Abgesagter Flughafen-Testbetrieb "Der Nimbus von Herrn Mehdorn verblasst"

Erst wollte Hartmut Mehdorn den Testbetrieb am Berliner Flughafen - viele Verbündete hatte der Airport-Chef dabei nicht. Nun hat er das Vorhaben abgesagt, doch auch die Kehrtwende wird für ihn zum Problem. Der Unmut über den Hauruckmanager wächst.

Flughafenchef Mehdorn: Schuld sind immer die anderen
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Flughafenchef Mehdorn: Schuld sind immer die anderen

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Berlin - Aus Sicht von Hartmut Mehdorn ist ganz klar, wer die Verantwortung für den neuerlichen Fehlschlag am Hauptstadtflughafen BER trägt: der Aufsichtsrat. "Ich habe nach intensiven Gesprächen mit unseren drei Gesellschaftern in den zurückliegenden Tagen den von uns angestrebten Elchtest im BER-Nordpier abgesagt", begründete er seinen Mitarbeitern in einem internen Memo seinen erneuten Kurswechsel. Es sei "mehr als bedauerlich, dass wir diese Chance, die technischen Systeme und Prozesse in kleinem Maßstab vor der BER-Eröffnung durchzuchecken, nun verstreichen lassen".

Von den vielen Ideen, die der umtriebige Manager seit seinem Amtsantritt vor gut einem Jahr ins Gespräch brachte, um die Malaise auf der Baustelle zu beenden, war der Probebetrieb am Nordpier seine liebste. Entsprechend groß ist die Blamage, die jetzt mit der Absage einhergeht.

"Das von Mehdorn ausgerufene Beschleunigungsprogramm Sprint ist zu einem Orientierungslauf geworden, bei dem keiner einen Kompass dabei hat", ätzt Stephan Kühn, der die Grünen im Verkehrsausschuss des Bundestags vertritt. Es müsse endlich Schluss damit sein, dass Mehdorn ständig neue Säue durchs Dorf treibe. Das Scheitern des Nordpier-Plans sei vorauszusehen gewesen, ergänzte Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter. Mehdorn habe das Projekt groß angekündigt, aber nicht dafür gesorgt, dass die erforderlichen Genehmigungen erteilt wurden. "Was soll ein Aufsichtsrat dann denn entscheiden?"

Verweis auf den Aufsichtsrat

Tatsächlich war es keineswegs der zögerliche Aufsichtsrat, der den Probebetrieb torpedierte, sondern es waren Probleme mit der Genehmigungsbehörde. Das räumt Mehdorn sogar selbst ein, allerdings nur in einem Schreiben, das er zwei Tage zuvor an Aufsichtsratschef Klaus Wowereit geschickt hatte. Zwar betonte Mehdorn darin auch, dass er für seinen Probetrieb im Aufsichtsrat "keine breite und offene Zustimmung" gefunden habe. Als entscheidenden Grund nennt er jedoch, dass die notwendigen Genehmigungen erst Ende März vorliegen würden. "Dieser Termin wäre aber für die Investitionsentscheidung und Umbaumaßnahmen am Pier Nord und einem etwa dreimonatigen Flugbetrieb ab Juli und damit insgesamt vor der Wintersaison nicht ausreichend."

Kein Wunder also, dass sich die Aufsichtsräte zu Unrecht an den Pranger gestellt sehen. "Dort war man von Anfang an keineswegs überzeugt von der Idee", erklärt ein Insider. Er betont, dass man das Vorhaben wohl unterstützt hätte, wenn Mehdorn die Voraussetzungen dafür geschaffen hätte. "Die Baugenehmigung zu besorgen, war aber Sache von Herrn Mehdorn, nicht die des Aufsichtsrats."

Bislang jedoch fehlt selbst für den Bau in seiner ursprünglichen Bestimmung das behördliche Plazet. Das Bauamt hat nämlich ernste Zweifel, ob der Brandschutz dort den Anforderungen genügt.

