Bestnote in Gefahr Zweite Rating-Agentur setzt Frankreich unter Druck

Frankreich droht ein Doppelschlag der Rating-Agenturen: Auch Moody's zweifelt nun an der Top-Kreditwürdigkeit des Euro-Landes. Die Bonitätswächter wollen sich bis spätestens Ende März entscheiden.

Protest vor der S&P-Filiale in Frankreich: Weitere Abstufungen im Euro-Raum möglich
DPA

Protest vor der S&P-Filiale in Frankreich: Weitere Abstufungen im Euro-Raum möglich


Paris - Gerade mal ein Wochenende blieb der französischen Regierung, um die Herabstufung seiner Bonitätsnote durch Standard & Poor's zu verkraften. Schon droht die nächste Rating-Agentur mit einem möglichen Entzug des "AAA": Moody's hält zwar noch an der Spitzennote fest, doch der Agentur zufolge gefährdet die Entwicklung der staatlichen Schulden und potentiellen Ausgaben für weitere Krisenhilfen in Europa den stabilen Ausblick Frankreichs. Das Unternehmen werde noch im ersten Quartal entscheiden, ob es Frankreich herunterstufe, hieß es am Montag.

Standard & Poor's hatte am Freitag zusammen mit Frankreich acht weitere Euro-Länder herabgesetzt, darunter auch Österreich. Deutschland behielt aber seine Bestnote AAA. Das Problem dabei: Frankreich ist zusammen mit Deutschland Hauptgarantiegeber des Euro-Rettungsfonds EFSF. Nun fürchten Beobachter, dass sich die Finanzierung der Krisenländer verteuern wird.

Die neueste Entwicklung ist für die Euro-Retter ein Rückschlag - sie trifft Nicolas Sarkozy aber besonders hart. Frankreichs Präsident ist eine der treibenden Kräfte bei der Lösung der Schuldenkrise - und er steckt mitten im Wahlkampf. Im April, so die Hoffnung Sarkozys, wird er zum zweiten Mal zum mächtigsten Mann des Landes gewählt.

Die Regierung versucht entsprechend gute Stimmung zu verbreiten. Sie erwarte keine automatischen Konsequenzen aus dem Verlust der Top-Note, da Frankreich kreditwürdig und die Staatsanleihen des Landes eine sichere Anlage seien, sagte die französische Haushaltsministerin Valérie Pécresse dem Radiosender Europe-1. Sie sprach vor einer geplanten Auktion von kurzfristigen Anleihen, die noch am Montag stattfinden sollte. Die Auktion wird als Gradmesser für die Auswirkung des geänderten Ratings angesehen. Pécresse verwies darauf, dass auch für die US-Regierung nach dem Verlust der Bestnote die Kosten für neue Kredite nicht in die Höhe geschossen sind.

Weniger bangen muss sich Frankreich indes um das Rating der dritten großen Agentur, das von französischen Eignern dominierte Unternehmen Fitch. Die Agentur hatte bereits vor einer Woche mitgeteilt, dass Frankreich in diesem Jahr nicht herabgestuft werde. Lediglich eine dramatische Verschärfung der Euro-Krise könne an dieser Einschätzung etwas ändern, sagte eine Sprecherin.

Österreich kämpft um Rückgabe des Top-Ratings

Österreich will die Bonitätsbestnote AAA so schnell wie möglich zurückbekommen. "Das erklärte Ziel der Bundesregierung muss es sein, dass wir das AAA bei allen Rating-Agenturen wiedererlangen - darum geht es", sagte Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP) vor Beginn eines Krisentreffens im Kanzleramt. Österreich plane daher, möglichst rasch die Eckpunkte des künftigen Sparprogramms festzuzurren. "Man muss jetzt mit kühlem Kopf und einer gewissen Beharrlichkeit an Systemreformen gehen", sagte Spindelegger.

Nach einem Ministerratsbeschluss Ende Februar solle das Sparpaket im März im Nationalrat diskutiert werden. Neben Spindelegger nahmen Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ), Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP), Notenbankgouverneur Ewald Nowotny und Vorstände der Finanzmarktaufsicht an dem Treffen teil.

