Belastungsprobe für Europas Institute Stresstest stresst spanische Sparkassen

Die meisten deutschen Banken halten sich im Stresstest wacker - anders als spanische Sparkassen. Gleich fünf Institute haben die Belastungsprobe für Europas Geldhäuser nicht bestanden. Auch die griechische ATE-Bank und die Hypo Real Estate sind durchgefallen.


Hamburg - Der Stresstest der europäischen Bankenaufsicht CEBS offenbart die Schwäche von Spaniens Finanzsektor: Sieben europäische Banken haben die Belastungsprobe nicht bestanden - fünf davon stammen aus dem von Immobilien- und Wirtschaftskrise gebeutelten Land, wie die Bankenaufsicht CEBS in London mitteilte. Im strengsten Szenario blieben sie mit ihrer Kernkapitalquote (Tier 1) unter der Marke von 6,0 Prozent. Betroffen waren die Sparkassengruppen:

  • Diada (3,9 Prozent),
  • Cajasur (4,3 Prozent),
  • Unnim (4,5 Prozent),
  • Banca Civica (4,7 Prozent) und
  • Espiga (5,6 Prozent).

Vier der fünf durchgefallenen spanischen Sparkassen brauchen frisches Kapital, teilte die Madrider Notenbank mit. Gesamtbedarf: 1,835 Milliarden Euro. Der Kapitalbedarf aller spanischen Sparkassen beläuft sich demnach auf insgesamt 16,2 Milliarden Euro, wovon bereits 10,6 Milliarden Euro durch den Restrukturierungsfonds und 3,8 Milliarden Euro durch den Einlagensicherungsfonds abgedeckt sind.

Insgesamt wurden aus Spanien 19 Sparkassen dem Test unterzogen. Neben den meisten Verlierern stellte Spanien auch den Gewinner des Stresstests: Am besten schnitt die Banca March ab, die im strengsten Szenario auf eine Kernkapitalquote von 19 Prozent kam.

Stunde der Wahrheit für 91 Institute

Die Bank von Spanien hält das Finanzsystem des Landes trotz des schlechten Abschneidens von fünf heimischen Sparkassen für völlig solide. Die Belastungsproben seien von einem höchst unwahrscheinlichen Szenario wirtschaftlichen Verfalls ausgegangen, sagte der Gouverneur der Banco de España, Miguel Angel Fernández Ordóñez, am Freitagabend in Madrid.

Im Stresstest wurden 91 europäische Institute überprüft, die gemessen an der Bilanzsumme 65 Prozent des EU-Bankensystems repräsentieren (Übersicht: siehe linke Spalte). Die europäische Bankenregulierung CEBS (zur Stresstest-Seite...) testete unter anderem, welche Abschreibungen die Banken vornehmen müssten, wenn Europa zwei Jahre in der Rezession stecken würde und die Aktienmärkte um 20 Prozent fielen. Als bestanden gilt die Prüfung, wenn die Kernkapitalquote der Institute unter diesen Stressbedingungen nicht unter sechs Prozent rutscht.

Die angenommenen wirtschaftlichen Entwicklungen sind rein hypothetisch. Sie sind keine realen Prognosen für den künftigen Kapitalbedarf der Banken. Sie gelten aber als Indikator für die Stabilität des europäischen Finanzsystems.

Postbank und Nord/LB bestehen Test nur mit Ach und Krach

Experten hatten vor der Veröffentlichung der Ergebnisse befürchtet, dass bis zu zehn Banken den Test nicht bestehen. Letztlich waren es nur sieben. Neben den fünf spanischen Sparkassen haben nur zwei weitere Institute den Test nicht bestanden: die griechische ATE Bank und die Hypo Real Estate (HRE) aus Deutschland mit einer Kapitalquote von 4,7 Prozent im strengsten Stresstest-Szenario.

Das Durchfallen der HRE ist obendrein bedeutungslos, da das verstaatlichte Institut ohnehin bald alle toxischen Papiere in eine Bad Bank auslagert. Die Bank hatte sich mit riskanten Spekulationen selbst an den Rand der Pleite gebracht und musste im Herbst 2008 von der Bundesregierung gerettet werden. Das Institut befindet sich derzeit in einem tief greifenden Umstrukturierungsprozess, der von ihrem Alleineigentümer, dem Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin), eng begleitet wird.

Ansonsten erwies sich das deutsche Bankensystem als robust. 13 der 14 Banken bestanden die Prüfung in allen Szenarien. Ihre Kernkapitalquote (Tier 1) würde selbst bei extremen Verwerfungen auf den Finanzmärkten und in der Realwirtschaft nicht unter sechs Prozent rutschen. Das gab die deutsche Bundesbank am Freitagabend bekannt.

