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Berichte über EU-Rettungsaktion: Europa fürchtet spanischen Banken-Crash

Spanien entwickelt sich zu Europas größtem Sorgenkind. Mehrere Zeitungen berichten, die EU könnte der Regierung in Madrid bald Hilfsgelder aus dem 750-Milliarden-Euro-Paket gewähren. Die Beteiligten dementieren das - doch die Angst vor einem Banken-Crash in Südwesteuropa wächst.

Spanien: Rote Fahnen, scharfer Streit Fotos
DPA

Hamburg - Immobilienkrise, Bankenkrise, Rekordarbeitslosigkeit, Generalstreiks gegen wichtige Regierungsreformen: Spanien entwickelt sich immer stärker zu Europas Sorgenkind Nummer eins. Anleger fürchten, Spaniens Bankensystem könnte zusammenbrechen und Schockwellen durch die internationalen Finanzmärkte jagen.

Viele Beobachter stellen sich nun die Frage: Was macht die Europäische Union? Begutachtet sie die Reformbemühungen im Südwesten Europas nur mit wachsender Sorge? Oder berät sie bereits über Möglichkeiten, den 750 Milliarden Euro schweren Schutzschirm für notleidende Staaten zu aktivieren, falls die Regierung in Madrid die Kontrolle über die Krise verlöre?

Die Nachrichtenlage ist in diesem Punkt uneinheitlich: Mehrere Zeitungen haben in den vergangenen Tagen berichtet, die EU-Länder bereiteten sich darauf vor, Spanien notfalls mit Krediten zu helfen, um die sich verschärfende Finanz- und Schuldenkrise in den Griff zu bekommen.

Am Freitag schrieb die "Financial Times Deutschland" ("FTD), falls sich die Probleme im Bankensektor Spaniens verschärften, solle Madrid Kredite aus dem 750-Milliarden-Euro-Schirm erhalten. Am Samstag berichtete die "Süddeutsche Zeitung" ("SZ"), die EU-Länder diskutierten, wie der Regierung in Madrid im Krisenfall geholfen werden könne. Am Montag schrieb die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ("FAZ"), sowohl die Spitze der EU-Kommission als auch die Europäische Zentralbank (EZB) schlössen eine Unterstützung für Spanien nicht aus. "Wir werden in der kommenden Woche in Brüssel Gespräche dazu führen", zitierte die Zeitung Berliner Regierungskreise.

Gerüchte werden offenbar vor allem in Deutschland gestreut. Die spanische Tageszeitung "El Mundo" zitiert in einem Bericht zum Thema nur nüchtern "FTD" und "FAZ". Eigene Einschätzungen gibt sie nicht.

Spaniens Bankensektor wird auf den Kopf gestellt

EU und Bundesregierung dementieren die Meldungen über eine bevorstehende Rettungsaktion für Spanien. SPIEGEL ONLINE erfuhr am Montag aus Regierungskreisen, man sehe keine Anzeichen, dass die spanische Regierung den Euro-Rettungsschirm in Anspruch nehmen wolle. Entsprechende Signale aus Madrid habe es bislang nicht gegeben. Ein Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn sagte: "Wir haben keinen Plan in Vorbereitung." Es gebe keine Anfrage aus Madrid.

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Spaniens Regierung unter Druck: Die Krise in Zahlen
Ein Sprecher des spanischen Wirtschaftsministeriums hatte bereits am Freitag gesagt, man habe die EU nicht um Hilfe gebeten - und werde das auch nicht tun. Ähnliche Äußerungen hatte es allerdings im Frühjahr auch in Griechenland gegeben, bevor die Athener Regierung die EU-Partner dann doch noch um Hilfe bat.

Trotz aller Dementis: Unter den Finanzministern der sieben wichtigsten Industrienationen (G 7) gibt es offensichtlich dringenden Gesprächsbedarf. Nach Angaben aus dem Umfeld von Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker wollen sie am Montagnachmittag telefonisch konferieren. Nach ergänzenden Angaben könnte über Spanien gesprochen werden. In Brüssel war zunächst weder eine Bestätigung für die Konferenz noch für deren Inhalte zu erhalten.

