Soziale Spaltung Europa zerfällt zunehmend in Nord und Süd

Europa droht die soziale Spaltung. Bei Jobs, Bildung und Wohlstand hat sich laut einer Bertelsmann-Studie das Gefälle von Nord nach Süd verstärkt. In Deutschland gibt es dagegen Fortschritte.

Streiks im öffentlichen Dienst in Griechenland (Archiv): Auf dem letzten Platz
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Streiks im öffentlichen Dienst in Griechenland (Archiv): Auf dem letzten Platz


Berlin - Das europäische Integrationsprojekt gerät in Gefahr. So hat der sozialpolitische Sprengstoff einer Studie der Bertelsmann-Stiftung zufolge im Zuge der Eurokrise zugenommen. Auch wenn sich die Europäische Union (EU) zuletzt wirtschaftlich etwas stabilisiert habe, so sei das Maß an sozialer Gerechtigkeit in weiten Teilen der Union gesunken, heißt es in der am Montag veröffentlichten Analyse der Stiftung.

Vor allem in den südeuropäischen Ländern sei es nicht gelungen, die Lasten der Krisenbekämpfung in Form harscher Einschnitte einigermaßen gerecht zu verteilen. Generell gebe es ein starkes Nord-Süd-Gefälle bei der sozialen Gerechtigkeit in Europa.

"Die wachsende soziale Kluft zwischen den Mitgliedstaaten und zwischen den Generationen kann zu Spannungen und einem erheblichen Vertrauensverlust führen", warnte Stiftungsvorstand Jörg Dräger. Sollte diese Entwicklung andauern, drohe das europaweite Integrationsprojekt in Gefahr zu geraten. Daher sollte das Thema soziale Gerechtigkeit in der EU stärker in den Vordergrund gestellt werden.

Die Wissenschaftler der Bertelsmann-Stiftung arbeiten mit einem sogenannten Gerechtigkeitsindex, der anhand einer Vielzahl einzelner Kriterien verschiedene Dimensionen der sozialen Gerechtigkeit erfasst: nämlich Armut, Bildung, Arbeitsmarkt, Gesundheit, Generationengerechtigkeit sowie gesellschaftlicher Zusammenhalt und Nicht-Diskriminierung.

Deutschland in vielen Bereichen nur im Mittelfeld

Im Vergleich dazu hat Deutschland hingegen geschafft, was kaum einem anderen EU-Staat während der Krise seit 2008 gelungen ist: Die soziale Gerechtigkeit hat zugenommen. Der leichte Aufwärtstrend geht insbesondere auf die robuste Entwicklung am Arbeitsmarkt zurück, drückt sich aber auch in anderen Bereichen wie Bildung, Integration oder Gesundheit aus. Trotz der Verbesserung und einem siebten Gesamtplatz unter allen 28 EU-Staaten erreicht die größte Volkswirtschaft Europas allerdings in vielen wichtigen Bereichen nur eine Platzierung im Mittelfeld.

Angeführt wird die Rangliste der EU-Länder in Hinblick auf die Verwirklichung einer möglichst hohen sozialen Gerechtigkeit von Schweden, gefolgt von Finnland, Dänemark und den Niederlanden. Frankreich belegt Rang elf. Auch Großbritannien liegt mit Rang 13 noch über dem EU-Durchschnitt.

Am Ende rangiert Griechenland, das mit am härtesten von der Staatsschuldenkrise betroffen war. Weit hinten liegen auch Italien (Rang 23), Spanien (Rang 21) und Portugal (Rang 20).

yes/Reuters



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insgesamt 99 Beiträge
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Seite 1
Motorkopf 15.09.2014
1. spaltet sich vor allem in...
arm & reich!
Flam 15.09.2014
2. ....der Reiche ruft:
"Es geht den Armen hier schon viel besser! Da brauche ich ja auch nichts von dem Geld abzugeben, das diese mir in den letzten Jahrzehnten erarbeitet haben."
EuroLoser 15.09.2014
3. Solidaritätsbeitrag für dien Süden
Jetzt muß man aber doch den armen Südstaaten sofort helfen. Gutmenschen, bitte an die Front.
agua 15.09.2014
4.
Portugal und Griechenland sind ebenbürtig. Portugal verfälscht seine Arbeitslosenzahlen mit sinnlosen Kursen.Hinzu kommt das Ende der Saison, welche vielen Menschen einen Job für drei Monate gab, die nun arbeitslos werden und auch aus der Statistik fallen werden. Nun wird sich die Ukraine noch an das Bein gekettet, weil dies zumVorteil einiger Weniger ist. Letztendlich ist dies der Charakter der EU geworden. Zum Vorteil für Wenige und zum Nachteil Vieler. Das wird kein gutes Ende nehmen!
EuroLoser 15.09.2014
5. Europa...
...das große Friedens-und Wohlstandsprojekt. Jetzt fährt es endlich gegen die Wand.
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