Sozialversicherung Pflegeexperten fordern milliardenteure Reform

Hunderttausende Demenzkranke müssen gepflegt werden - doch die Versicherung zahlt nicht. Der Pflegebeirat des Gesundheitsministeriums fordert, die Leistungen an der Selbstständigkeit der Patienten auszurichten. Die Reform könnte bis zu vier Milliarden Euro kosten.

Pflegeheim: Vier Milliarden Euro für bessere Betreuung
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Pflegeheim: Vier Milliarden Euro für bessere Betreuung


Berlin - Für eine bessere Versorgung hunderttausender Demenzkranker hält der Pflegebeirat des Gesundheitsministeriums eine zwei bis vier Milliarden Euro teure Reform der Pflegeversicherung für nötig. Die hochrangigen Berater übergaben ihren Bericht am Donnerstag an Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP).

Bis zu 250.000 Menschen mit Demenz, die heute in der Pflegeversicherung leer ausgehen, sollen danach zusätzlich Geld aus der Pflegekasse bekommen. Durch eine neue Eingruppierung der Betroffenen in die Versicherung sollen viele besser, aber niemand schlechter gestellt werden. Bahrs bisherige Pflegepolitik hatte der Beirat kürzlich als unzureichend kritisiert.

Der Beitragssatz könnte demnach im teuersten Fall von 2,05 auf 2,45 Prozent steigen, für Menschen ohne Kinder auf 2,7 Prozent. Bahr kündigte an, die Reform im Fall eines Wahlsieges rasch umzusetzen: "Ich werde mich massiv dafür einsetzen, dass wir den neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff auch umsetzen."

Dass mehr Geld für die Versorgung Pflegebedürftiger ausgegeben werden sollte, ist unter den Parteien unumstritten: Die SPD will die Pflege im Fall eines Wahlsiegs zur Chefsache machen und plant eine Reform, die bis zu fünf Milliarden Euro mehr kosten soll.

Selbstständigkeit des Patienten soll über Pflegegrad entscheiden

Wie aus dem Bericht hervorgeht, sollen fünf Pflegegrade die heute drei Pflegestufen ersetzen - sie sollen danach gestaffelt sein, wie selbstständig der Betroffene noch ist. Das gegenwärtige Leistungsniveau solle mindestens erhalten bleiben. Der Rat schlug verschiedene Varianten des Leistungsausbaus vor, die zwischen zwei und vier Milliarden Euro kosten würden.

Im Bundestag kam es zum Schlagabtausch über die Pflege. SPD und Grüne scheiterten mit Forderungen nach einer Reform und einem Aussetzen des Pflege-TÜV. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach bezeichnete die Pläne von Minister Bahr als Ankündigungspolitik, obwohl schnelles Handeln notwendig sei: "Wir laufen in einen Pflegenotstand hinein", sagte der SPD-Gesundheitsexperte. Elisabeth Scharfenberg von den Grünen stieß ins gleiche Horn: "Der Pflege droht ein Flächenbrand." Eine Großreform sei nötig.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund forderte eine rasche Umsetzung der Expertenvorschläge. Der Präsident des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste, Bernd Meurer, sagte: "Entscheidend ist, dass am Ende wirklich mehr dabei herauskommt als nur leere Floskeln."

ade/dpa



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insgesamt 10 Beiträge
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frank-xps 27.06.2013
1. Ja alles extrem wichtig
und noch was und noch was und noch was und dann müssen wir noch dagegen vorsorgen und noch eine Versicherung gegen den Tod. liebe experten die menschen bekommen keine kinder mehr weil sie den ganzen irrsinn nicht mehr bezahlen können und dann, ja dann werden auch sie liebe experten merken das nicht 0,5 oder 0,6 % Punkte einem Alten den Hintern abwischen sondern menschen. wir dürfen auf keinen fall in zukunft von sicherungsfaschistischen beamten planen lassen das geht in die hose. wenn eines sicher ist dann die veränderung. und es kommt garantiert anders als du denkst. soviel dazu
kayhawai 27.06.2013
2. Unmöglich
Die Idee, 4 Milliarden in die Pflege Demenzkranker zu investieren ist absurd. Wir brauchen das Geld für Dringenderes. Zum Beispiel für die Finanzierung Griechenlands oder die Unterstützung maroder Banken. Schleswig-Holstein (das Bundesland, aus dem ich komme) war da sehr konsequent. Es hat das Blindengeld ersatzlos gestrichen um die Abfindung für den HSH-"Manager" Nonnenmacher bezahlen zu können (tatsächlich beides exakt gleiche Summen). Man muss einfach für die Schwächsten kein Geld ausgeben, schon kann man die Gaben für "die Großen" finanzieren.
!!!Fovea!!! 27.06.2013
3.
Zitat von sysopDPAHunderttausende Demenzkranke müssen gepflegt werden - doch die Versicherung zahlt nicht. Der Pflegebeirat des Gesundheitsministeriums fordert, die Leistungen an der Selbstständigkeit der Patienten auszurichten. Die Reform könnte bis zu vier Milliarden Euro kosten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/beirat-will-bessere-betreuung-demenzkranker-durch-pflegeversicherung-a-908233.html
Ach da sind ja auch noch Wählerstimmen, die mobilisiert werden müssen......, mal sehen wieviel X_Kommissionen eingesetzt werden, Steuergelder verbrauchen und am Ende wieder erzählen, dass mehr Personal gebraucht wird... ----LANGWEILIG......
Spiegelleserin57 27.06.2013
4. Für die Ärmsten der Armen hat unser Staat doch nie Geld!
Es ist relativ unwahrscheinlich dass nun endlich mal etwas für die Gruppe getan wird die sich nicht wehren kann. Ebenso geht es den Rentnern und das obwohl die Rentenkassen voll sind. Den Beitrag für Kinerlose höher zusetzen ist ungerecht da heutzutage kinder kein Garant als Pflegende darstellen. Das läßt der heutige Stress im Beruf nicht mehr zu.
Spiegelleserin57 27.06.2013
5. Gott sei Dank werden alle alt!
Zitat von kayhawaiDie Idee, 4 Milliarden in die Pflege Demenzkranker zu investieren ist absurd. Wir brauchen das Geld für Dringenderes. Zum Beispiel für die Finanzierung Griechenlands oder die Unterstützung maroder Banken. Schleswig-Holstein (das Bundesland, aus dem ich komme) war da sehr konsequent. Es hat das Blindengeld ersatzlos gestrichen um die Abfindung für den HSH-"Manager" Nonnenmacher bezahlen zu können (tatsächlich beides exakt gleiche Summen). Man muss einfach für die Schwächsten kein Geld ausgeben, schon kann man die Gaben für "die Großen" finanzieren.
und jeder wird mit diesem Problem konfrontiert, da gibt es kein Entrinnen. Das vergessen nur viele Kommentatoren. Gute Pflege kostet und wer die Pfleger nicht bezahlt hat Pech. Auch Sie können jederzeit von einer Krankheit erwischt werden die Pflege dringend notwendig macht, ein Autounfall reicht und Sie werden schwerstbehindert, ein hpypoxischer Hirnschaden ist der Demenz gleich zu setzen obwohl ein völlig andere Krankheit zu Grunde liegt. Das Tabu sollte endlich in der Gesellschaft gebrochen werden dass alle ewig jung und gesund bleiben. Alle werden alt und die Schönheit schwindet, das hat die Natur so eingerichtet und Gott sei Dank ist die Gesundheit und Jugend nicht käuflich, da war Mutter Natur sehr gerecht!
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