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Industriepolitik: BDI-Chef wirft Merkel Konzeptlosigkeit vor

"Keine Projekte, keine Richtung": Deutschlands oberster Industrielobbyist geht mit Kanzlerin Merkel hart ins Gericht. Es finde ein leiser Abschied der Wirtschaft statt, doch die Regierung kümmere sich lieber um Frauenquoten, sagte BDI-Chef Ulrich Grillo der "FAZ".

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Kanzlerin Merkel, Wirtschaftsminister Gabriel: "Keine Projekte, keine Richtung"

Berlin - Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat die Politik der Bundesregierung scharf kritisiert. "Ich kann im Moment keine Konzeption, keine Projekte, keine Richtung erkennen, wie diese Koalition den Industriestandort Deutschland bis 2017 und auch darüber hinaus weiterentwickeln will", sagte BDI-Chef Ulrich Grillo der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ("FAZ").

Bei den Investitionen und Innovationen falle Deutschland zurück, mahnte Grillo. Doch es mangle "an konkreten Schritten, um die Investitionen zu erhöhen, den Standort attraktiver zu machen, die gewaltigen Probleme der Demografie anzugehen".

Die Regierung unternehme zu wenig, um diese wichtigen Probleme zu lösen, sagte der BDI-Präsident. Sie befasse sich hauptsächlich mit Frauenquoten, Mindestlohn und Mütterrente.

Auch die bevorstehenden Änderungen bei den Renten seien "kurzsichtig und widersprechen der Generationengerechtigkeit", sagte Grillo der "FAZ". Allein schon wegen der Alterung der Gesellschaft könne man es sich mit Blick auf den Fachkräftemangel gar nicht leisten, die Menschen so früh in Rente zu schicken.

"Es fehlt eine Agenda 2030"

Dazu sei die Industrie besorgt über eine zu starke Belastung energieintensiver Betriebe durch die EEG-Reform. Sollte sich die EU mit der Forderung nach einer Reduzierung der Ausnahmen von der Ökostromumlage durchsetzen, wären manche Betriebe sofort in der Verlustzone und müssten "schnell, sehr schnell zumachen", behauptete Grillo. 800.000 Arbeitsplätze seien in Gefahr. "Wir erleben einen leisen Abschied aus Deutschland." Deshalb benötige man Lösungen mit Augenmaß.

Grillo hatte bereits im Januar gesagt, eine Ausweitung des deutschen Wirtschaftswachstums auf zwei Prozent im laufenden Jahr sei nur möglich, wenn die politischen Weichen richtig gestellt würden. Dafür müsse die Regierung aber weit über das hinausgehen, was ihr Koalitionsvertrag beinhalte.

Dass der BDI-Präsident dramatische Warnungen ausspricht, ist durchaus nicht untypisch. Es ist seine Rolle, für die Zukunftsfähigkeit der Industrie zu werben - mit allen Mitteln. Die aktuellen Zahlen allerdings konterkarieren Grillos Worte dann doch ziemlich deutlich. So erhielt die deutsche Industrie zu Jahresbeginn unerwartet viele Aufträge.

"Uns geht es im Moment noch ziemlich gut", räumte denn auch der BDI-Chef in der "FAZ" ein. "Wir haben eine Rekordbeschäftigung." Das überdecke jedoch manches, "was uns in fünf oder zehn Jahren auf die Füße fällt, wenn wir jetzt nicht handeln", mahnte er. "Es fehlt ein Zukunftskonzept für den Industriestandort Deutschland - eine Agenda 2030."

