach auf die Preise draufgeschlagen werden.

Wie Landbewohner vom Baukindergeld profitieren

Auch der Zentrale Immobilien-Ausschuss, der Spitzenverband der deutschen Immobilienwirtschaft, sieht das Baukindergeld kritisch. Er verlangt, stattdessen die Grunderwerbsteuer zu senken. "Das würde auch dem Mietwohnungsbau helfen", meinte Verbandspräsident Andreas Mattner. Er verweist darauf, dass in den vergangenen zehn Jahren 14 Bundesländer den Steuersatz erhöht haben, von 3,5 Prozent des Kaufpreises auf bis zu 6,5 Prozent. Käufer müssen die Steuer in der Regel mit Eigenkapital bestreiten. "Die Höhe des Baukindergelds reicht da bei Weitem nicht aus, insbesondere nicht in den Großstädten", sagte Mattner.

stk/dpa



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bartnelke 09.06.2018
1. Grundsatzentscheidung
Häusle bauen ist wie Kinder kriegen eine Grundsatzentscheidung und nicht von ein paar tausend Euros abhängig. Die Geburtenrate steigt ja auch nicht mit Erhöhung des Kindergeldes.
_Ingenieur_ 09.06.2018
2. Steuern!!! Ein Witz das baugeld
Was soll denn das Kinder baugeld bringen? Der Staat unterstützt hier gar nicht. Er gibt mur etwa zurück was er vorher wegnimmt. Grunderwerbsteuer, Mehrwertsteuer auf Markler Notar etc. Es ginge viel einfacher, für die erste Immobilie ( nur bei Eigennutzung) zahlt man keine Grundsteuer! Hier mit wäre denen geholfen die es benötigen den hier lebenden Familien!
hohnspiegel 09.06.2018
3. Das Problem sitzt woanders
Es hakt doch schon an einer Kreditvergabe durch die Banken, da werden so viele Bedingungen vorausgesetzt wie zb.sicherer Arbeitsplatz, Familieneinkommen sowie Eigenkapital ,dass diejenigen die nur befristet angestellt sind nie eine Kreditzusage erhalten. Dann die Kosten für den Grunderwerb Kaufpreis plus etwa 15 % Nebenkosten, da ist das Baukindergeld dann meist unerreichbar und nur einen Tropfen auf den heissen Stein.
harry2405 09.06.2018
4.
Das Baukindergeld wird gar nichts ändern. Die Abschaffung der Eigenheimzulage hat seinerzeit auch nicht dazu geführt, daß weniger Häuser bzw. Wohnungen gebaut bzw. gekauft wurden. Wie hier schon angemerkt wurde, geht es hier um eine Entscheidung fürs Leben. Die Politik hat darauf mit kurzfristigen Maßnahmen eher wenig Einfluß.
hansgustor 09.06.2018
5. @hohnspiegel
Zum Glück gibt es diese Bedingungen, sonst würden die Preise noch schneller steigen und die Fälle der Zahlungsunfähigen zunehmen. Das mit der Eigenverantwortung klappt leider nicht, wenn man mit miesem Gehalt keine Rücklagen aufbauen kann oder mangels Kompetenz nicht versteht auf was man sich bei einem Kredit einlässt.
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