Hauptstadtflughafen BER "Ein Abriss wird nicht nötig sein"

Ein TÜV-Bericht nährt erneut Zweifel, dass der Hauptstadtflughafen vor 2020 den Betrieb aufnehmen kann. Dabei ist die Technik nicht einmal das größte Problem, mit dem Flughafenchef Lütke Daldrup zu kämpfen hat.

Tower der Deutschen Flugsicherung vor dem Terminal des Hauptstadtflughafens
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Tower der Deutschen Flugsicherung vor dem Terminal des Hauptstadtflughafens

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Die Grafische Animation auf der Webseite des Hauptstadtflughafens malt die Zukunft in ein paar Strichen. Ein zweites Terminal, Flugsteige an der Süd- und an der Nordseite - und schon können dereinst weitere Millionen von Fluggästen von hier aus auf die Reise gehen, entspannt, frohgemut und ohne Probleme. Schöne neue Welt.

Das Problem: Was die PR-Strategen in rosigen Farben ausmalen, ist reine Zukunftsmusik. Aktuell ist noch nicht einmal die erste Ausbaustufe in Betrieb, die der damalige Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit vor mehr als fünf Jahren eigentlich mit einer pompösen Feier hatte einweihen wollen. Und es dürfte noch eine ganze Weile so bleiben, wenn die Prüfer des TÜV Rheinland mit ihrer Analyse richtig liegen. In dem Statusbericht von Mitte November, der jetzt bekannt wurde, monieren sie gravierende Defizite bei den Brandschutzanlagen im sogenannten Main Pier Nord.

Betroffen seien unter anderem die Entrauchungssteuerung, die Sprinkleranlagen und die Brandmeldeanlage. Eine "Wirksamkeit und Betriebssicherheit" sei "nicht gegeben", zitiert der "Tagesspiegel" aus den Dokumenten. Teilweise gebe es "systemische Mängel", was bedeutet, dass sich ähnliche Probleme möglicherweise auch in anderen Teilen des Terminals finden. Der Umfang der Mängel wecke große Zweifel, ob der aktuelle Terminplan, der einen Abschluss der Sanierungsarbeiten bis zum 31. August 2018 vorsieht, noch eingehalten werden kann.

SPIEGEL ONLINE, dpa

Wohl eher unfreiwillig gibt der Kommunikationschef des BER, Stefan Hönemann, den Gerüchten mit einer Pressemitteilung neue Nahrung, die den TÜV-Bericht wortreich als simplen Zustandsbericht darstellt. Tenor: "Es ist noch einiges zu erledigen, aber wir sind auf dem Weg."

Besser entkernen

Das sehen andere kritischer. Jörg Stroedter, der sich in der Berliner SPD einen Ruf als Flughafen-Experte erarbeitet hat, macht sich inzwischen sogar "ernsthafte Sorgen", ob die technischen Einrichtungen des Flughafens überhaupt zum Laufen gebracht werden können. Wenn schon der Pier-Nord vom TÜV dermaßen skeptisch beurteilt werde, "wie sieht es dann erst mit der Haupthalle und den anderen Bereichen des Terminals aus?" Besser wäre es gewesen, man hätte gleich auf ihn gehört und das Gebäude entkernt, sagte Stroedter dem "Tagesspiegel". "Dann wäre der BER längst eröffnet und weniger teuer geworden."

Mit dieser Überzeugung bleibt Stroedter allerdings vorerst allein. "Ein Abriss wird nicht nötig sein", widerspricht ein Experte, der die monatlichen TÜV-Berichte kennt, und nicht namentlich zitiert werden möchte. Die Mechanik, also die Klappen, Rohre und Kamine zum Abzug des Rauchs würden inzwischen funktionieren. Jetzt müsse nur noch die elektronische Steuerung richtig abgestimmt werden.

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BER: Die peinlichsten Pannen

Das heißt allerdings keineswegs, dass es nur noch um Kleinigkeiten geht. Denn noch haben die Softwareingenieure ein umfangreiches Programm vor sich. Die größte Aufgabe stellt zweifelsohne die Haupthalle dar, in der sich in Spitzenzeiten besonders viele Menschen aufhalten sollen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Sicherheitsbereiche mitunter komplizierte Fluchtrouten nötig machen. Homer hätte seinen Sisyphos in der heutigen Zeit zur Strafe an ein Computerterminal gefesselt und ihm die Aufgabe gegeben, die Software für eine Entrauchungsanlage wie die des BER zu schreiben.

Komplizierte Elektronik

Die Aufgabe wird für die Programmierer übrigens mit fortschreitender Dauer der Sanierung komplizierter. Man muss sich nur klar machen, dass Server und andere Hardware für das Steuerungssystem zum großen Teil aus den Jahren vor 2012 stammen. Jeder, der einmal versucht hat, das Betriebssystem seines alten Rechners oder Handys auf den neuesten Stand zu bringen, weiß, welche Komplikationen daraus erwachsen können.