Doch noch ist die Distanz nur zwischen den Zeilen der offiziellen Statements zu lesen. Oberaufseher Wowereit nimmt die Absage des Nordpier-Testbetriebs kühl "zur Kenntnis". Ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums zuckt auch nur mit den Schultern: "Was soll man dazu sagen?", fragt er. Es gibt keinen Testbetrieb - aber es gibt auch kein schlüssiges Konzept, wie der gesamte Flughafen eines Tages in Betrieb gehen soll.

Direkte Kritik an Mehdorn ist dagegen noch nicht offiziell zu hören. Doch inzwischen hat sich bereits eine Menge Unmut angesammelt über jemanden, der ständig mit neuen Drehungen und Wendungen aufwartet und dabei offensichtlich kaum etwas voranbringt. "Der Nimbus von Herrn Mehdorn verblasst allmählich", analysiert ein Beobachter. Mehdorns Strategie, auch kleine Fortschritte als Erfolg zu verkaufen, verfange immer weniger.



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insgesamt 47 Beiträge
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joseffussem 21.02.2014
1. Mehdorn war schon immer ein Blender und
Hochstapler. Er hat Politikern und manchen Journalisten erfolgreich vorgegaukelt , ein erfolgreicher Sanierer zu sein. Dabei bedient er sich der Methode der Betrüger aus des "Kaisers neuen Kleidern": wer die goldenen Gewändern nicht sieht, der sei zu dumm und untauglich für sein Amt, wird den Leichtgläubigen eingeredet. Deswegen preisen Minister und Kaiser die Kleider, die sie gar nicht sehen. Bis das Kind ruft: aber der Kaiser ist ja nackt. Liebe Leute: Mehdorn hat Heidelberger Druck fast ruiniert, die Bahn um ein Haar für einen Appel und ein Ei an Investoren verscherbelt, bei AirBerlin nichts bewegt und nun bei BER erneut nur Schaum geschlagen. Nackter geht nicht!
rentner2012 21.02.2014
2. Alternative
Herrn Mehdorn hätte man schon vor 15 Jahren eine Stelle im Steinbruch zuweisen sollen, damit wäre vielen Leuten Arbeitslosigkeit und Not erspart geblieben. Wer diesem selbsternannten Hauruckmanager nochmals eine Psotion an verantwotlicher Stelle ermöglicht handelt unsozial und kann gleich mt im Steinbruch anheuern, gilt auch für Gewerkschaftler.
volker_morales 21.02.2014
3. Nimbus?
Weshalb hat man Mehdorn eigentlich verpflichtet, als Erlöser, der Wasser zu Wein wandelt? Vielleicht hätte man OB Sauerland a.D. engagieren soll, der weiß wie man eine Genehmigung für ein an sich nicht genehmigungsfähiges Projekt erhält. Notfalls nimmt man noch zwei bis drei osteuropäische Unterstützungskräfte hinzu und besucht die zuständigen Beamten zuhause, um ihnen die Dringlichkeit des Anliegens noch einmal näher zu erläutern und schwups, schon ist der Drops gelutscht.Ich weiß wirklich nicht, wo da das Problem sein soll...
ludwig49 21.02.2014
4. Wer entsorgt Mehdorn?
Die Überschrift ist provokativ und gilt nicht nur für Mehdorn allein. Manager werden weiter gereicht, ebenso wie Politiker. Sachkenntnis ist nicht erforderlich. Der Berliner Flughafen hat längst eine Dimension erreicht, die weder einen Politiker noch einen Mehdorn verträgt. Entweder findet sich ein Spezialistenteam für dieses Schrott-Objekt, oder man reißt es ab.
exminer 21.02.2014
5. Was sagte ein weiser General?
Mein wichtigstes Personal sind die Uffz. Ein Mann der jeden Fortschritt für sich reklamiert und eine Schwäche beim koordinieren zeigt, ist schlimmer als ein Amateur. Wir haben zu viele Schauspieler und Leerstrohdrescher. Und unabhängig von der Qualität des Personals sind Großprojekte ist die Republik anscheinend überfordert. Nicht nur in technischer, sondern besonders in kaufmännischer Hinsicht.
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