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Ärger bei der Geldanlage: So zocken Bausparkassen Kunden ab

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Wer kriegt heute noch hohe Zinsen? Kunden mit alten Bausparverträgen. Für viele Bausparkassen ist das ein Problem. Mit fragwürdigen Methoden werfen sie Sparer raus.

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Corbis

Bausparvertrag: Zinswette auf die Zukunft

Erinnern Sie sich an den alten LBS-Werbespot mit dem frisch gebackenen Konfirmanden, der zur Feier einen Bausparvertrag geschenkt bekommen hat? Und dann vom Mitschüler mit Mofa als "uncool" gebrandmarkt wird? Jahre später ist der Bausparer ein gemachter Mann und der Mofafahrer von einst nun selbst der uncoole Loser, der noch bei "Mutti" wohnen muss.

So wollte uns die LBS vor zehn Jahren das Bausparen schmackhaft machen. Und für manchen Bausparer ist ein damals abgeschlossener Vertrag heute tatsächlich eine richtig gute Geldanlage. Allerdings ganz ohne Haus: Viele der Verträge enthalten eine Klausel, dass man rückwirkend deutlich erhöhte Zinsen bekommt, wenn man am Schluss den Bausparkredit gar nicht in Anspruch nimmt. Wette gewonnen, sozusagen.

Das Dumme nur: Der Verzicht auf das Darlehen und die höheren Zinsen sind den Bausparkassen nicht mehr recht. Sie müssen inzwischen so vielen langjährigen Kunden hohe Zinsen zahlen, dass es sie richtig teuer zu stehen kommt. Am Kapitalmarkt können sie die Zinsen kaum noch erwirtschaften.

Die Kunden sollten sich wehren

Einige Bausparkassen machen nun richtig Druck. Seit 2007 versuchen einzelne Unternehmen, unangenehme Altverträge loszuwerden. 2007 versuchte zum Beispiel die BHW ihre Renditesparer zu Tausenden rauszuwerfen. Andere Bausparkassen folgten.

Im ersten Schritt kündigten die Unternehmen den Kunden, die ihren Bausparvertrag zu 100 Prozent bespart hatten und deshalb keinen Kredit mehr in Anspruch nehmen konnten. Normalerweise spart man 40 bis 50 Prozent der Bausparsumme und lässt sich dann - so die Idee des Bausparvertrages - den Rest als preiswerten Kredit geben. Die Bausparkassen argumentierten, diese 100-Prozent-Sparer seien gar keine Bausparer mehr. Mit dieser Argumentation hatten sie auch vor Gerichten Erfolg. Seit zwei Jahren gehen die Bausparkassen darüber hinaus. Jetzt sind im Grunde alle Altkunden das Ziel, deren Verträge eine im Augenblick vergleichsweise lukrative Geldanlage sind.

Die Kunden sollten sich wehren. Auch Finanzdienstleister müssen Verträge einhalten. Auf Vater Staat können die Kunden dabei leider nur begrenzt zählen: Ausgerechnet die Finanzaufsicht BaFin drängt die Bausparkassen, sich von den zu Hochzinssparanlagen mutierten Verträgen zu trennen. Das hat meiner Ansicht nach zwei Gründe:

  • Zum Ersten haben die Aufseher regelmäßigen persönlichen Kontakt mit den Anbietern, scheuen dagegen den regelmäßigen Kontakt mit den Kunden. Regelmäßiger Kontakt aber erhöht das gegenseitige Verständnis.

  • Zum Zweiten sehen die BaFin-Aufseher den Schutz des einzelnen Kunden vor dem Finanzdienstleister nicht als ihre Aufgabe. Das System zu erhalten, sei der beste Schutz für die Kunden, heißt es dann. Im Zweifel sind Banken oder Bausparkassen sakrosankt, weil eine bankrotte Bausparkasse Zweifel am System schüren würde - und solche Zweifel will die BaFin verständlicherweise nicht aufkommen lassen.

Verbraucherschützer raten: Die Verträge einhalten!