Und so widersprüchlich die Angaben über mögliche EU-Hilfen sind: Die Sorgen vor einem systemrelevanten Crash in Europas Südwesten sind durchaus begründet. Spaniens Bankensektor wird derzeit auf den Kopf gestellt. Nach dem Platzen der Immobilienblase sitzen die Institute massenhaft auf faulen Krediten. Die spanische Notenbank schätzt den Abschreibungsbedarf der Geldhäuser auf bis zu 123 Milliarden Euro.

Kaum jemand weiß genau, bei welchen Banken die größten Bilanzbomben liegen, da die Institute ihren jeweiligen Abschreibungsbedarf kaum transparent machen. Das Vertrauen ist massiv gestört, Spaniens Banken leihen sich untereinander kaum noch Geld.

Zahlreiche Institute wollen nun fusionieren, um sich gegen Ausfälle besser abzusichern - als Gegenleistung sollen sie Milliarden aus dem nationalen Hilfsfonds für notleidende Banken bekommen. Dieser kann laut "FAZ" auf bis zu 99 Milliarden Euro ausgeweitet werden.

Banken- würde Schuldenkrise befeuern

Ob eine Bankenkrise abgewendet werden kann, ist dennoch unsicher. Denn die spanische Regierung würde massiv Probleme bekommen, müsste sie den maroden Bankensektor mit Milliarden stützen.

Zwar liegt die spanische Gesamtverschuldung mit 53,2 Prozent unter dem EU-Durchschnitt, doch das Defizit hat sich 2009 mehr als verdoppelt - auf gut zehn Prozent. Die Regierung in Madrid hat enorm viele neue Schulden gemacht, um die volkswirtschaftlichen Folgen des Immobilien-Crashs und der hohen Arbeitslosigkeit zu begrenzen.

Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero hat derzeit alle Hände voll zu tun, Spaniens Schuldenproblem in den Griff zu bekommen. Er muss signalisieren, dass sein Land ein verlässlicher Schuldner ist. Ende Mai hatte die Agentur Fitch die Kreditwürdigkeit Spaniens um eine Note auf AA+ herabgestuft.

Laut einer Prognose der Bank Unicredit muss die Regierung in Madrid bis Ende 2010 neue Staatsanleihen in Höhe von 100 Milliarden Euro aufnehmen. Spanien will noch in dieser Woche Anleihen im Volumen von bis zu 9,5 Milliarden Euro mit einer Laufzeit von 12 bis 18 Monaten ausgeben. Im Juli werden Titel in Höhe von 23,8 Milliarden Euro fällig.

Um die Märkte zu beruhigen, drückte Zapatero Ende Mai ein Sparpaket durch das Parlament, das Kürzungen in Höhe von 15 Milliarden Euro vorsieht. Eine Bankenkrise würde dieses Programm gehörig durcheinanderwirbeln: Sie würde die Schuldenkrise befeuern, Risikoaufschläge für Spanien-Anleihen würden steigen, schlimmstenfalls droht eine ähnliche Abwärtsspirale wie in Griechenland.

Das aber hätte für die EU weit dramatischere Folgen als die jüngsten Turbulenzen in Griechenland: Die Regierung in Athen trägt 2,5 Prozent zum europäischen Bruttoinlandsprodukt bei, Spanien rund zwölf Prozent.

Spätestens wenn die spanische Bankenkrise die Schuldenkrise verschärft, könnte sich die EU daher zum Handeln gezwungen sehen, berichtete die "SZ" am Samstag: Aus Kreisen der Euro-Länder sei zu hören, Madrid habe für eine Rettung des spanischen Bankensektors nicht genug Geld. Sollte es tatsächlich zu einer Krise kommen, werde Spanien aller Voraussicht nach einen weiteren Hilfsfonds für die Kreditwirtschaft auflegen und im Gegenzug Mittel aus dem 750 Milliarden Euro schweren Rettungsprogramm der EU-Kommission, der Euro-Staaten und des Internationalen Währungsfonds (IWF) beantragen müssen.

