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Rheinau

Schweizer Dorf will Grundeinkommen ausprobieren - doch nun fehlt das Geld

Unter dem Motto "Dorf testet Zukunft" will eine Filmemacherin in Rheinau im Norden des Kantons Zürich ein Experiment zum bedingungslosen Grundeinkommen wagen. Doch daraus wird wohl nichts - die Schweizer haben zu wenig Geld gespendet.

Dienstag, 04.12.2018   00:12 Uhr

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Fast zweieinhalb Jahre ist es her, dass die Schweizer Bevölkerung gegen die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens gestimmt hat. Filmemacherin Rebecca Panian wollte im Dorf Rheinau dennoch ein Experiment starten. Jeden Monat sollten Bewohner ein Grundeinkommen erhalten. Der Gedanke dahinter: Man solle die Idee doch erst einmal testen, bevor man sie abschreibt.

Finanzieren wollte sie das über Crowdfunding. Doch nun fehlt das Geld, wie das Portal swissinfo.ch berichtet. Gut 150.000 Franken sind bisher zusammengekommen (umgerechnet etwa 130.000 Euro). Gebraucht werden aber gut 6,2 Millionen Franken (umgerechnet etwa 5,5 Millionen Euro). Aus dem Versuch wird höchstwahrscheinlich wohl erst einmal nichts: Deadline ist der 4. Dezember.

Panian: Grundeinkommen bedeutet nicht ein Jahr Ferien

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Eigentlich sollte das Experiment im Januar 2019 starten, 770 Einwohner wollten mitmachen. Je nach Alter hätten sie zwischen 625 Franken (551 Euro) und 2500 Franken (2200 Euro) pro Monat bekommen. Doch Filmemacherin Panian konnte ihre Landsleute nicht von dem Konzept überzeugen.

"Es gibt immer wieder das Missverständnis, dass wir den Menschen ein Jahr Ferien finanzieren wollen, was natürlich nicht stimmt", sagt Panian. Eine Einwohnerin habe nur durch die Diskussion übers Grundeinkommen den Mut fassen können, sich selbstständig zu machen.

Weltweit Experimente mit dem Grundeinkommen

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"Ich möchte noch nicht von einem Plan B sprechen, da sich - ganz gemäß dem demokratischen Diskurs, den wir im ganzen Projekt pflegten - erst die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dazu äußern sollen, ob und wie wir weitermachen würden", sagt die Initiatorin. Doch so ganz will sie die Hoffnung noch nicht aufgeben: "Es wäre toll, wenn wir weitermachen können, wir sind schon so unglaublich weit gekommen."

In Kenia und Finnland gab es bereits staatliche Experimente mit dem Grundeinkommen, in Kalifornien und Schottland sind weitere geplant. Die Absichten dahinter sind unterschiedlich. Finnland will Sozialleistungen einsparen. In Kalifornien sucht man die Antwort auf die Frage, wie es weitergehen soll, wenn Roboter die Jobs übernehmen. Die Initiatoren in Kenia interessieren sich für Armutsbekämpfung. Es scheint, als wäre es in der Schweiz dafür noch zu früh.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieser Meldung stand im Vorspann fälschlicherweise Rheingau bei Zürich statt Rheinau im Norden des Kantons Zürich.

sth

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