Bereits Ende 2012 hat die Aufsicht einen Quasi-Stresstest für Bausparkassen gemacht, genannt "Zinsrisikoprüfung". Im Gegensatz zum europäischen Stresstest bei Banken und Versicherungen ist diese Prüfung allerdings nicht öffentlich.

Schon damals begannen Bausparkassen im großen Stil, ihren Kunden zu kündigen. In diesem Spätherbst wiederholt sich das Spiel. Die LBS Bayern kündigte 26.000 Altsparern. Und offenbar sind die Zinsrisikoprüfer wieder unterwegs. Auf Anfrage erklärte mir die BaFin, dass sie sich zu solchen Zinsrisikoprüfungen nicht öffentlich äußere. Aber natürlich habe man keinesfalls die Vorstände von Bausparkassen angehalten, Kunden rauszuwerfen.

In der Halböffentlichkeit der Berliner Empfänge räumen Bausparkassenmanager im persönlichen Gespräch ein, dass sie wegen der BaFin ein Problem haben: "Was sollen wir denn anderes machen?" Die BaFin sehe vor allem die Belastung für die Unternehmen aus den alten Verträgen.

Aus Sicht von Verbraucherschützern ist die Antwort eindeutig: Die Verträge einhalten! Auch wenn's mal schwierig wird. Damit wir auch weiterhin mit gutem Gewissen Bausparverträge für junge Sparer oder für die Altersvorsorge empfehlen können.

Die meisten Kunden wissen, dass sie mit einem Bausparvertrag nicht nur an ein Baudarlehen kommen - sie schließen auch eine Zinswette auf die Zukunft ab. Und wie das bei Wetten so ist: Mal gewinnt man und mal verliert man. Das Vertrauen der Kunden ins Bauspar-Geschäft hängt ganz vom Vertrauen in die Seriosität des Wettbüros ab. Wer also alte Bausparer unsanft rauswirft, nur weil sie ihre gewonnene Wette genießen wollen, muss sich nicht wundern, wenn dann am anderen Ende niemand mehr mit dem Bausparen anfangen will.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Das Onlineportal ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

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insgesamt 82 Beiträge
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1. So....
indy555 13.12.2014
und darf sich jeder mal fragen, warum das Modell des Bausparvertrages in einigen anderen Ländern der EU verboten ist!
2. Fachmann?
zalog70 13.12.2014
Tenhagen schafft es ja nicht mal, einen in sich schlüssigen Artikel zu schreiben. Was die armen Vorstände tun sollen? Nicht jammern, sondern ihren Job. Sie werden dafür ja gut bezahlt. Und Tenhagen sollte nachfragen, anstatt sich mit den Herren bei einem Glas Sekt zu verbrüdern. Stattdessen gibt er der bösen Aufsicht die Schuld. Dass diese einen Druck dementiert, läßt ihn bei seinen unfundierten Behauptungen kalt.
3. Ja, Tenhagen,
lövgren 13.12.2014
immer gegen die Solidarität. Dass die Bausparer eine Solidargemeinschaft ist, deren günstige Finanzierungszinsen auch an knappen Sparzinsen begründet sind, interessiert Sie nicht. Das die Unternehmen an ihre Grenzen stossen, interessier sie nicht. Gier und Geiz sind geil. Ziemlich inkompetenter Artikel.
4. Verbraucherschützer
siegfriedderdrachentöter 13.12.2014
Diese Stellungnahme von Herrn Tenhagen ist unseriös, warum? die Bafin fordert auch die Kündigung, denn sonst geraten die ganzen Bausparkassen in finanzielle Probleme, die zu Risiken für alle Bausparer führen könnte. Will der Mann das, dann soll er das auch sagen. aber es ist heute immer einfach, die Guten zu sein und alle anderen Unternehmen sind die Bösen.
5. na und?
mfgkw 13.12.2014
Wenn ich ein Darlehen zu hohen Zinsen abgeschlossen habe, die Zinsen sinken und ich aus dem Vertrag raus will, muß ich auch Vorfälligkeitsentschädigung zahlen. Andersrum darf man offenbar einfach kündigen. Dann brauchen Banken sich nicht wundern, wenn sie für seriös gehalten werden.
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