Der Schutzschirm wird offiziell am 1. Juli aktiviert. Spanien wäre das erste Land, das ihn in Anspruch nehmen würde. Dass Spekulationen darüber zuerst in deutschen Zeitungen auftauchen, kann Zufall sein - Fakt ist aber auch: Von einer spanischen Schuldenkrise wären neben französischen vor allem deutsche Banken betroffen. Nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich hatten diese Ende 2009 Kredite im Umfang von 202 Milliarden Dollar in Spanien vergeben, 109 Milliarden Dollar davon an spanische Banken.

ssu

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. kein tittel
Gebetsmühle 14.06.2010
Zitat von sysopSpanien entwickelt sich zu Europas größtem Sorgenkind. Mehrere Zeitungen berichten, die EU könnte der Regierung in Madrid bald Hilfsgelder aus dem 750-Milliarden-Euro-Paket gewähren. Die Beteiligten dementieren das - doch die Angst vor einem Banken-Crash in Südwesteuropa wächst. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,700519,00.html
man muss diese banken einfach bankrott gehen lassen. der markt bereinigt das alles. der steuerzahler kann nicht für alles den kopf hinhalten und sich für 100 jahre verschulden nur damit heute eine bank nicht pleite geht. zur bankenrettung muss man die einlagen und das vermögen der schuldigen einziehen und nix andres.
2. Spanien und die Euro-Zone
Odde23 14.06.2010
Wenn Spanien nun ebenfalls crasht, wird es das vermutlich für den EURO gewesen sein. Die Milliarden an Transferleistungen die dann von den anderen EU-Staaten in Form von Krediten zur Verfügung gestellt werden müssen werden vermutlich niemals mehr zurückfliesen, was die Haushalte der anderen EU-Staaten wie Deutschland und Frankreich ins Wanken bringen könnte. Eine Währungsunion unter wirtschaftlich so unterschiedlich leistungsfähigen Staaten wie in der EU mit so unterschiedlicher Mentalität in der Bevölkerung kann auf Dauer nicht funktionieren.
3. Ja wollt Ihr uns denn alles madig machen?
BardinoNino 14.06.2010
Zitat von sysopSpanien entwickelt sich zu Europas größtem Sorgenkind. Mehrere Zeitungen berichten, die EU könnte der Regierung in Madrid bald Hilfsgelder aus dem 750-Milliarden-Euro-Paket gewähren. Die Beteiligten dementieren das - doch die Angst vor einem Banken-Crash in Südwesteuropa wächst. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,700519,00.html
Poldi, Schweini, Lahm und Klose stürmen sich gerade den rechten Lungenflügel aus der Brust, medial "begleitet" von Kathrin Müller-Obergruppenführer, da verbreitet die Medienmeute schon wieder schlechte Stimmung. Spanische Banken sind dem europäischen Einfaltspinsel momentan so was von Schnuppe...das könnt Ihr Euch überhaupt nicht vorstellen. Und das, was die Favoriten der Buchmacher (Spanien) gerade für Ihre Banken brauchen, das schmeißen Sarko de Funes und das Merkel an einem lauschigen Abend gemeinsam in die Musikbox - weg mit der Kohle, ist doch eh nur belastend. Aber schön, wie Ihr hier so die "Stellung" haltet...(kicher)
4. So sicher wie das Amen in der Kirche
Juan Pérez, 14.06.2010
Dieser Crash kommt, auch weil Herr Schuster so vehement NEIN sagt, so sicher wie das Amen in der Kirche, jeder Zeit ab Juli!
5. Unverantwortlich!
dextermorgan 14.06.2010
Es ist unverantwortlich, das die EU weiterhin freien und unabhängigen Journalismus duldet! Es muss sofort eine Nachrichten- und Meingsfreiheitsstperre verhängt werden. darüber hinaus eine europaweite Ausgangssperre, damit die Bevölkerung nicht ihre Habseligkeiten in Sicherheit bringen kann! Nur noch positive Nachrichten für das dumme EU-Volk! Die haben es nicht anders verdient! EUROPA, EUROPA über ALLES in der Welt!
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Spaniens Problemkinder: Arbeitslos und keine Perspektiven

Bevölkerung: 46,440 Mio.