Nord/LB und Postbank scheiterten nur knapp nicht

Vergleichsweise schlecht schnitten noch zwei weitere deutsche Banken ab: So blieb die Nord/LB im Extremszenario mit 6,2 Prozent Kernkapitalquote nur ganz knapp über der Mindestgrenze, die Postbank erreichte in diesem Szenario 6,6 Prozent. Investoren könnten solche Werte verunsichern. "Wenn eine Bank nahe an die Sechs-Prozent-Grenze rutscht, wird das wie ein Scheitern beim Test beurteilt werden", hatte ein hochrangiger Investmentbanker am Mittwoch der "Süddeutschen Zeitung" gesagt.

Die Postbank bewertete das Ergebnis des Tests dagegen positiv. Man habe "bewiesen, dass das auf Privatkunden ausgerichtete Geschäftsmodell robust genug ist, um auch stärkeren Belastungen standhalten können", teilte Institutschef Stefan Jütte mit.

West LB (7,1 Prozent) und Helaba (7,3 Prozent) blieben etwas deutlicher über der Mindestgrenze. Alle anderen deutschen Banken liegen selbst im Extremszenario mit ihrer Kernkapitalquote über acht Prozent.

Eine wesentliche Ursache für das robuste Abschneiden der deutschen Banken ist die bereits erfolgte Stärkung der Kernkapitalausstattung: Die Institute haben in den vergangenen beiden Jahren erhebliche Maßnahmen zur Bilanzbereinigung ergriffen und frisches Kapital durch Eigentümer und staatliche Stellen erhalten. Die Kernkapitalquote des gesamten deutschen Bankensystems stieg seit Anfang 2008 von 9,0 Prozent auf aktuell 10,8 Prozent.

Sind die Kriterien der Belastungsprobe hart genug?

Die Parameter des Tests sind unter Experten umstritten. Ein Szenario in dem Stresstest unterstellt einen kräftigen Abschlag auf Staatsanleihen, die sich massenhaft in den Bilanzen der Banken befinden. Laut CEBS haben die Aufseher bei den besonders gebeutelten griechischen Bonds einen Kursverfall von 23,1 Prozent im Vergleich zu dem Niveau von Ende 2009 angenommen. Fünfjährige deutsche Bundesanleihen bekamen dagegen nur einen Abschlag von 4,7 Prozent.

Laut CEBS werden die Abschläge nur auf Papiere vorgenommen, die sich im Handelsbuch der Institute befinden - hier müssen die Wertpapiere verbucht werden, die zum Verkauf bestimmt sind und daher zu Marktpreisen bewertet werden. Die meisten Staatsanleihen liegen aber im sogenannten Bankbuch, sprich sie sind nicht für den Verkauf bestimmt, sondern werden bis zur Fälligkeit gehalten. Diese wurden in dem Test verschont.

Die Ausklammerung ließ an den Märkten Zweifel an der Aussagekraft der Stresstests aufkommen. Mehrere Bankenexperten halten die Kriterien der Tests für nicht hart genug. Er habe Bedenken, "dass hier etwa Stresstest genannt wird, was einen richtigen Stressfall gar nicht simuliert", sagte etwa Bankenspezialist Wolfgang Gerke vom Bayerischen Finanzzentrum der ARD. Ifo-Forscher Klaus Abberger monierte, im Stresstest fehle ein Szenario für eine Staatspleite in Europa.

Die Europäische Zentralbank (EZB) dagegen verteidigte die Stresstests als "die härtesten der Welt". Die in den Szenarien angenommen Entwicklungen seien noch pessimistischer als jene, die den amerikanischen Stresstests zugrunde gelegt worden sein, sagte ein Sprecher. Ein Staatspleite-Szenario habe man in den Tests nicht verwendet, weil "die EZB nicht daran glaubt, dass ein europäischer Staat pleitegeht".