Nach Ansicht Nowotnys, der auch Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) ist, ist die Abstufung zur Unzeit gekommen. Die Spannungen um die Schuldenkrise hätten sich in jüngster Zeit etwas entspannt, die Herabstufung könne sie wieder anfachen, sagte Nowotny in einem Fernsehinterview. Die EZB werde alles in ihrer Macht stehende tun, um in dieser Situation unterstützend zu wirken.

Mittelfristig weitere Herabstufungen möglich

Dennoch: Viele Euro-Länder müssen mittelfristig mit weiteren Herabstufungen ihrer Kreditwürdigkeit durch S&P rechnen. "Wir hatten jetzt für die meisten Euro-Staaten auch einen negativen Ausblick gleich mit angekündigt", sagte der Leiter der für die Länderratings zuständigen Abteilung bei S&P Deutschland, Moritz Kraemer. "Das bedeutet, dass innerhalb der nächsten ein oder zwei Jahre weitere Herabstufungen folgen könnten." Kraemer schränkte aber ein: "Unmittelbar um die Ecke steht da nichts an - es sei denn, es kommt zu einer unerwarteten Verschlechterung der Situation".

yes/Reuters/dapd

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Seite 1
herbertderste 16.01.2012
1. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt...
Zitat von sysopFrankreich droht ein Doppelschlag der Rating-Agenturen: Auch Moody's zweifelt*nun an der Top-Kreditwürdigkeit des Euro-Landes. Die Bonitätswächter wollen sich bis spätestens Ende März entscheiden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,809330,00.html
Na, wenn das mal nicht System hat. Das würde Otto Normalverbraucher überhaupt nicht interessieren. Nur weil SPON und andere Magazine sowie Zeitschriften immer wieder auf diesen Zug springen kriegt diese völlig überzogene Handlung der Ratingagenturen eine Bedeutung. Leider sorgt ihr auch dafür, dass in der Öffentlichkeit Unsicherheit herrscht. Überlasst doch bitte den Fachmagazinen dieses Thema, denn nur dort wird auch die fachliche kompetente Seite sich ihre Informationen holen.
!!# 16.01.2012
2. Der Zorn der Franzosen ist nicht konstruktiv
Zitat aus dem Artikel: ---Zitat--- Österreich will die Bonitätsbestnote AAA so schnell wie möglich zurückbekommen. "Das erklärte Ziel der Bundesregierung muss es sein, dass wir das AAA bei allen Rating-Agenturen wiedererlangen - darum geht es", sagte Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP) vor Beginn eines Krisentreffens im Kanzleramt. ---Zitatende--- Die Reaktion der Österreicher ist realistisch und vorbildlich. Die Reaktion der Franzosen ist unter aller Kanone. Anstatt die Rating-Agenturen als eine Art von Spiegel zu betrachten, zerbrechen die Franzosen den Spiegel, weil er ein nicht schmeichelhaftes Bild der französischen Finanzen liefert.
TvanH 16.01.2012
3.
Zitat von sysopFrankreich droht ein Doppelschlag der Rating-Agenturen: Auch Moody's zweifelt*nun an der Top-Kreditwürdigkeit des Euro-Landes. Die Bonitätswächter wollen sich bis spätestens Ende März entscheiden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,809330,00.html
Ich hoffe nur das die Politiker und das Gefolge in Brüssel nicht die Nerven verlieren wenn sie das scheitern des Euro akzeptieren müssen, aber nicht wollen oder können.
b.oreilly 16.01.2012
4.
die französische Bevölkerung wird sich noch umgucken wenn erstmal die Präsidentschaftswahlen vorbei sind. Dann werden sie gerupft wie Hühner im Schlachthaus, von welchen Präsidenten dann auch immer. Aber eigentlich interessiert diese Thema doch ehe kaum jemanden. Seit fast 2 Jahren köchelt die Angelegenheit in Europa nun.
leerzeichen 16.01.2012
5. sehr kreativ
Zitat von sysopFrankreich droht ein Doppelschlag der Rating-Agenturen: Auch Moody's zweifelt*nun an der Top-Kreditwürdigkeit des Euro-Landes. Die Bonitätswächter wollen sich bis spätestens Ende März entscheiden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,809330,00.html
Das ist schlicht eine Falschmeldung. Moody's hält ausdrücklich an der Bestnote fest. Sie wollen sich nicht bis Ende März "entscheiden", das haben sie gerade schon getan und eben festgehalten, sondern zum Quartalsende nochmal nachsehen. Etwas weniger Interpretation wäre mehr.
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