Hauptstadtflughafen BER Hier fliegt so schnell keiner

Beim Chaos um den Hauptstadtflughafen gibt es keine Steigerung? Leider doch. Jetzt scheitert der Aufsichtsrat an der Absetzung des Geschäftsführers Mühlenfeld. Der bleibt ohne jede Autorität zurück.

BER-Flughafenchef Karsten Mühlenfeld
DPA

BER-Flughafenchef Karsten Mühlenfeld

Ein Kommentar von


Eines muss man den Regierungen von Berlin und Brandenburg und den Verkehrspolitikern des Bundes lassen - konsequent sind sie. Trotz breiter Kritik der Öffentlichkeit, trotz der haarsträubenden Berichte über Versäumnisse, Schlampereien, Planungschaos und mangelnde Aufsicht am Pannenflughafen BER in der Vergangenheit setzen sie ihren Kurs unbeirrt fort. Und richten weiter Schaden an, wo es nur geht. Jüngstes Beispiel: die Hängepartie um den Geschäftsführer Karsten Mühlenfeld.

Der Aufsichtsrat hatte in der Nacht zum Donnerstag seine Beratungen über dessen Schicksal ohne Ergebnis vertagt, weil sich die Beteiligten nicht einig werden konnten, ob sie dem Manager noch vertrauen wollen. Am Montag will man sich wieder treffen, um vielleicht dann eine gemeinsame Linie zu finden.

Das Ergebnis ist aber schon vorgezeichnet. Denn eine andere Möglichkeit als die Auflösung des Vertrags ist gar nicht mehr denkbar. Nach der öffentlichen Schlammschlacht um Mühlenfelds angebliche Verfehlungen dürfte er den wesentlichen Teil seiner Autorität eingebüßt haben. Wie viele Mitarbeiter - deren Vertreter übrigens im Aufsichtsrat zu großen Teilen für eine Ablösung gestimmt haben - werden nun noch auf seine Anweisungen hören? Welche Vertragspartner sollen ihn noch ernst nehmen?

Der Grund für einen Rausschmiss? Nicht erkennbar

Den am Bau beteiligten Betrieben, wahrlich nicht für ihre Effizienz bekannt, dürften Ermahnungen von ihrem angeschossenen Auftraggeber nur noch ein müdes Lächeln abringen, aber keine Motivation zu schnellerer und sorgfältigerer Arbeit. Im günstigsten Fall wird Mühlenfeld künftig einfach ignoriert, im schlimmsten Fall durch gezielte Indiskretionen öffentlich fertiggemacht.

Der missglückte Rausschmiss ist gleich in mehrerlei Hinsicht eine Katastrophe. Da ist zum einen die Art, wie mit einem Manager umgesprungen wird, der seinerseits - anders als sein Vorgänger - bislang auf Foulspiele verzichtet hat. Hinzu kommt, dass bis jetzt noch nicht einmal klar geworden ist, welchen Bock der Mann geschossen haben soll, der so schwerwiegend wäre, das er einen Rausschmiss rechtfertigen würde. Sachliche Fehler sind es jedenfalls nicht gewesen, das bescheinigen ihm selbst seine Gegner. Die Zahl der Missgriffe unter der Ägide von Hartmut Mehdorn war jedenfalls wesentlich größer.

Fotostrecke

18  Bilder
BER: Die peinlichsten Pannen

Offensichtlich war es in erster Linie ein Mangel an Beflissenheit, der Anstoß bei den hohen Herren im Aufsichtsrat erregte. Und dann ignorierte Mühlenfeld auch noch den Rat, am bislang wenig überzeugenden Bauleiter Jörg Marks festzuhalten. Welch Respektlosigkeit! Mühlenfeld habe nicht verstanden, dass er ein Unternehmen in Staatsbesitz leite und kein privatwirtschaftliches, monieren seine Kritiker - als ob dieser Unterschied betriebswirtschaftliche Axiome außer Kraft setzte.

Welcher klar denkende Mensch würde hier anheuern?

Das zweite Problem, das sich die Hauptstadt-Flughafenbauer am Mittwochabend eingehandelt haben, betrifft die Suche nach einem Nachfolger. Wer, der halbwegs bei Sinnen ist, würde sich noch auf ein Abenteuer an der Spitze der Berliner Flughafengesellschaft einlassen? Auf eine schier unlösbare Aufgabe und einen vollkommen unberechenbaren Aufsichtsrat?

Das dritte Problem besteht in der Verlängerung der ohnehin bereits unendlich scheinenden Hängepartie am BER. Bereits jetzt wagt kaum noch ein Beteiligter, einen Eröffnungstermin vorherzusagen. Mitte 2017 gilt als Illusion, Ende 2018 als ambitioniert. Aber genau weiß das keiner. Die Nichtentscheidung vom Mittwoch wirft den Bau nochmals zurück. Im Moment kann man gar nicht fragen, wann der Hauptstadtflughafen eröffnet - sondern nur, wer die nächste Verschiebung verkündet.

insgesamt 80 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
fd2fd 02.03.2017
1.
Der Bau sollte abgebrochen, die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen und die Baustelle als Mahnmal für Unfähigkeit (der Berliner Bundes- und Landespolitik), Geldverbrennung und Betrug brach liegen gelassen werden. Da unsere Politiker immer weiter machen wollen, sollte es hierzu eine Volksabstimmung geben.
werner-xyz 02.03.2017
2. Also ich mach den Job
Bin seit vielen Jahren im öffentlichen Dienst, mach auch viele Projekte, und habe keinen Ruf zu verlieren. Wenn ich dann eine ordentliches Gehalt eingesteckt habe, darf man mich gerne wieder an meinen bisherigen Arbeitsplatz zurück versetzen.
benuron 02.03.2017
3. System
Es kann doch keiner mehr glauben, dass diese Spielchen nicht nach System ablaufen. Kaum hat sich ein Verantwortlicher halbwegs in die Materie eingearbeitet und sowas wie einen Überblick erlangt, wird er diskreditiert und am Ende als unmöglich abgesetzt und das Spiel geht von vorne los. Allerdings würde ich den Job schon machen. Die Kohle abgreifen und dann zur Ruhe setzen klingt gar nicht mal so schlecht. Und noch schlechter kann ich den Job eigentlich auch nicht machen. Cui bono? Na, da verdienen doch genug ganz anständig dran. Und es ist ja niemandes Geld, das da verteilt wird. Der Steuerzahler? Kennt den jemand? Nein? Also, niemandes Geld.
INGXXL 02.03.2017
4. kein erfolgreicher Managet
wird sich das antun. Wieder ein Beispiel das der Staat nicht wirtschaften kann. Warum verkauft man BER nicht für 2 Euro an FRAPORT. I'm Aufsichtsrat keine Politiker sondern nur erfolgreiche Manager.
tailspin 02.03.2017
5. Prima Idee
Ich wuerde allerdings vorschlagen, den Bau nur halb abzubrechen. So wie die Gedaechtniskirche.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.