ssu/cvo/AFP/apn/dpa/Reuters

Forum - Stresstest - und nun?
insgesamt 253 Beiträge
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Seite 1
urban_grandier 16.07.2010
1. bravo!
Zitat von sysopEuropas Banken müssen sich einem Stresstest unterziehen. Überprüft wird, wie stabil sie im Fall neuer Schocks oder Krisen sind. Wie beurteilen Sie das Verfahren? Kommt nun die ganze Wahrheit über die Finanzbranche ans Licht?
Also ich find's super, dass, im Zuge des Stresstests, jetzt auch die Großbanken vom 750-mrd-Fonds profitieren können. Sollte irgendein Staat bei der Stützung angeschlagener Finanzinstitute seine nationalen Fonds ausgereizt haben, könne er auf die finanzielle Rückendeckung der EU setzen, sagte Rehn am Montag. (http://de.reuters.com/article/topNews/idDEBEE66500L20100706) Ist ja auch egal - ob man es nun erst umständlich den Griechen (oder so) gibt und die es dann den Banken geben ... kann man's den Banken auch einfach direkt überweisen, dann können die damit schneller wieder gegen die Griechen (oder sonstwen) wetten. Das nenn ich mal Synergieeffekte nutzen.
rolli 17.07.2010
2.
Zitat von sysopEuropas Banken müssen sich einem Stresstest unterziehen. Überprüft wird, wie stabil sie im Fall neuer Schocks oder Krisen sind. Wie beurteilen Sie das Verfahren? Kommt nun die ganze Wahrheit über die Finanzbranche ans Licht?
Wann ist je die ganze Wahrheit im Zusammenhang mit Banken und Bankenkrise ans Licht gekommen? Haben die Banken überhaupt die richtigen Zahlen an die Tester übermittelt? Und wie kann eine Postbank, die nie im Investmentbanking tätig war plötzlich illiquide sein? Sicher hat die Deutsche Bank die Postbank als bad bank benutzt. Ein Stresstest, dessen Kriterien nicht öffentlich ist, sondern nur die Ergebnisse, ist wertlos, und möglicherweise schädlich. http://bazonline.ch/wirtschaft/konjunktur/Was-ist-Europas-BankenStresstest-wert-/story/17223174 rolli
sponfeind 17.07.2010
3.
Ach, das wird doch das selbe Spiel wie in den USA. Als ob die 'offiziellen Ergebnisse' nicht schon vor Beginn des Test feststehen. Am Ende steht natürlich das nächste Rettungspaket... Adieu stabile Währung.
atzigen 18.07.2010
4. Anlegerberuhigung
Zitat von sysopEuropas Banken müssen sich einem Stresstest unterziehen. Überprüft wird, wie stabil sie im Fall neuer Schocks oder Krisen sind. Wie beurteilen Sie das Verfahren? Kommt nun die ganze Wahrheit über die Finanzbranche ans Licht?
Das ganze dient doch lediglich der Anlegerberuhigung. Das ganze dient vorrangig der Stressminderung bei den Verantwortlichen. Und was geschieht jetzt mit Banken die den Test nicht bestehen??? Natürlich nichts! Resp.Sie wird unauffällig mit Liquidität versorgt,sofern es nicht eine Hinterhofsparkasse ist und somit nicht Systemrelevant. Denn jede die den Test nicht besteht,währe sofort Pleite,oder ein Sanierungsfall. Wie schon in anderen Beiträgen dargelegt. Das System lebt von einer stetig wachsenden ÜBERLYQOIDITÄT. Wird diese reduziert bricht das System zusammen. Der eingeschlagene Spar-Lyqoiditätsenzug-Weg wird unfermeidlich zu schweren Verwerfungen an der Sozialfront führen. Fehler darf man fiele machen. Es gibt aber ein paar wenige fundamentale,die dürften niemals gemacht werden,denn die sind schwer,oder ab einem nicht genau definierbaren Punkt Irreparabel. Offen ist nur noch eine Frage,wie lange kann das System damit am Leben bleiben. Genisse die schönen Tage solange sie noch schön,sind den auf Sonnenschen volgen Gewitter und Regentage.
japan10 19.07.2010
5.
Zitat von sysopEuropas Banken müssen sich einem Stresstest unterziehen. Überprüft wird, wie stabil sie im Fall neuer Schocks oder Krisen sind. Wie beurteilen Sie das Verfahren? Kommt nun die ganze Wahrheit über die Finanzbranche ans Licht?
Bei neuen Krisen wären die Banken fertig. Doch dies wird nicht geschehen, die Staaten werden soviel Geld drucken, bis es wieder reicht. Die Wahrheit will doch keiner hören, dann würde man, wie bei Honecker sagen: der letzte macht das Licht aus. Das Leben hat sich geändert und es wird wahrscheinlich noch schärfer. Wenn Mathematikfreaks die Macht übernehmen, dann kann es nicht gut ausgehen. Es ist einfach nur Schade, dass die Politik so in die Knie gegangen ist.
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