BER-Aufsichtsrat Wowereits zweite Chance

Klaus Wowereit steht vor einem bemerkenswerten Comeback: Nach dem Rücktritt als Aufsichtsratschef des Berliner Pannen-Airports galt der Regierende Bürgermeister als erledigt. Jetzt traut man ihm den Job wieder zu.

Regierender Bürgermeister Wowereit: Rehabilitation angestrebt
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Regierender Bürgermeister Wowereit: Rehabilitation angestrebt

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Berlin - Er ist als Partylöwe verschrien, als Meister der politischen Unschärfe - und als Hauptverantwortlicher für das Desaster des Berliner Hauptstadtflughafens, der inzwischen seit zwei Jahren unvollendet dahindämmert und jeden Monat bis zu 35 Millionen Euro kostet. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit schien am Ende, als er Anfang Januar seinen Posten als Aufsichtsratschef der Flughafengesellschaft zur Verfügung stellen musste. Kurz vorher war auch der Eröffnungstermin im Oktober 2013 wieder einmal verschoben worden.

Doch inzwischen ist Wowereit wieder im Geschäft. Zehn Wochen schon leitet er das Aufsichtsgremium jetzt kommissarisch, seit Brandenburgs Ex-Ministerpräsident Matthias Platzeck von allen Ämtern zurücktrat. Aus Sicht von Beobachtern hat der SPD-Politiker seine zweite Chance genutzt. Und plötzlich ist sogar möglich, was vor einem dreiviertel Jahr noch undenkbar schien: Der 60-Jährige könnte wieder ganz offiziell den Posten des Aufsichtsratschefs übernehmen.

Momentan läuft es auf Wowereit zu, wenn sich aus Brandenburg keine Gegenstimmen melden, heißt es dazu im Bundesverkehrsministerium. Dort hat man die Pleiten und Pannen der vergangenen Jahre zwar nicht vergessen, doch eine ernstzunehmende Alternative sieht man auch nicht. "Der Bund als Gesellschafter würde eine externe Lösung bevorzugen", erklärt ein Ministeriumsmitarbeiter. "Doch damit wären zwangsläufig wieder Zeitverzögerungen verbunden." Wowereit sei eingearbeitet und habe auch durchaus wieder einiges Ansehen erworben - besonders im Umgang mit den internen Auseinandersetzungen der Flughafen-Geschäftsführung.

Ganz zu schweigen von den Kosten, die immer weiter aus dem Ruder laufen. Inzwischen ist von rund fünf Milliarden Euro die Rede, die der Hauptstadtflughafen am Ende kosten würde. "Das wird sich nie mehr rentieren", ätzt Martin Delius (Piraten), der im Abgeordnetenhaus den Untersuchungsausschuss zum Pannenflughafen leitet.

Lähmende Auseinandersetzung in der Geschäftsführung

Gemeint sind die Diadochenkämpfe, die sich Flughafenchef Hartmut Mehdorn und Technikgeschäftsführer Horst Amann beinahe täglich liefern. Seit seinem Amtsantritt lässt Mehdorn kaum eine Gelegenheit aus, seinen wichtigsten Mitarbeiter öffentlich bloßzustellen. Der sei lediglich Verwalter von Mängellisten anstatt das Projekt voranzubringen, ließ er kolportieren. Amann wiederum kritisiert den Ex-Bahn-Chef als Blender, der öffentlichkeitswirksame Symbolpolitik betreibe, wie etwa die Teileröffnung des Nordflügels mit etwa zehn Flügen pro Tag. Die Auseinandersetzungen gingen so weit, dass bereits Berichte über die vorzeitige Ablösung Amanns die Runde machten. Verhandlungen über einen Auflösungsvertrag seien bereits im Gange, schrieb die "Berliner Morgenpost".

Wowereit bereitete den Spekulationen jedoch mit einem Machtwort ein Ende: "Wir vom Aufsichtsrat erwarten, dass eine Geschäftsführung sich professionell verhält und dass man zusammenarbeitet", erklärte er nach einer Sondersitzung des Aufsichtsrats Ende September. Seitdem ist zumindest nach außen hin Ruhe.