Fläche: 505.968 km²

Hauptstadt: Madrid

Staatsoberhaupt:
König Felipe VI.

Regierungschef: Mariano Rajoy

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Spanien-Reiseseite

Milliardenstütze für den Euro
Die EU hat sich auf ein beispielloses Rettungspaket geeinigt: Ein bis zu 750 Milliarden Euro schwerer Fonds für Euro-Wackelkandidaten soll Spekulanten abschrecken und die Währung schützen - die Konditionen im Überblick.
Milliarden-Auffangnetz

Für die klammen Euroländer stellt die Gemeinschaft bei Bedarf bis zu 750 Milliarden Euro Soforthilfe zur Verfügung.

Die ersten 60 Milliarden Euro kommen direkt von der EU-Kommission.

Sollte dieses Geld nicht ausreichen, kommen dazu die 440 Milliarden Euro schweren Hilfen einer Finanz-Zweckgesellschaft (siehe unten).

Zusätzlich steuert der Internationale Währungsfonds (IWF)mindestens 250 Milliarden Euro bei.

Finanz-Zweckgesellschaft
Die Finanz-Zweckgesellschaft ist ein für die Euroländer völlig neues Instrument, das im Namen aller 16 Euroländer Geld leihen und an finanzschwache Staaten weiterleiten kann.
Die Euroländer selbst müssen das Geld dabei nicht auf den Tisch legen, sie treten vielmehr als Garanten für das zu leihende Geld auf.
Zinssatz
Wie im Fall von Griechenland wird es auch für das 750-Milliarden-Paket einen einheitlichen Zinssatz für alle bedürftigen Länder geben. Griechenland muss für seine Kredite fünf Prozent Zinsen (für drei Jahre) zahlen.
Konsolidierung
Schuldenländer verpflichten sich, künftig noch strenger auf die Sanierung der Staatshaushalte zu achten.
Finanzmarktregulierung

Die Euroländer wollen die Finanzmärkte stärker regulieren. Dazu zählen Derivate und Rating-Agenturen, die die Kreditwürdigkeit von Schuldnern - und damit auch Staaten - bewerten.

Darüber hinaus versprechen sich die Staaten auch von der Einführung eines "Stabilitätsbeitrags" der Banken und einer weltweiten Abgabe auf Finanztransaktionen eine stärkere Beteiligung des Finanzsektors an den Kosten der Finanz- und Schuldenkrise.


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Spanien: Was vom Bau-Boom übrigbleibt

Schulden in Europa
Gesamtverschuldung in Euro-Land
dpa
Mit der gigantischen Summe von mehr als sieben Billionen Euro sind die Euro-Länder verschuldet. Mit Hilfe des Internationalen Währungsfonds (IWF) haben die Staaten jetzt einen riesigen Rettungsschirm von bis zu 750 Milliarden Euro für Länder gespannt, die mit dem Schuldenberg nicht mehr fertig werden und in Zahlungsschwierigkeiten geraten.
Deutschland
Die gesamtstaatlichen Schulden liegen bei mehr als 1,7 Billionen Euro. Das sind mehr als 70 Prozent des BIP. Erlaubt sind laut Maastricht-Vertrag 60 Prozent. Die jetzt schon gigantische Summe könnte bis Ende 2013 durch immer neue Kredite bei etwa zwei Billionen Euro liegen.