Zu allem Überfluss hat die Flughafengesellschaft mit einigen strukturellen Problemen zu kämpfen, die den Fortgang der Arbeiten verzögern. So lassen sich die federführenden Unternehmen auf der Baustelle - Siemens, Bosch, T-Systems, der Gebäudetechniker Caverion und Imtech-Nachfolger Rom - nach der tatsächlich anfallenden Arbeit bezahlen und nicht projektbezogen. Ganz wie der Betonbauer, der einen Lohn auf Stundenbasis kassiert. Wie der Bericht eines externen Rechnungsprüfers von Januar 2017 zeigt, hat sich das Auftragsvolumen allein für Siemens im Vergleich zum Ursprungsauftag fast verzehnfacht. Sanktionen für versäumte Fristen gibt es nicht. Für keine der großen Vertragspartner. Welchen Grund gäbe es also, sich mit den Arbeiten zu beeilen?

SPIEGEL TV Magazin - Flughafen Berlin-Brandenburg (06.08.2017)

Von seinen Mitarbeitern im mittleren Management kann BER-Chef Engelbert Lütke Daldrup keine engagierte Unterstützung erwarten, obwohl sie doch dafür zuständig wären, den Fortgang der einzelnen Arbeitsschritte zu forcieren und zu koordinieren. "Das sind Manager, die ein Jahresgehalt von 150.000 bis 200.000 Euro kassieren, aber nur bis zum Ende der Bauphase", erklärt ein Insider. Danach müssten sie mit ihrer Entlassung rechnen. Auch das wirft Fragen nach dem Anreiz zum Fertigwerden auf.

Die Störfeuer aus der Politik haben ebenfalls nicht abgenommen. Eigentlich hätte man Ruhe an dieser Front erwarten können, denn anders als sein überraschend entlassener Vorgänger Carsten Mühlenfeld hat Lütke Daldrup beste Verbindungen, zumindest nach Berlin. Trotzdem gelang es ihm nicht, seinen Wunschkandidaten Carsten Wilmsen als Geschäftsführer für den Flughafenbau durchzusetzen. Wilmsen hätte den Bau vorantreiben und die Erweiterungen in Angriff nehmen sollen. Doch am Ende fand sich im Aufsichtsrat keine Mehrheit für den Münchner.

Sollte es Lütke Daldrup unter all den Umständen gelingen, den BER bis zum Spätsommer an den Start zu bringen, dann könnte man tatsächlich von einem Wunder sprechen.

Zusammengefasst: Der Zeitplan für den neuen Hauptstadtflughafen gerät weiter unter Druck. Denn der TÜV Rheinland hat wesentliche Mängel in einer Reihe von sicherheitsrelevanten Anlagen für den Brandschutz aufgedeckt. Doch BER-Chef Lütke Daldrup hat noch ganz andere Probleme: Er muss Leute antreiben, die überhaupt keinen Grund haben, schneller zu arbeiten.

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insgesamt 122 Beiträge
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Seite 1
harry099 23.11.2017
1. haftet irgendwer für diese fehlleistungen?
z.b. aufsichtsrat, geschäftsführer?
genugistgenug 23.11.2017
2. Eröffnungsjahr die Summe der bisherigen Jahreszahlen
1. der BER bleibt so wie er ist 2. der aktuelle BER wird einfach überbaut - dazu werden große Druckzylinder (wie Wagenheber aufgestellt) 3. der Neu/Überbau erfolgt durch ein chinesisches Unternehmen innerhalb von 3 Jahren 4. am Eröffnungstag versammeln sich die für den alten BER verantwortlichen Politiker/Bürokrateten im alten BER unter dem neuen BER 5. der neue BER wird auf Straßenniveau runtergelassen, der alte BER so kontrolliert tieferfgelegt und so zusammen mit der Bauelite für alle Zeiten konserviert - wie bei den Ägyptern als die Baumeister auch in der Pyramide, usw. geblieben sind und diese von innen zumauerten ;-)
Overseasreader 23.11.2017
3. Es ist schon soviel
seitens der Presse und den Kommentatoren gechrieben worden, dass man sich wirklich fragt, wer diesen Unfug des Berliner Flughafen zu verantworten hat. Es muss doch moeglich sein im Interesse des Steuerzahlers, der diesen Wahnsinn letzlich bezahlen muss, den oder diejenigen auszumachen, die dafuer gerade stehen muessten, angefangen bei Herrn Wowereit, der sich meines Erachtens als ihm das Wasser schon bis zum Halse stand, schleungst aus dem Staube machte.. Zusaetzlich sollte es Gesetze geben, die diese Art monitaeren Leichtsinns unter harte Strafe stellen. Veilleicht sollte genau dieses Thema bei der neuen Regierungsbildung in Berlin ganz oben stehen.
pit.duerr 23.11.2017
4. Wenigstens
arbeitet der BER einigermaßen Klimaneutral. Hat schließlich auch einen Effekt.
pit.duerr 23.11.2017
5.
Zitat von harry099z.b. aufsichtsrat, geschäftsführer?
Nöö, nur der Steuerzahler !!
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