Auch ein zweiter spürbarer Fortschritt fällt in Wowereits kommissarische Amtszeit. Endlich nämlich konnte geregelt werden, wer die bisher nicht funktionstüchtige Steuerung der Entrauchungsanlage umbaut, den Zuschlag bekam der Elektrokonzern Siemens. Vor allem wegen der Probleme beim Brandschutz hatte die Eröffnung des Hauptstadtflughafens im vergangenen Jahr abgesagt werden müssen.

Demut gelernt

Die Erfolge hat man auch in Brandenburg registriert. Dort hat man die Fehler und Foulspiele des Regierenden Bürgermeisters zwar noch sehr gut in Erinnerung, doch hinter vorgehaltener Hand heißt es, es gebe derzeit keinen, der besser für den Posten geeignet wäre als Wowereit. Der Mann habe Demut gelernt und könne sich außerdem keinen weiteren Fehlschlag leisten.

Offiziell predigen die Verantwortlichen jedoch noch Geduld: "Wir werden abwarten, wie die neue Bundesregierung aussieht und wer der neue Bundesverkehrsminister wird", sagte Aufsichtsrat Rainer Bretschneider (SPD) am Montag. Die Linkspartei in Berlin und die CDU in Brandenburg verkündeten derweil schon mal ein vorsorgliches Veto: "Die Bilanz von Klaus Wowereit kennen wir nur zu gut", sagte der Chef des Berliner Landesverbandes der Linken, Klaus Lederer, dem "Handelsblatt". Auch die Chefin der Grünen Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Ramona Popp, macht aus ihrer Ablehnung keinen Hehl. Doch angesichts der politischen Kräfteverhältnisse sind solche Einsprüche eher fürs Protokoll.

Wowereit selbst hält sich noch vornehm zurück. "Die Entscheidung steht derzeit nicht an", sagt Senatssprecher Richard Meng nur. Doch diejenigen, die Wowereit kennen, wissen, dass er auf eine Rehabilitierung drängt. Wenn er die Gelegenheit nicht nutzt, würde er auf ewig als Hauptverantwortlicher für das Desaster des Hauptstadtflughafens stehen. Nur eine gelungene Eröffnung zum jetzt avisierten Termin im Herbst 2015 könnte seinen Ruf wieder herstellen. Und alles deutet drauf hin, dass er seine zweite Chance bekommt.

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insgesamt 60 Beiträge
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Alfred Ahrens 21.10.2013
1. Er IST der Hauptverantwortliche für das Desaster BER,
er ist jemand, der seinen Job nicht machen kann. Er hat ganz andere Prioritäten. Er gehört da nicht hin, die breite Mehrheit der Berlin/Brandenburger ist da einer Meinung. Der Herr Wowereit gehört aus allen öffentlichen Ämtern entfernt. Wie weit will man denn noch Politikverdrossenheit treiben mit solchen Vernichtern von Steuergeldern ?
Dummer Michel 21.10.2013
2. Unglaublich ...
... was der deutsche Wähler mit sich machen lässt.
dt37406550 21.10.2013
3. Kann man das glauben?
Will man einen Versager, der "Wowereit sei eingearbeitet" bezeichnet, dieser Spassbürgermeister hat doch als Aufsichtsrat nur Scheiße gebaut und jetzt soll er zurück kommen. Jeder leitende Mitarbeiter in der freien Wirtschaft wäre sch längst draußen - wahrscheinlich H4, einen solchen wird doch nie mehr, mit Verstand, einstellen.
rambo-1950 21.10.2013
4. Wenn sie ihn wollen
im Chaosprojekt BER den "warmen" Klausi, sollen sie ihn auch wieder bekommen ! Wenn 2016 ? dann alles perfekt muss auch einer seine "Fratze" in die Kameras halten um zu verkünden - schaut her die ganze Welt was wir bewerkstelligt haben "...auferstanden aus Ruinen...."
dt37406550 21.10.2013
5. Kann man das glauben?
Will man einen Versager, der "Wowereit sei eingearbeitet" bezeichnet, dieser Spassbürgermeister hat doch als Aufsichtsrat nur Scheiße gebaut und jetzt soll er zurück kommen. Jeder leitende Mitarbeiter in der freien Wirtschaft wäre sch längst draußen - wahrscheinlich H4, einen solchen wird doch nie mehr, mit Verstand, einstellen.
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