Allein 2010 lag die Neuverschuldung bei 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), erlaubt sind laut Maastricht drei Prozent. Um diese Schuldenberge wieder abzubauen, hat die schwarz-gelbe Koalition im Sommer 2010 ein Sparpaket aufgelegt. Ob dies allerdings ausreicht, ist fraglich. Denn der Bund muss von 2011 an jedes Jahr zehn Milliarden Euro sparen - allein um die im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse einzuhalten.
Frankreich
Das Haushaltsdefizit lag 2009 bei 7,5 Prozent des BIP, die Gesamtverschuldungsquote bei 77,6 Prozent. In Euro ausgedrückt belaufen sich die Verbindlichkeiten auf mehr als 1,5 Billionen Euro. Die Regierung will die Staatsausgaben von 2011 bis Ende 2013 einfrieren. Jede zweite frei werdende Stelle im Öffentlichen Dienst wird nicht besetzt.

Die laufenden Ausgaben für den Staatsbetrieb sollen binnen drei Jahren um zehn Prozent gesenkt werden. Zudem will Paris Steuerschlupflöcher stopfen und so in zwei Jahren fünf Milliarden Euro mehr einnehmen. Eine Rentenreform soll außerdem das riesige Defizit in den Sozialkassen senken. Das Rentenalter in Frankreich liegt derzeit für das allgemeine Rentensystem noch bei 60 Jahren.
Spanien
Das Land hat einen Sparplan vorgelegt, der für die kommenden drei Jahre eine Senkung der Ausgaben um 50 Milliarden Euro vorsieht. Für 2010 und 2011 kündigte Madrid zusätzliche Einsparungen von 15 Milliarden Euro an. Erstmals in der jüngeren Geschichte des Landes werden die Gehälter von Ministern und Beamten gekürzt. Staatliche Investitionen werden zusammengestrichen.

Die Neuverschuldung lag 2009 bei 11,2 Prozent des BIP. Die Gesamtverschuldung des Staates wurde zuletzt vom Finanzministerium auf 55,2 Prozent des BIP beziffert. Laut Eurostat sind es knapp 560 Milliarden Euro.
Portugal
Die Regierung überraschte 2010 mit der Ankündigung von Steuererhöhungen. Einkommensteuern sollen angehoben, Unternehmen mit einer zusätzlichen "Krisensteuer" von 2,5 Prozent auf alle Gewinne belastet werden. Die Mehrwertsteuer soll von 20 auf 21 Prozent steigen. Die Bezüge der Politiker und der Verwalter öffentlicher Unternehmen sollen um fünf Prozent reduziert werden.

Damit will Portugal sein Haushaltsdefizit von 9,4 Prozent des BIP auf sieben Prozent reduzieren. Die Gesamtschulden entsprachen 2009 rund 76,8 Prozent des BIP.
Italien
In Italien sind bislang keine größeren Sparpakete auf den Weg gebracht worden, obwohl das Land zu den großen Schuldensündern in der Euro-Zone zählt.

Der italienische Wirtschaftsminister Giulio Tremonti hat zwar angekündigt, dass ab 2011 gespart werden soll. Genaueres hat er bislang aber nicht erklärt. Italien hat in absoluten Zahlen einen Gesamtschuldenstand wie Deutschland von mehr als 1,7 Billionen Euro. In Relation zur Wirtschaftskraft ist der Schuldenberg aber weit größer: Er beträgt rund 114 Prozent des BIP.
Irland
Im Haushalt 2010 waren strikte Sparmaßnahmen vorgesehen. So wurden Gehälter im Öffentlichen Dienst um fünf bis 15 Prozent gekürzt. Die Sozialausgaben wurden um 760 Millionen Euro zurückgefahren, beim Arbeitslosengeld kam es zu Streichungen für bestimmte jüngere Altersgruppen.

Irland hat eine Gesamtverschuldung von mehr als hundert Milliarden Euro. Damit bewegt sich das Land nicht weit von der vorgeschriebenen 60-Prozent-Regel mit Blick auf das BIP. Allerdings lag die Neuverschuldung 2010 bei rund 30 Prozent.
Belgien
Der hohe gesamtstaatliche Schuldenstand von knapp 97 Prozent des Bruttoinlandsprodukt wird 2011 auf etwa 101 Prozent wachsen. Erlaubt sind nur 60 Prozent.

