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Berliner Baustelle: Flughafen-Technikchef beklagt "grauenhafte Probleme"

Horst Amann soll das Chaos beim Berliner Großflughafen ordnen. In einem Interview hat der neue Chefplaner jetzt die Probleme auf der Baustelle als "sehr heftig" und "fast grauenhaft" bezeichnet. Wann der Airport eröffnen kann, hält er für ungewiss.

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dapd

Flughafen Berlin Brandenburg: "Die Wahrheit muss auf den Tisch"

Berlin - Die Probleme auf der Baustelle des künftigen Berliner Großflughafens BER sind schwerwiegender als bislang angenommen. Das hat Technikchef Horst Amann nun zugegeben. Im Hessischen Rundfunk nannte er die Schwierigkeiten "grauenhaft". Jetzt gehe es darum, "die Wahrheit auf den Tisch zu legen und zwar schonungslos".

Am Sonntagabend war bekannt geworden, dass auch der Eröffnungstermin im Oktober nicht gehalten werden kann. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit trat am Montag als Flughafen-Aufsichtsratschef zurück. Er übergibt den Posten an Brandenburgs Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD).

Amann ist seit August 2012 Technischer Geschäftsführer der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH - und damit Chefplaner des Projekts. Er gilt als Experte für Großprojekte und kommender starker Mann, da Flughafenchef Rainer Schwarz abgelöst werden soll.

"Hoffentlich habe ich die Reißleine nicht zu spät gezogen"

"Die Probleme sind leider Gottes nach dem, was wir jetzt wissen und was wir sehr mühevoll in den letzten Monaten aufgedeckt haben, heftig, sehr heftig", sagte Amann dem HR. "Und zwar so gravierend, fast grauenhaft, dass die Maßnahmen, die wir jetzt ergriffen haben, notwendig waren", begründete er die Aufgabe des zuletzt geplanten Eröffnungstermins im Oktober. Angesichts der Probleme, habe er die Reißleine ziehen müssen - "ich hoffe, ich habe sie nicht zu spät gezogen".

Auf einen neuen Eröffnungstermin wollte sich Amann nicht festlegen, das Jahr 2014 sei aber "eine gute Nummer". Das Hin und Her über den weiteren Zeitplan begründete er damit, dass viele Mängel nicht unmittelbar erkennbar gewesen seien. "Wir konnten beispielsweise nicht mehrere hunderttausend Quadratmeter Decken aufreißen", sagte der Technikchef.

Jetzt müsse in Abstimmung mit den Behörden festgestellt werden, was planerisch und baulich notwendig sei. Dies werde ungefähr ein halbes Jahr dauern. Erst dann könne voraussichtlich wieder ein Fertigstellungstermin genannt werden.

cte/AFP

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1.
SpitzensteuersatzZahler 08.01.2013
Vielen Dank an das Vergaberecht mit seinen sinnvollen Ausschreibungen und insbesondere die Aufteilung in mehrere Teilgewerke. Wer billig kauft, kauft zweimal. Man sollte die möglichkeit haben, solche Projekte an Profis zu beauftragen mit denen man auch eine Vertragsstrafe für Verzögerungen vereinbaren kann.
2. Wahrheit auf den Tisch
chb_74 08.01.2013
Zitat von sysopdapdEr soll das Chaos beim neuen Berliner Flughafen ordnen: Technikchef Horst Amann. In einem Interview hat der neue Chefplaner die Probleme auf der Baustelle nun als "sehr heftig" und "fast grauenhaft" bezeichnet. Wann der Airport eröffnet werden kann, sei ungewiss. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/ber-grauenhafte-problemen-beim-berliner-flughafen-a-876328.html
Fast schon erfrischend sympathisch, dass ein hochrangiger manager mal sagt, dass die Wahrheit komplett auf den Tisch muss. Normalerweise ist in großen Unternehmen ja die Methode verbreitet, ab Hauptabteilungsleiter bzw. VP die Realitäten zu negieren, Überbringern schlechter Botschaften den Kopf abzuschlagen und dann fröhlich im Wolkenkuckucksheim zu leben, weil einem keiner mehr die Wahrheit berichtet. Nun denn: wenn jetzt endlich tabula rasa gemacht wird, kann man ja anfangen, die Jauchegrube vom Grund her auszumisten und dann realistische Planungen aufzustellen. und wenn es Weihnachten 2016 wird ist es auch o.k., solange dann Weihnachten 2016 auch wirklich eröffnet wird. Dass er ein sauber geplantes (technisch gesehen) Projekt zeitgerecht umsetzen kann hat er ja bei der Nordwest-landebahn in FRA bewiesen - ich wünsche ihm Glück.
3. Wo bleibt der Staatsanwalt ?!
spmc-122226439819235 08.01.2013
Die Allianz der Nichtskönner vulgo Politiker aller Färbungen hat eine Betrag ,bei opjektiver Betrachtung von 5,0 Mrd.€, in den brandenburgischen Sand gesetzt und kein Staatsanwalt hat den Mut Ermittlungen gegen die Verantwortlichen aufzunehmen.Der Straftatbestand der schweren Amtsuntreue gehört langst eingeführt.Diese Leute haben weder Anspruch auf Pension oder Abfindung ,sondern körperliche Arbeit bei ihren Lobbyisten täte mehr als gut und dies soll kein Populismus sein.
4.
critique 08.01.2013
Was ist denn durch das Ziehen der Reissleine passiert? Normalerweise öffnet sich ein Fallschirm. Was meint er?
5. so kommt es...
hastalapasta 08.01.2013
wenn alles schnell gehen muss, man immer weniger Geld und Zeit für eine richtige Planung und Ausschreibung zur Verfügung hat und dann alles irgendwie provisorisch hingerotzt wird. Vielleicht sollte sich die ganze Baubranche inklusive der Bauherrschaft und den Behörden mal kritisch Hinterfragen...
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Großflughafen BER: Das Endlos-Debakel

