Berechnung der Finanzaufsicht Bankenabgabe brächte in Deutschland Milliarden

Die Amerikaner preschen vor - nun wird auch in Deutschland nachgerechnet: Eine Bankenabgabe nach US-Vorbild würde hierzulande eine Milliardensumme in die Staatskasse spülen. Dies ergibt nach SPIEGEL-Informationen eine Analyse der Finanzaufsicht. 32 Konzerne wären betroffen.

Finanzviertel in Frankfurt am Main: Belastung für Deutsche Bank und Commerzbank
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Finanzviertel in Frankfurt am Main: Belastung für Deutsche Bank und Commerzbank


Hamburg - Es gibt kein politisches Konzept, aber die zuständigen Stellen haben schon mal alles durchgerechnet: Von einer Bankenabgabe nach amerikanischem Vorbild wären in Deutschland 22 Kreditinstitute und 10 Versicherungen betroffen. Das hat nach SPIEGEL-Informationen eine Erhebung der Bundesbank und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht im Auftrag des Finanzministeriums ergeben.

Belastet würden neben der Deutschen Bank Chart zeigen auch die Commerzbank Chart zeigen sowie die Landesbanken. Unter den Versicherungen würde es vor allem die Allianz Chart zeigen treffen. Insgesamt käme in Deutschland durch eine Bankenabgabe nach US-Vorbild ein einstelliger Milliardenbetrag als zusätzliche Staatseinnahme zusammen.

In den USA soll die Bankenabgabe grundsätzlich ab einer Bilanzsumme von umgerechnet 35 Milliarden Euro gelten. Der Abgabesatz beträgt 0,15 Prozent. Auf diese Weise will die Regierung von Präsident Barack Obama die Finanzbranche an den Folgekosten der Finanzkrise beteiligen.

Offiziell ist eine Kopie des amerikanischen Modells für Deutschland nicht geplant. Die Bundesregierung hat lediglich angekündigt, ein eigenes Modell zu entwickeln, mit dem die Finanzinstitute für die Kosten künftiger Krisen haftbar gemacht werden sollen. Allerdings ist es durchaus bemerkenswert, dass das Finanzministerium eine Berechnung anstellen lässt, die exakt den US-Vorgaben entspricht.

"Viele führen sich wie Zocker auf"

Selbstkritische Stimmen kommen aus der Finanzindustrie selbst. Im SPIEGEL-Interview beklagt der Chef der ING Diba Chart zeigen, Ben Tellings, eine Zockermentalität seiner Branche. Als Konsequenz aus der Finanzkrise fordert er "eine Kombination aus schärferer Regulierung und Selbstdisziplin". Außerdem müsse man "das Investmentbanking vom großen Geldkreislauf abkoppeln. Nur so ließe sich verhindern, dass es die Welt wieder in eine so allumfassende Krise stürzen kann."

Tellings sagte, er sei generell "total überrascht, dass so wenige zur Rechenschaft gezogen werden angesichts ihrer Verantwortung für die Krise". Außerdem würden "die alten gefährlichen Finanzprodukte schon wieder weltweit verkauft. Und schon wieder lassen sich viele Anleger Dinge andrehen, die sie gar nicht verstehen und brauchen."

Weiter sagte der Bankchef: "Eigentlich sind wir Banker doch Treuhänder des Vermögens unserer Kunden. Stattdessen führen sich viele in meiner Branche auf wie Zocker, aber in einem ganz neuen Sinn: Denn sie müssen ja nicht haften, stecken gutes Geld ein und können im Prinzip nur gewinnen." Das Einzige, was auf dem Spiel stehe, seien "Integrität und Reputation - doch deren Verlust scheint man gern in Kauf zu nehmen".

wal



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Seite 1
AndyH 23.01.2010
1.
Zitat von sysopWeniger Eigenhandel, eine Strafsteuer und - im Extremfall -Zerschlagung: US-Präsident Barack Obama will die Banken zügeln. Braucht die Finanzbranche wirklich mehr Regulierung?
Ja, braucht. Und ja, Obama wird auch damit scheitern.
Klaus.G 23.01.2010
2. Nix mit Regulierung
solange die Parteien am Tropf der Banken hängen und von deren Spenden abhängig sind wird sich nie was ändern. Alle außer der Linken werden gut dotiert und darum wird sich nix ändern denn dann würde man den Banken in die Quere kommen was ja niemand will.Auch Obama wird scheiten, zu groß die Macht der Banken und deren Verflechtung mit der Politk. Glückauf.
soziale qualität 23.01.2010
3. Ein bisschen regulieren wird nicht reichen
Um aus der Boom - Krise - Falle auszubrechen wird es klare Grenzen brauchen. Ganz wichtig wäre ein Verbot der Kickbacks und Boni. Die Banker haben sich mit diesen 'Tools' eine Schmiergeldlegalisierung herausgenommen die sich zum erfolgreichen Erpressungswerkzeug entwickelt hat. Es wird auch eine Steuer auf internationalen Finanztransaktionen brauchen und einen globalen Plan zur Austrocknung der Steueroasen. Weitere wichtige Grundlagen zum Thema: www.oekonomiefueralle.blogspot.com
Adran, 23.01.2010
4.
ist nur die Rückkehr zum *Glass-Steagall Act* klick (http://de.wikipedia.org/wiki/Glass-Steagall_Act) also nichts neues, sondern ehr sehr altes..bewertes..
Jordan Sokoł 23.01.2010
5. Die Zerschlagung droht so oder so!
Zitat von sysopWeniger Eigenhandel, eine Strafsteuer und - im Extremfall -Zerschlagung: US-Präsident Barack Obama will die Banken zügeln. Braucht die Finanzbranche wirklich mehr Regulierung?
Bezogen auf unsere bundesdeutschen Verhältnisse, muß den Bankmanagern und deren Unterstützern in der Politik klarge- macht werden, daß sie unter Umständen von einem entfessel- ten Volk (z)erschlagen werden, wenn sie sich nicht endlich vernünftigen Beschränkungen und strafbewährten Regeln unterwerfen. Unsere Bundeskanzlerin kann sich bezüglich ihrer unver- zeihlichen Zurückhaltung gegenwärtig nur auf ein einziges Argument berufen: "Ich/wir halten uns zurück, bis die Verursacher der Finanzkrise (USA, GB) regelnd in die Finanzmärkte eingreifen." Frau Merkel, die USA, England und Frankreich sind im Gegen- satz zu Ihnen sichtlich bemühter, um dem ausufernden Ge- schäftsgebaren der Finanzmanager die notwendigen Stop- zeichen vor die Nasen zu setzen. - Nun lassen Sie mal den Koch mit seinen bewußt nicht publizierten bankspezifischen Regionalinteressen rechts liegen und besinnen sich auf das Wohl des Volkes in seiner Gesamtheit! Jordan Sokoł
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