ssu/dpa/Reuters

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insgesamt 94 Beiträge
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1. Och je
fuenfringe 11.03.2014
Zitat von sysopAFP"Keine Projekte, keine Richtung": Deutschlands oberster Industrielobbyist geht mit Kanzlerin Merkel hart ins Gericht. Es finde ein leiser Abschied der Wirtschaft statt, doch die Regierung kümmere sich lieber um Frauenquoten, sagte BDI-Chef Ulrich Grillo der "FAZ". http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/bdi-chef-grillo-wirft-merkel-konzeptlosigkeit-vor-a-957933.html
Der Herr Grillo fühlt sich vernachlässigt. Der arme Mann! Und statt um ihn kümmert sich die Regierung um Frauen, Rentner, Mütter. Ist der Typ verwandt mit Beppe Grillo, dem anderen Clown?
2.
kdshp 11.03.2014
Zitat von sysopAFP"Keine Projekte, keine Richtung": Deutschlands oberster Industrielobbyist geht mit Kanzlerin Merkel hart ins Gericht. Es finde ein leiser Abschied der Wirtschaft statt, doch die Regierung kümmere sich lieber um Frauenquoten, sagte BDI-Chef Ulrich Grillo der "FAZ". http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/bdi-chef-grillo-wirft-merkel-konzeptlosigkeit-vor-a-957933.html
Sicher hat frau merkel (CDU) eine richtung und das ist die wirtschaft wo es nur geht nicht zu belasten. Das hat sie immmer umgesetzt bzw. tut es noch immer. Aber die wirtschaft bekommt den hals ja nicht voll genug und fordert wie immer mehr und mehr.
3. Solange
BeatDaddy 11.03.2014
Merkel das macht, was die Lobbyisten wollen, ist alles in Ordnung, tut sie es nicht mehr, wird ihr sogleich Konzeptlosigkeit vorgeworfen...Ihr Industriekappen, diese Konzeptlosigkeit herrscht schon seit dem diese Frau Kanzlerin ist...
4. Stimmt, aber nur teilweise
chinawoman 11.03.2014
Wenn Fachkräfte fehlen soll die Industrie besser ausbilden. Das Problem ist hausgemacht. Bei uns werden auch immer weniger Azubis aufgenommen, geschweige denn nach der Ausbildung übernommen. Kostenreduzierung durch Personalabbau seit 20 Jahren, das kann nicht gut gehen. Bei uns werden alles Fachkräfte in Altersteilzeit gesteckt, zur Kostenreduzierung. Und das Gejammer mit der EEG kann sich Herr Chef-Lobbyist auch schenken. Dann müssen eben die "energieintensiven Unternehmen" versuchen weniger Energie zu verbrauchen. Wir sind doch in Deutschland so innovativ! Nach vielen fetten Jahren sollten diese Unternehmen genug Reserven haben so was umzusetzen. Wenn allerdings die "Führungselite" lieber mit den Reserven an der Börse gezockt haben .... oder lieber die Rendite der Aktionäre erhöht haben ... dann wird es eben dünn für solche Unternehmen. Warum geht es RWE so schlecht? Wegen der EEG-Umlage???? Nein, wegen Management im Tiefschlaf.
5. Wow, ein Blitzdenker!
Motorkopf 11.03.2014
Zitat von sysopAFP"Keine Projekte, keine Richtung": Deutschlands oberster Industrielobbyist geht mit Kanzlerin Merkel hart ins Gericht. Es finde ein leiser Abschied der Wirtschaft statt, doch die Regierung kümmere sich lieber um Frauenquoten, sagte BDI-Chef Ulrich Grillo der "FAZ". http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/bdi-chef-grillo-wirft-merkel-konzeptlosigkeit-vor-a-957933.html
bis auf die weiteren Ausführungen, keinen Komentar wert. Agenda 2030 - klar! Irgendwie müssen Banken und die Industrie noch mehr aus den dummen Angestellten rausquetschen um zukünftig an ihre Renditen zu kommen. Und warum soll ein Fliesenleger nicht mit "63 Jahren" ohne Abschläge in Rente gehen dürfen? Soll er aus Gesundheits und/oder Altersgründen die letzten 10 Jahre Weiterbildungsseminare besuchen, die uns - dem Staat - noch mehr kosten, als eine sehr überschaubare Rente? Nur weil er mit Abi und Studium im Alter von 63 nicht mal auf 35 Jahre "Arbeit" kommt?! Die Ausführungen hinsichtlich der Zukunft in D waren mal wieder schwach und einäugig. "Fachkräftemangel"?! Dieses Schlagwort gehört zu den Unwörtern der letzten Jahrzehnte...!
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