Berliner Flughafen - eine Chronologie
Die Idee für einen einzigen Berliner Großflughafen, der die Airports in Tegel, Tempelhof und Schönefeld ersetzen soll, entstand bereits kurz nach dem Mauerfall. Doch mehr als 23 Jahre nach der Wende ist der Flughafen noch immer nicht in Betrieb - die Eröffnung muss immer wieder verschoben werden.
Dezember 1991
Die Berlin Brandenburg Flughafen Holding (BBF) wird gegründet. Gesellschafter sind die Länder Berlin und Brandenburg.
Januar 1992
Die Planungen für den Airport starten unter dem Projektnamen Berlin Brandenburg International, BBI.
Juni 1996
Die Gesellschafter entscheiden sich für den Ausbau des Flughafens Schönefeld und die Schließung der Flughäfen Tegel und Tempelhof.
August 2004
Das Genehmigungsverfahren geht zu Ende, im Planfeststellungsbeschluss gibt es grünes Licht für BBI - es kann unter Auflagen gebaut werden. Im Oktober reichen Tausende Gegner beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig Klagen ein.
April 2005
Das Bundesverwaltungsgericht gibt Eilanträgen mehrerer Anwohner statt - und verhängt einen weitgehenden Baustopp bis zu seiner endgültigen Entscheidung. Zulässig sind nur Bauvorbereitungen.
März 2006
Das Gericht genehmigt in letzter Instanz den Bau des BBI unter verschärften Lärmschutzauflagen.
Juli 2008
Der erste Spatenstich für den Flughafen-Terminal wird gesetzt.
Oktober 2008
Nach 85 Jahren Betriebszeit macht der Flughafen Tempelhof dicht.
Juni 2010
Wegen der Pleite einer Planungsfirma und verschärften Sicherheitsbestimmungen wird die für November 2011 geplante Eröffnung des Flughafens auf den 3. Juni 2012 verschoben. Doch auch dieser Termin wird sich nicht halten lassen.
September 2010
Die Deutsche Flugsicherung legt einen ersten Flugrouten-Vorschlag vor. Tausende Betroffene gehen dagegen auf die Straße. Es gibt neue Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss.
Oktober 2011
Das Bundesverwaltungsgericht gibt grünes Licht für nächtliche Flüge in den Randzeiten. Der Airport kann ohne weitere Einschränkungen an den Start gehen.
Januar 2012
Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung legt die Flugrouten fest und folgt im Wesentlichen einem Vorschlag der Fluglärmkommission aus Gemeinde- und Airline-Vertretern. Am Müggelsee geht der Protest weiter. Initiativen kündigen weitere Klagen an.
Mai 2012
Vier Wochen vor dem Termin wird wegen Problemen die Eröffnung des Flughafens wieder abgesagt. In der darauffolgenden Woche verschiebt der Aufsichtsrat die Eröffnung auf den 17. März 2013. Chef-Planer Manfred Körtgen wird entlassen.
Juni 2012
Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg entscheidet, dass die Anwohner des Flughafens ein Recht auf besseren Schallschutz haben. Für die Betreiber bedeutet das weitere Kosten. Am 22. Juni entscheidet der Aufsichtsrat, den Starttermin 17. März erneut zu prüfen und im August darüber zu entscheiden. Der Flughafen soll gut eine Milliarde Euro teurer werden als geplant und insgesamt mehr als vier Milliarden Euro kosten.
September 2012
Der Termin im Frühjahr 2013 wird ebenfalls gestrichen, weil die Arbeiten mehr Zeit brauchen. Der neue Technikchef Horst Amann hält eine Eröffnung des Flughafens Ende Oktober 2013 für machbar. Außerdem fallen mehr Kosten an: Es gibt eine Finanzlücke von rund 1,2 Milliarden Euro, die Berlin, Brandenburg und der Bund gemeinsam füllen müssen. Das Geld soll für Baumaßnahmen, den Lärmschutz und Mehrkosten durch die Verschiebung ausgegeben werden. Damit sind die Gesamtkosten auf rund 4,3 Milliarden Euro gestiegen.
Dezember 2012
Mehrere Gutachten werden bekannt, laut denen der Flughafen für die Zahl der erwarteten Passagiere zu klein geplant ist. Sowohl die Check-in-Schalter als auch die Gepäckbänder sollen schon bei der Inbetriebnahme des Flughafens voll ausgelastet sein.
Januar 2013
Wowereit kündigt an, das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden der Flughafengesellschaft an Platzeck abzugeben, nachdem der neue Technikchef Horst Amann den Eröffnungstermin im Oktober 2013 als nicht mehr haltbar bezeichnet hat. Auf einer vorgezogenen Aufsichtsratssitzung am 16. Januar soll auch über eine mögliche Ablösung von Flughafen-Chef Rainer Schwarz beraten werden. Grund für die neuen Verzögerungen sollen Medienberichten zufolge Baufehler insbesondere beim Brandschutz sein.

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