Wegen der politischen Krise - das Land stolpert von einer Regierungskoalition zur nächsten - ist Belgien politisch gelähmt. Größere Sparpakete sind nicht in Sicht.
Niederlande
Beim Schuldenberg stehen die Niederlande im Vergleich zu anderen Euro-Staaten gut da. Aber auch dort wird er wachsen - von knapp 61 Prozent des BIP 2009 auf annähernd 70 Prozent 2011.

Doch die Niederländer pochen auf Konsolidierung. Die Regierung identifizierte Sparmöglichkeiten bei den Staatsausgaben von rund 20 Prozent. Die EU würde eine Anhebung des Pensionsalters von 65 auf 67 Jahre begrüßen, wie es in den Niederlanden debattiert wird.
Griechenland
Um eine Staatspleite abzuwenden und den unter Druck geratenen Euro zu verteidigen, haben die EU-Staats- und Regierungschefs ein einmaliges, 110 Milliarden Euro schweres Rettungspaket für Griechenland beschlossen.

2009 beliefen sich die Schulden des Landes auf 273 Milliarden Euro und damit auf 115 Prozent des BIP. Gegen heftigen Widerstand im eigenen Land hat die Regierung ein 30-Milliarden-Sparpaket durchgesetzt - Renten und Gehälter im Staatsdienst sollen gekürzt, Steuern heraufgesetzt werden.
Slowakei
Die Gesamtverschuldung lag Ende 2009 bei gut 22 Milliarden Euro, das entsprach 35,7 Prozent des BIP. Nur noch Luxemburg hat in der Euro-Zone einen kleineren Schuldenberg. Das Haushaltsdefizit 2009 von 4,3 Milliarden Euro erreichte aber mit 6,8 Prozent vom BIP einen Rekordstand und soll 2010 gesenkt werden.

Ein Sparprogramm der Regierung sieht großflächige Ausgabenkürzungen vor, aber keine Einschnitte bei Pensionen und im Sozialsystem. Kräftige Einsparungen gab es 2009 im Verteidigungsbudget.
Slowenien
Der Gesamtschuldenstand lag zuletzt bei 40 Prozent des BIP, also klar unter den erlaubten 60 Prozent. Problematisch sind jedoch das schleppende Wirtschaftswachstum und die steigende Arbeitslosigkeit. Ende 2009 überschritt die Arbeitslosenquote zehn Prozent.

Mit Konjunkturprogrammen wurde die Wirtschaft gestützt, das Haushaltsdefizit dürfte 2010 bei 6,1 Prozent des BIP liegen, nach 5,5 Prozent 2009. Das Sparprogramm ist noch nicht klar. Experten rechnen mit Kostensenkungen im öffentlichen Sektor, auch liegen in der Privatisierung von Staatsunternehmen noch Reserven.
Österreich
Mit Steuererhöhungen und strengen Sparmaßnahmen will Österreich seinen Staatshaushalt wieder auf Vordermann bringen. Als Ziel will die Regierung bis 2014 das Defizit von 4,7 auf 2,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts reduzieren. Bund, Länder und Gemeinden sollen bis zu 5,1 Milliarden Euro einsparen, dazu sollen die Bürger über mehr Steuern für höhere Staatseinnahmen sorgen.

Einig ist sich die Koalition aus konservativer ÖVP und sozialdemokratischer SPÖ aber bisher nur bei der Einführung einer Bankensteuer, die die alpenländischen Geldhäuser rund 500 Millionen Euro kosten soll. Insgesamt betragen die Schulden Österreichs derzeit etwa 66 Prozent des BIP.
Finnland
Mit einem Gesamtschuldenstand von 75 Milliarden Euro gehört Finnland nicht zu den Problemländern in der EU, was die Staatsfinanzen angeht. Die Regierung in Helsinki hat seit dem Euro-Start eine sparsame Haushaltspolitik geführt.

Auch deshalb stehen drastische Sparprogramme wegen der aktuellen Finanzkrise nicht auf der Tagesordnung. Seit längerem schon will die Regierung das Rentenalter heraufsetzen und die Rentenansprüche senken.
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dpa
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